Zwei Bauernhöfe gewähren Einblicke
Wie Landwirtschaft noch funktioniert

So ein fleißiger kleiner Fahr-Roboter sorgt dafür, dass der Bauer nur am Morgen das Futter hinlegen muss. Danach verteilt es die Maschine den ganzen Tag zuverlässig an die Kühe. Bild: Hartl
 
Ein Blick auf das Display des Melkroboters zeigt Wolfhard-Rüdiger Wicht und Jonas Wisgickl: Diese Kuh wird noch ungefähr drei Minuten gemolken, bis ihr Euter leer ist. Bild: Hartl

Reinhold Wisgickl schaut auf den Boden und lächelt etwas, als die Frage kommt, was denn die Nachbarn gesagt haben, als er 2006 seine Biogasanlage gebaut hat. Damals stand alle paar Tage was von der Geruchsbelästigung in der Zeitung, die eine Anlage bei Hahnbach produzierte.

Amberg-Sulzbach. Dass Wisgickls Nachbarn deshalb skeptisch waren, dürfte etwas untertrieben sein. Aber sie haben dann schnell gemerkt, dass die Biogasanlage in Massenricht dicht war, keinen Gestank produzierte und eben auch eine ökologisch sinnvolle Investition war. Heute versorgt Reinhold Wisgickl 16 Häuser in der Umgebung mit Wärme.

Eigentlich drehte sich die Pressefahrt des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg um das Thema Klimawandel. Aber durch die beiden Betriebe, die ihr Ziel waren - neben Wisgickls Hof noch der von Richard Weiß in Ebersbach -, zeigte sie auch, wie Bauernfamilien heute wirtschaften müssen, um überleben zu können. Eine Annäherung in fünf Schlagworten:

Kooperation


Auf die Biogasanlage kam Reinhold Wisgickl, weil 2005 die Getreidepreise extrem im Keller waren und ihm sein Kollege Karl Wiesneth, der darin keine Gewinnmöglichkeit mehr sah, den Vorschlag machte, doch gemeinsam auf dem Feld der erneuerbaren Energien tätig zu werden. Gemeinsam war die nicht unerhebliche Investition zu stemmen und die damit verbundene Arbeit zu meistern. Die rechtliche Form der Zusammenarbeit ist die "Wisgickl-Wiesneth Bioenergie Massenricht GbR".

Zweites Standbein


Sowohl Wisgickl als auch Weiß sind Milchviehhalter, leiden unter dem niedrigen Milchpreis. Aber ihre Biogasanlagen - in Massenricht mit einer Dauerleistung von 600 Kilowatt, in Ebersbach mit 380 - bescheren ihnen ein zusätzliches Einkommen, so dass sie die Zukunft ihrer Betriebe nicht unmittelbar bedroht sehen. Selbst Richard Weiß, der 2015 einen Stall für 200 Kühe neu gebaut hat, stehen deshalb keine Sorgenfalten auf der Stirn: "Die Biogasanlage muss halt den Stall mit finanzieren. Sie ist ein Puffer." Einen Preis zahlt man freilich dafür: "So manche Stunden, wenn die anderen schon Feierabend haben, musst du noch an der Anlage was machen." Weiß findet, dass eine Biogasanlage und die Rinderhaltung gut zusammenpassen. Alleine 60 Kilowatt an Leistung erhalte man schon durch die Gülle. "Ohne die wär's wohl nicht mehr so lukrativ."

Reinhold Wisgickl hat daneben noch eine Photovoltaikanlage, 230 Kilowatt stark. Die sieht man jetzt auf vielen Dächern von landwirtschaftlichen Gebäuden, aber nicht auf dem neuen Stall von Richard Weiß. Warum nicht? "Weil wir so weit weg vom Schuss sind", sagt der Landwirtschaftsmeister. "Für den Leitungsanschluss zum nächsten Trafo hätten wir erst 60 000 Euro investieren müssen. Das rentiert sich nicht."

Ökologie im Blick


Für beide Landwirte ist es wichtig, auch die Wärme ihrer Biogasanlagen optimal zu verwerten. Wisgickl nutzt sie über das Fernwärmenetz und im Sommer (genau wie Weiß) zusätzlich, um Getreide, Körnermais oder Hackschnitzel zu trocknen. Weiß beheizt mit der Wärme die Schule und das Altenheim in Vilseck. Deshalb hat er, nachdem 2010 die Anfrage der Stadt gekommen war, sogar den geplanten Standort verändert: Die Anlage steht jetzt auf halbem Weg nach Vilseck. Er ist überzeugt: "Eine Biogasanlage sollte immer eine sinnvolle Wärmenutzung haben, denn es ist brutal, was da für eine Wärme anfällt."

Modernste Technik


Beide Höfe arbeiten mit Melkroboter. Das Gerät kontrolliert, welche Kühe zum Melken kommen dürfen, welche nicht. Es reinigt die Zitzen, setzt die Becher darauf an und legt los - bis das Euter leer ist. Um das Melken braucht sich also kein Mensch mehr zu kümmern, außer wenn Fehlermeldungen aufs Smartphone kommen. "Früher mussten wir am Morgen dreieinhalb Stunden in den Stall und am Abend noch einmal drei Stunden. Jetzt stehen wir auf und wissen, dass gemolken ist", macht Traude Weiß den Unterschied deutlich. Der Melkroboter sei absolut der richtige Schritt gewesen. Jetzt komme man pro Tag mit zweimal eineinhalb Stunden im Stall aus.

Als Familie stark


Nicht nur weil ein so großer Betrieb die Arbeitskräfte dringend braucht, freuen sich Traude und Richard Weiß, dass ihre Söhne Andreas und Alexander die Landwirtschaft fortführen möchten - wobei der eine mehr von der Biogasanlage begeistert ist, der andere mehr von den Tieren. Natürlich haben die 23 und 20 Jahre alten Söhne auch ein Wort mitgesprochen, als es um die Bauweise und die Ausstattung des neuen Stalles ging. Sie haben für den Melkroboter plädiert, während ihr Vater mehr zum Melkkarussell tendierte. Heute sagt er: "Das mit dem Roboter war die bessere Entscheidung."

Auch bei Familie Wisgickl haben die Söhne Jonas (17) und Leon (14) die Landwirtschaft im Blut, kennen sich mit der Technik bestens aus. Wer Betriebsnachfolger wird, will der Vater aber nicht sagen: "Das müssen wir noch auskarteln."
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