Warum Apotheker in unserem Gesundheitswesen unverzichtbar sind
Gut beraten

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Kreis Neustadt/WN
15.06.2016
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Martin Wolf, Sprecher der Apotheker im Landkreis Neustadt
(Norbert Eimer)

Es gibt wenig Berufe, die schon immer mit Attributen wie Kompetenz, Vertrauen und Sympathie in Verbindung gebracht werden – Apotheker sind quasi Synonym für diese Eigenschaften. Keine Selbstverständlichkeit, immerhin vertrauen Menschen den Apothekern ihr höchstes Gut, ihre Gesundheit an. Ein Gespräch mit Martin Wolf über Verantwortung, Aufgaben und Bedeutung seines Berufsstandes. Der Vohenstraußer Apotheker ist Sprecher für die Kollegen im Landkreis Neustadt.

Schub aufziehen, Medikament rausnehmen und Arzneimittel gegen Rezept einlösen – so eintönig ist der Alltag wohl nicht: Wie vielfältig sind die Aufgaben eines Apothekers?

Tatsächlich ist unser Aufgabengebiet sehr vielfältig. Wir beraten zu allen möglichen Themen, nicht nur zur richtigen Einnahme und Dosierung der gewünschten, verordneten oder von uns empfohlenen Arzneimittel, sondern auch zu Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln. Auch viele von uns abgegebene und teils vorher angemessene Hilfsmittel bedürfen einer Erläuterung. Wir stellen alle möglichen Arzneimittel selber her. Meist sind dies individuell für den Patienten verordnete Salben, Cremes, Lösungen oder Kapseln, die es so nicht als Fertigarzneimittel gibt. Wir stellen die Versorgung auch nach Feierabend und am Wochenende durch die Notdienste sicher. Wir beantworten viele Fragen auch zu Themen wie Ernährung oder Naturheilkunde. Und wir hinterfragen die Eigendiagnose des Patienten um zu klären, ob wir ihn nicht zum Arzt schicken müssen.

Inwieweit hat sich dieses Aufgabenspektrum in den vergangenen Jahren verändert?

Wie in vielen Bereichen wurde auch bei uns die Arbeit, trotz der Möglichkeiten der EDV, immer komplizierter. Jede Kasse hat ihre eigenen Rabattverträge. Und wir erklären ständig, warum die Packung jetzt wieder ganz anders aussieht als das letzte Mal. Auch die Verpflichtung zur Abgabe von Importen trägt dazu bei. Wir hoffen, dass sich hier bald eine Änderung ergibt. Ob die vielen Sparmaßnahmen im Bereich der Arzneimittel auch etwas mit der immer häufiger werdenden Nichtlieferfähigkeit von Arzneimitteln zu tun haben, ist vielleicht Spekulation: Ist der deutsche Markt inzwischen für die Firmen so unattraktiv, dass die Ware lieber in anderen Ländern verkauft wird? Das Aufgabengebiet hat sich auch insofern verändert, als die Patienten immer besser vorgebildet sind. Oft sollen wir Aussagen aus dem Internet beurteilen. Und dass im Internet oft auch Blöd-sinn steht, das weiß heute jedes Kind.

Immer mehr Forschungserfolge, immer mehr Medikamente – wie behält man als Apotheker da den Überblick?

Die Apotheker sind tatsächlich ein sehr fortbildungswütiges Volk. Aber natürlich ist auch die EDV-Unterstützung immer besser geworden.

Apotheker genießen bei den Menschen hohes Vertrauen – warum glauben Sie, ist das so?

Die Kunden wissen, dass sie bei uns objektive Beratung erhalten. Wir raten auch oft vom Kauf toll beworbener Wundermittel ab. Mit uns kann der Patient über alle möglichen Themen, auch Tabuthemen, reden. Die Kombination aus Kompetenz und Nähe scheint mir der Hauptgrund für die tollen Umfrageergebnisse.

Menschen, so hat es den Anschein, sind gesundheitsbewusster als früher: treiben Sport, ernähren sich gesund und achten auf ihr Wohlergehen. Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang eine Apotheke, welche Rolle kann sie einnehmen?

Die Apotheker können tatsächlich immer mehr die Rolle eines „Lebensbegleiters“ einnehmen. Wir engagieren uns schon jetzt stark auch im Bereich der Prävention und Aufklärung. Beispielsweise gab es vor kurzem in vielen Apotheken Aktionen zur „Bayerischen Impfwoche“.

Ist es ratsam, immer zur selben Apotheke zu gehen? Immerhin kann es doch hilfreich sein, wenn ein Apotheker Lebensumstände und Krankengeschichte eines Patienten möglichst gut kennt, um unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden?

Sie sprechen mir aus der Seele! Wir empfehlen jedem, zumindest allen Patienten mit mehreren Medikamenten, eine Stammapotheke, die dann die gesamte Medikation, also sowohl die Medikamente auf Rezept als auch die Selbstmedikation, speichern und auswerten kann, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Patienten, die doch mal in einer anderen Apotheke waren, können übrigens gerne das Medikament in ihrer Stammapotheke nachtragen lassen, damit der Überblick komplett bleibt.

Seine Medikamente anonym im Internet zu bestellen, ist demnach also eine schlechte Idee?

Untersuchungen zeigen, dass der durchschnittliche Internetnutzer nur sehr schwer zwischen seriösen und unseriösen Anbietern unterscheiden kann. Gefälschte Ware kann nicht nur keinen Wirkstoff, sondern auch gefährliche Bestandteile enthalten. Angebote hat auch Ihre Apotheke um die Ecke. Der persönliche Kontakt ist bei Gesundheitsfragen meiner Meinung nach unersetzlich, und den bietet nur die Apotheke vor Ort.

Wie ist es um das Angebot in der nördlichen Oberpfalz bestellt: Gibt es genügend Apotheken?

Die flächendeckende Versorgung ist schon noch gewährleistet, auch wenn einige Orte inzwischen ohne eigene Apotheke auskommen müssen. Aufgrund der vielen gesetzlichen Einschnitte ist die Zahl der Apotheken von 292 im Jahr 2009 auf inzwischen 276 zurückgegangen, und ich gehe davon aus, dass diese Zahl noch weiter sinken wird.

Warum sind Apotheken auch in Zukunft unverzichtbar im Gesundheitswesen?

In unserer immer älter werdenden Gesellschaft wird auch die Zahl derer immer größer, die mehrere Arzneimittel brauchen. Und die modernen Senioren übernehmen auch immer mehr Selbstverantwortung für ihre Gesundheit. Sie kaufen sich viele Medikamente selber, nicht zuletzt zur Vorbeugung. Themen wie Medikationsmanagement und Medikationsplan werden da automatisch immer wichtiger. Daher sehe ich die Zukunft der Apotheken, trotz der teils grausamen Bürokratie mit immer aufwendigeren Auflagen, durchaus positiv.

Wagen wir einen visionären Blick: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Apotheke 2030 aus?

Im Prinzip so, wie es die Apothekerschaft im Perspektivpapier „Apotheke 2030“ niedergeschrieben hat: Die Apotheker arbeiten bei den erwähnten Themen wie Medikationsmanagement und Medikationsplan noch enger als schon jetzt mit den Ärzten zusammen. Im Mittelpunkt steht wieder der Patient, der optimal begleitet wird. Das bedeutet auch, dass der Patient nicht mehr durch ständigen Wechsel der Rabattverträge verunsichert werden muss. Aufgrund der elektronischen Gesundheitskarte, auf der alle Medikamente gespeichert sind, kann bei jedem Besuch in der Apotheke viel umfassender als heute beraten werden.
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