Mit dem Bund Naturschutz auf Exkursion durch preisgekrönten Bauernwald
Über 12 000 Pflanzen selbst gesetzt

Eine aufschlussreiche Exkursion erlebten die Teilnehmer der Gruppe mit Richard Beer, Peter Zahn und Anton Preischl (Dritter, Vierter und Sechster von links). Bild: hfz

Begeistert waren die Teilnehmer der Exkursion zum Thema "Naturschutz im Bauernwald". Beratungsförster Anton Preischl und Staatspreisträger Richard Beer führten die Gruppe in Beers Wald bei Ipflheim auf Wunsch der Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN).

Ipflheim. Im Beer-Wald bleiben, für seinen Besitzer selbstverständlich, eine zunehmende Zahl alter, dicker, teils abgestorbener, dürrer Kiefern, Aspen, Birken, Eichen, viele davon mit Höhlen, Pilzkonsolen und Spaltenquartieren, stehen. Und zwar, bis sie irgendwann natürlich zusammenbrechen und zu Humus zersetzt werden. Bis dahin dienen diese Biotopbäume vielen heimischen Tier- und Pflanzenarten, von Specht über Fledermaus bis Hornisse und Stachelbart, einem der vielen holzzersetzenden Pilze, als oft unersetzlicher Brut- oder Lebensraum.

Schlechte Bäume raus


Bewundert wurden die mittlerweile auf neun Hektar angewachsenen, intensiv mit vielen standortgerechten und heimischen Baumarten gemischten Verjüngungsflächen. Dass Richard Beer für diese nachwachsende Waldgeneration im (darüberstehenden) Altholzschirm qualitativ schlechte Bäume entnehmen und nachlichten muss, sprich alte Exemplare fällt, um den jüngeren das erforderliche Licht zu geben, ist laut Preischl notwendig. Zum einen würden lichtbedürftige Baumarten in der Verjüngung ansonsten ausdunkeln. Zum anderen braucht der Waldbesitzer die Holzgeld-Einnahmen, um die Kosten für Pflanzung, Naturschutzmaßnahmen und besonders für den Wildschutzzaun auszugleichen.

Die waldbaulichen Zuschüsse der Bayerischen Forstverwaltung würden dafür bei weitem nicht ausreichen. Preischl meinte, dass sowohl der Waldumbau von einer artenarmen "Kiefernwüste" zu einem klimaangepassten, zukunftsfähigen Mischwald als auch die Nutzung des vor unserer Haustüre wachsenden und immer wieder nachwachsenden Rohstoffes Holz als Maßnahmen des Umweltschutzes betrachtet werden dürfen.

Beeindruckt zeigte sich nicht nur Beate May vom örtlichen BN über das feinfühlig angelegte Rückegassen-System und über Sorgfalt und technisches Können, mit denen Beer seine Nachlichtungshiebe ohne nennenswerte Schäden bewerkstelligt. Preischl wies auf den hohen ökologischen Wert von intakten, gestuften Waldrändern hin, die Beer schrittweise durch Unterpflanzung mit nicht vorhandenen Strauch- und Baumarten aufbaut.

Auf eine sogenannte Benjeshecke, ein Wall aus Ast- und Strauchschnitt, in dem die Vögel sozusagen "ihre Hecke scheißen" - durch Sameneintrag aus Vogelkot wächst eine junge nach - , ist Beer besonders stolz. Ebenso auf eine riesige, alte Schlehenhecke, die selbstverständlich ihren Platz behalten und erweitern darf. "Jede Art soll in meinem Wald ihren Platz haben! Die Natur zahlt uns das zurück. Vögel, die in der Hecke leben, bringen den Samen seltener Baumarten in den Wald. Die Fledermaus schöpft waldschädliche Insekten ab. Der stufig aufgebaute Waldrand hält Winde ab und schützt den dahinter liegenden Waldbestand vor Frostschäden und den Boden vor Austrocknung."

Teich zu Biotop


Mittlerweile widmet sich Beer auch intensiv dem Element Wasser im Wald. Auf der jüngsten Ankaufsfläche östlich von Diebis wird er einen ehemaligen Fischteich zu einem naturnahen Feuchtbiotop renaturieren. Als einzigartig bezeichnete Preischl die Arbeitsleistung von Richard Beer: Über 1000 Festmeter eigenhändiger Holzeinschlag, mehr als 12 000 selbst gesetzte Pflanzen und die in etwa 17 Jahren auf neun Hektar gebauten und instand gehaltenen Verbiss-Schutzzäune suchen ihresgleichen.

Die umfangreichen Pflanzungen allein hätten jedoch nicht annähernd die vorhandene Flächenwirkung und Qualität der Verjüngung erreicht, käme nicht die Naturverjüngung, der Anflug von Samen von Kiefer, Fichte, Ahorn, Kirsche, Linde, Birke, Vogelbeere, Aspe und Eiche, hinzu. Die Teilnehmer staunten über den frappierenden Unterschied: zahlreiche natürlich angekommene kleine Eichen im Zaun, außerhalb des Zauns nur sehr vereinzelt Eichen und meist vom Rehwild verbissen.

Beer erbringt mit großflächigem Zaunbau eine immense Vorleistung für den Waldumbau. Ohne diesen Schutz selektiert das Rehwild allzu gerne die selteneren Mischbaumarten aus der Verjüngung durch Verbiss aus. Übrig bleibt vielfach die wenig verbissene Fichte. "Angesichts von zunehmenden Trocken- und Hitzephasen haben reine Fichtenbestände in Zukunft schlechte bis keine Überlebenschancen", so Beer. "Der Borkenkäfer wird wohl viele Fichtenbestände schon weit vor Hiebreife "fressen"".

Umso dramatischer die jüngste Entwicklung in Sachen Wildschäden. Beer hat den Zaun um seine ältesten Verjüngungen abgebaut, weil sie für den Rehverbiss bereits zu hoch sind und er den Lebensraum Wild und Jäger zurückgeben will. Die Teilnehmer waren betroffen von den zahlreichen frischen Fegeschäden, verursacht von mehreren Rehböcken, und Schälschäden durch Rotwild. Fatal, dass so die für die Zukunft so wichtigen und mühsam hochgezogenen Weißtannen, Douglasien, Ahorne, und Rotbuchen auszufallen drohen.

Auf dem Spiel


"Der einzelne Waldbesitzer ist hilflos, solange Jagdgenossenschaften mehrheitlich nicht erkennen, dass die Zukunft ihres eigenen Heimatwaldes auf dem Spiel steht", unterstrich Preischl. Gerade Rotwildschäden ließen sich durch revierübergreifende Bejagung abstellen. Dazu müssen Jagdpächter und -behörde die Probleme erkennen und danach handeln. Ansonsten werde das Rotwild nicht nur den preisgekrönten Mischwald von Beer "kaputt schälen".

Dem Waldbesitzer bleibe nur, falls er sich das leisten könne, eine großflächige und jahrzehntelange Zäunung.
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