Landkreis will eingespartes Defizit aus Stützelvilla in neue Jugendprojekte investieren
Richtig fett Kohle

Das Gebäude ist prächtig, hat aber dem Kreisjugendring außer regelmäßigen Defiziten wenig gebracht. Nun übernimmt der Freistaat die Stützelvilla und schafft damit Spielraum für neue Wege in der Jugendarbeit. Bild: Popp
Politik
Kreis Neustadt/WN
26.10.2016
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Neustadt/WN. Ein 14-jähriges Mädchen aus dem Raum Vohenstrauß fotografiert sich nackt mit dem Handy, während es sich im Schritt herumfingert. Das Selfie verbreitet sich via Whatsapp schnell im Freundeskreis - und darüber hinaus. Diesen Fall schilderte Polizei-Hauptkommissar Norbert Kellner am Dienstag dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises.

Er lieferte damit reichlich Munition für einen Antrag, den der Kreisjugendring an den Landkreis gestellt hat. Er hätte gerne einen höheren Zuschuss. Unter anderem, damit er jungen Leuten so früh wie möglich Medienkompetenz beibringen kann, um vielleicht mal ein Foto-Fiasko wie das der 14-Jährigen zu verhindern.

Verkauf bahnt sich an


Das Geld dafür würde bald frei, da der Landkreis zum Jahresende den Defizitklotz Stützelvilla vom Bein hat. Das Jugendtagungshaus übernimmt bekanntlich der Freistaat, um darin eine Behörde für digitale Landkarten und Vermessungen unterzubringen. Der Verkauf für einen Euro ist wohl bald so weit, deutete Landrat Andreas Meier an: "Am Freitag ist bei uns ein Notariatsvertrag eingegangen. Der wird jetzt geprüft." Mit Umstrukturierungen in der Verwaltung und dem Wegfall des Minus' bei der Stützelvilla würden knapp 80 000 Euro frei, rechnete Jugendamtsleiter Klaus Egelseer vor. Die könnte man prima für Heranwachsende verwenden, wünscht sich auch sein Chef: "Wir sparen nicht an der Jugendarbeit, weil wir die Stützelvilla aufgeben, die nur weniger als zehn Prozent der Gruppen aus dem Landkreis nutzen. Das frei werdende Geld können wir jetzt vor Ort einsetzen." Dazu muss sich der Kreisjugendring neu aufstellen. Der Landkreis überträgt ihm deshalb eine Fülle neuer Aufgaben. Dazu gehört das Projekt "Demokratie leben" (wir berichteten) sowie der Ausbau des Ferienprogramms, das für mehr Kinder aus ärmeren Familien erschwinglich sein soll. Nach dem Vorbild des Kreises Amberg-Sulzbach ist eine Taschengeldbörse angedacht, die Jung und Alt einander näherbringt. Zum Beispiel so: Ein Jugendlicher mäht bei einem Senior den Rasen oder erledigt den Einkauf und bessert damit sein Konto auf. Aus dem Inventar der Stützelvilla soll eine landkreisweite Materialbörse entstehen. Vereine, Jugendgruppen und Verbände sollen sich via Internet Rednerpult mit Mikro, Beamer, GPS-Geräte oder Gesellschaftsspiele ausleihen können. Zudem sollen Vereine unter dem Motto "Wer hat was?" ihr eigenes Material wie Pavillons, Zelte oder Kanus auf dieser Plattform anbieten.

Bilden und vernetzen


Noch wichtiger ist ein Referentenpool, um Ehrenamtliche bei der Bildungsarbeit zu unterstützen. Mögliche Themen sind der Umgang mit sozialen Medien und dem Smartphone, Erlebnis- und Umweltpädagogik, Fundraising, Gewalt- und Extremismusprävention.

Für all dies und die bisherigen Aufgaben wie Sprachreisen, Ferienprogramme oder Zeltlager meldet der Kreisjugendring Bedarf für 2,5 Stellen an. Der Jugendhilfeausschuss sagte die knapp 80 000 Euro befristet für die nächsten drei Jahre für dieses Paket zu. Uli Münchmeier (CSU) findet den Ansatz gut, hätte sich aber noch ein bisschen mehr gewünscht, etwa Streetworker in "Problemgemeinden". Vorerst soll aber der Referentenpool die Quelle sein, die Straftaten und peinlichen Porno-Selfies vorbeugt.
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