Gerhard Adam baut Bio-Süßkartoffeln an
Exotin liebt Oberpfälzer Boden

Ernten wie anno dazumal: Die Süßkartoffeln müssen mit der Hand geklaubt werden. "Mit dem Vollernter war das leider nicht möglich", bedauerte Landwirt Gerhard Adam (vorne). Bilder: mic (2)
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Kreis Neustadt/WN
07.11.2016
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Mit der Größe ihre Artgenossen aus Südamerika können die Oberpfälzer Süßkartoffeln zwar nicht mithalten. Dennoch ist Gerhard Adam mit der Ernte zufrieden.

Im Vorbeifahren sehen die Pflanzen aus wie Unkraut. Es scheint, als habe ein Landwirt die Fläche östlich der Staatsstraße nach Windischeschenbach einfach vergessen. Gerhard Adam grinst: "Nein, das ist Absicht. Süßkartoffeln werden erst nach dem ersten Frost geerntet."

Klobenreuth. Die Äcker ringsherum sind längst umgegraben. Für die meisten Bauern gibt es auf den Feldern nichts mehr zu tun. Nur Gerhard Adam kann sich noch nicht entspannt zurücklehnen. Erst wenn alle Süßkartoffeln, die in den vergangenen Monaten auf dem 10 000 Quadratmeter große Areal gewachsen sind, bei ihm auf dem Hof lagern, betrachtet er sein Experiment als geglückt.

Die Süßkartoffel stammt ursprünglich aus Mittelamerika und gehört zur Familie der Windengewächse. Seefahrer verbreiteten die Knolle auf den pazifischen Inseln, und in Amerika freigelassene Sklaven machten sie in Afrika heimisch. Die Ipomoea batatas eroberte sich erst in den vergangenen Jahren einen Platz in der heimischen Küche. Die Knollen, die in den Gemüseabteilungen der Lebensmittelmärkte zu finden sind, stammen meistens aus Südamerika. Auch China zählt zu den Anbaugebieten. "Ein Großteil kommt auch aus Kroatien", weiß Gerhard Adam.

Lebensmittel viel zu billig


Am besten gedeihen die Süßkartoffeln in warmen Gefilden. Mindestens 24 Grad braucht die Pflanze zum optimalen Wachstum. Wie kommt's, dass sich ein Oberpfälzer Landwirt an einer Exotin versucht? "Ich war auf der Suche nach einer Nische", erklärt Adam. "Es ist mittlerweile sehr schwierig, in der Landwirtschaft Geld zu verdienen."

Seiner Meinung nach werden Lebensmittel viel zu billig angeboten. "Sie werden verramscht. Die Wertigkeit ist verlorengegangen", klagt er. "Der durchschnittliche Verbraucher gibt nur sechs bis sieben Prozent für Grundnahrungsmittel aus." Dass der Staat den Landwirten Prämien zahlt, um billiges Essen anzubieten, findet er nicht in Ordnung. "Aber das stellt die Menschen zufrieden", seufzt er.

Von Massenproduktion hält Adam nichts. Er sieht sich als Direktvermarkter. Um in der Region niemanden zu verdrängen, fällt seine Wahl auf die Süßkartoffel. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche, die Knolle in Bayern anzusiedeln. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau ernannte die "Batata Bavaria - die süße Knolle" 2016 sogar zum Gemüse des Jahres.

An größeren Mengen hat sich in der Oberpfalz noch keiner versucht. Der Landwirt aus Kotzenbach setzt außerdem auf biologischen Anbau. "Damit dürfte ich der einzige in Bayern sein", vermutet er.

Allein das Stecken der jungen Pflänzchen erwies sich als arbeitsintensiv. Nach dem letzten Frost Ende April mussten die Pflanzen im Abstand von 30 Zentimetern einzeln in die Erde gesetzt werden. "Auf einen Quadratmeter kamen ungefähr fünf bis sechs Pflanzen", schätzt Adam.

Unkraut sprießt


Der komplette Verzicht auf Chemie stellte ihn im Juni vor ein weiteres Problem. Nicht nur seine Stecklinge sprießten, sondern auch das Unkraut. Und das musste raus. "Zwei Wochen waren wir mit ein paar Leuten auf dem Feld und haben gejätet. Viele, die mit dem Auto vorbeifuhren, haben sich gewundert." Die Heidenarbeit hatte aber auch ihr Gutes: "Jetzt glaubt auch der Letzte, dass es Bio ist."

Gekocht schmeckt die Süßkartoffel eher wie eine süße Möhre. Dennoch lassen sich aus der Knolle die verschiedensten Gerichte zaubern. Sternekoch Johann Lafer mag sie beispielsweise gebraten mit Walnüssen. Gerhard Adam bleibt da ganz bodenständig: "Ich esse die Süßkartoffel am liebsten als Beilage zu Fleisch oder Gemüse."

Zwei Wochen waren wir mit ein paar Leuten auf dem Feld und haben gejätet.Gerhard Adam
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