MdL Strobl erneuert Forderung und fragt Staatsregierung nach ihrer Meinung
Bankdienstleistungen sollen vor Ort bleiben

Schnaittenbach. Nicht nur in unserer Region werden immer mehr Bankfilialen geschlossen. Ulrich Netzer, Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, schätzte kürzlich, dass heuer im Freistaat die Zahl der Geschäftsstellen um bis zu zehn Prozent zurückgehen und damit ihre Zahl wohl doppelt so schnell sinken wird wie 2015, als 82 der 2327 Filialen geschlossen wurden. Auch bei einem parlamentarischen Frühstück mit dem Genossenschaftsverband war die Zukunft der Filialen Thema, teilte Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl (SPD) mit.

Einmal pro Jahr Filialbesuch


Aufgrund der öffentlichen Diskussion bei der Schließung von Filialen der Sparkassen wollte er nach eigener Auskunft nun von der Staatsregierung wissen, wie sie die Situation beurteilt. Die angeführte Aussage des Präsidenten des Sparkassenverbandes, so zitiert Strobl Staatssekretär Gerhard Eck in dessen Antwort, sei eine nachvollziehbare allgemeine Prognoseeinschätzung, die in erster Linie vor dem Hintergrund eines sich ändernden Kundenverhaltens getroffen worden sei: Der Sparkassenkunde von heute besuche im Durchschnitt nur mehr einmal pro Jahr seine Geschäftsstelle. Zudem erzeuge die anhaltende Niedrigzinsphase einen hohen Ertragsdruck, was Kostensenkungsmaßnahmen notwendig mache. Die konkrete Entscheidung, ob und welche Filialen geschlossen würden, obliege aber in jedem Einzelfall dem Vorstand und dem Verwaltungsrat der jeweiligen Sparkasse.

Kritisch sieht Strobl die Tatsache, dass - meist in größeren Verbrauchermärkten - Geld an der Supermarktkasse abgehoben werden kann. Er befürchtet eine indirekte Unterstützung der Konzentration im Einzelhandelsbereich hin auf große Einkaufsketten. Deshalb galt eine seiner Fragen auch dieser Tendenz. Antwort laut Abgeordnetem:

Nach dem Zahlungsdienstleistungsgesetz könne eine "Auszahlung an Bankkunden durch eine Nichtbank nur in Verbindung mit einer EC-Transaktion erfolgen, wobei die Höhe mindestens 20 Euro betragen soll und eine Autorisierung des angeforderten Betrags durch den kartenausgebenden Zahlungsdienstleister erforderlich ist. Die Höhe der Auszahlung ist auf 200 Euro limitiert."

Das Angebot von Geschäften, Bargeld an Kunden auszuzahlen, sei ein verhältnismäßig neuer Kundenservice des Einzelhandels, der die Zahl der Abhebestellen vervielfache. Hier hakte Strobl nach eigener Schilderung nach mit der Frage, was die Staatsregierung zu tun gedenke, um eine Konzentration der Geldströme auf große Märkte zu vermeiden und wie sie diesen Zustand für die Zukunft kleinerer Läden beurteile. Hierzu meinte die Staatsregierung laut Strobl, dass dieser Service insbesondere von Supermärkten derzeit noch keineswegs so verbreitet und üblich sei, dass davon eine nennenswerte Gefährdung bestehender Einzelhandelsstrukturen ausgehen könnte. Die Bargeldauszahlung werde im Übrigen auch von kleineren Einzelhandelsgeschäften angeboten.

Service statt "Nötigung"


Eine "Nötigung" der Bankkunden, vom Serviceangebot der Supermärkte Gebrauch zu machen, erkennt die Staatsregierung demnach nicht. Einen Bedarf, neutrale Stellen zu installieren, zum Beispiel in Rathäusern oder Ämtern, sieht sie demnach genauso wenig. Der Abgeordnete meint jedoch: "Mit Blick auf die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Finanzdienstleistungen sind grundsätzlich der Erhalt von Filial- und Geldautomatenstandorten und damit auch etwaige Kooperationen zwischen Banken unterschiedlicher Institutsgruppen zu begrüßen."

Auch wenn es bereits heute vereinzelt solche Kooperationen gebe, sieht Strobl noch politischen Handlungsbedarf, zum Beispiel im Kartellrecht. Grundsätzlich müsse es Ziel sein, Bankdienstleistungen soweit wie möglich vor Ort zu erhalten. "Kirche, Rathaus und eine Bankfiliale gehören zu einem Ort", so Strobls Fazit.
Kirche, Rathaus und eine Bankfiliale gehören zu einem Ort.Reinhold Strobl
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.