Trauer in Schwarzach
Bürgermeister Alois Böhm verstorben

Alois Böhm, der der Gemeinde Schwarzach 14 Jahre als Bürgermeister vorstand, verstand es, mit seiner ruhigen, überlegten Art die Bürger bei geplanten Projekten "mitzunehmen". In der Nacht zum Montag ist der beliebte Kommunalpolitiker in einem Krankenhaus in Regensburg verstorben. Archivbild: Dobler
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Kreis Schwandorf
22.08.2016
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Alois Böhm, langjähriger Bürgermeister von Schwarzach und Kämmerer beim Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, ist überraschend verstorben. Er wurde 61 Jahre alt. Die Nachricht vom Ableben des beliebten Kommunalpolitikers verbreitete sich in Windeseile.

Gegen 3 Uhr nachts war Alois Böhm in der Nacht zum Montag in einer Klinik in Regensburg gestorben. Er litt seit längerem an einer schweren Erkrankung, so dass er seine Amtsgeschäfte im Rathaus bereits Anfang Oktober 2015 an den Zweiten Bürgermeister Franz Grabinger übergab, der ihn seitdem an der Spitze der Kommune in enger Absprache und Zusammenarbeit vertreten hat.

Alois Böhm war immer ein optimistischer Mensch, der mit seiner Krankheit offensiv umging. Noch am vergangenen Samstag hatte er beispielsweise an seinen Vize gemailt, er werde am Folgetag an der Bartholomäus-Kirwa im neu gestalteten Schlossbauernhof im Ortsteil Altfalter teilnehmen, zumindest am Gottesdienst. "Diese Umbaumaßnahme war sein Herzblut", wusste Grabinger. Doch am Sonntag ging es Böhm plötzlich so schlecht, dass er überraschend ins Krankenhaus musste.

Bei Einweihung noch dabei


Damit endete ein Leben, das sich bis zum letzten Tag voller Elan der Förderung der Heimat in allen Belangen verschrieben hat. Neben dem Schlossbauernhof, der mit der Kirwa seiner Bestimmung übergeben wurde, gehörte zu den Projekten, die Böhm lange bewegten, das "Dokumentationszentrum Slawische Siedlung", untergebracht in einem Anbau an die Johannihütte im Ortsteil Dietstätt, das vor gut zwei Wochen eingeweiht wurde. Daran konnte Alois Böhm noch teilnehmen und er absolvierte den wichtigen Termin energisch und freudestrahlend, wie die anderen Gäste berichteten. Und auch mit der NT-Redaktion war er noch verabredet. Man wollte sich am kommenden Donnerstag über die dem Dokuzentrum zugrunde liegenden archäologischen Grabungen unterhalten. Stattdessen sind für diesen Tag Requiem und Beerdigung angesetzt.

Böhm war früher Soldat auf Zeit, stellvertretender Leiter des Sachgebiets Sozialhilfe am Landratsamt und im ganzen Landkreis unterwegs, um Pflegegeldanträge zu bearbeiten. 1988 folgte dann der Wechsel zum Zweckverband Müllverwertung Schwandorf. Als Kämmerer hatte er dort große Zahlen zu bewegen. Sein Know-how kam ihm später in seiner kommunalpolitischen Laufbahn sehr zugute.

Dem gebürtigen Stullner, den es mit 26 Jahren nach Wölsendorf zog, wuchs seine neue Heimat schnell ans Herz. Er engagierte sich seit drei Jahrzehnten beim Gartenbauverein, stand beim Vereinsfest selbst am Grill und gehörte der Feuerwehr an. Alois Böhms kommunales Engagement mündete von 1990 bis 1996 zunächst in eine Tätigkeit als Gemeinderat. Sechs Jahre später, am 1. Mai 2002, wählten ihn seine Mitbürger zum ehrenamtlichen 1. Bürgermeister von Schwarzach - einer 1500-Einwohner-Gemeinde mit dezentralen Ortsteilen. Als er 60 Jahre wurde, im Oktober 2014, würdigte der Staat seinen Einsatz mit der Verleihung der Kommunalen Dankurkunde.

Auch in der Verwaltungsmeinschaft Schwarzenfeld, zu der Schwarzach gehört, war Böhm aktiv, und zwar seit 2002 als erster oder zweiter Stellvertreter des Gemeinschaftsvorsitzenden. 2002 wurde er überdies zum Standesbeamten bestellt, der Eheschließungen vornehmen durfte.

Als Vorsitzender des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Pretzabrucker Gruppe und als Vorsitzender des Zweckverbandes zur Abwasserbeseitigung der Gemeinden Schwarzach b. Nabburg und Stulln (im Wechsel mit dem Bürgermeister der Gemeinde Stulln), sowie als Vorsitzender der LAG Brückenland Bayern-Böhmen übernahm Böhm Aufgaben, die über den Horizont der Heimatgemeinde hinauswiesen.

Viele Projekte gemeistert


Zahlreiche Projekte sind - neben dem Dokuzentrum und dem Schlossbauernhof - während seiner Amtszeit angepackt worden: So etwa der Abschluss der Kanalisation aller Ortsteile an die zentrale Abwasserbeseitigungsanlage, der Bau des Dorfzentrums im Ortsteil Wölsendorf, der Bau von Radservice- und WC-Stationen sowie Backöfen entlang des Bayerisch-Böhmischen Freundschaftsradweges, die Ausweisung und Erschließung neuer Baugebiete in den Ortsteilen (Pfarräcker in Unterauerbach und Seideläcker in Altfalter), die Sanierung und Neugestaltung von Dorfplätzen in in den Ortsteilen Schwarzach, Wölsendorf und Unterauerbach und die Begründung einer Gemeindepartnerschaft mit Pocinovice in Tschechien im Jahr 2004. Es gibt kaum eine Gemeinde in vergleichbarer Größe, in der in 14 Jahren so viele Bürgerprojekte entstanden sind.

Neben den Schwarzachern und den vielen Menschen, die Alois Böhm gekannt und geschätzt haben, trauert seine Familie besonders um ihn. Er hinterlässt seine Ehefrau Maria, zwei Töchter und eine junge Enkelin, an der sein Herz besonders hing. (Im Blickpunkt)
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