Landwirte erwarten "eher durchschnittliche Ernte"
Mähdrescher müssen warten

Der Weizen, in dem (von links) Landwirt Johann Hahn, Bernhard Meier (Amt für Landwirtschaft), Alfred Bauer, Josef Irlbacher (beide BBV), Reinhold Witt (Amt für Landwirtschaft), Rita Heigl (BBV) und Josef Wittmann (BBV) stehen, müsste geerntet werden. Der Boden ist aber zu feucht. Der Mais rechts kann den Regen gut gebrauchen und steht über drei Meter hoch auf dem Feld bei Bleich. Bild: Hartl
Wirtschaft
Kreis Schwandorf
27.07.2016
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Auf den ersten Blick steht der Weizen prächtig da, entlang der Straße bei Bleich (Stadt Nittenau). "Der wäre jetzt reif", sagt BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann, zeigt auf die dunklen Spelzen. Ein Pilz greift um sich. Längst Zeit für die Ernte. Aber die drohende Gewitterwolken zeigen, warum kein Mähdrescher ins Feld fahren kann.

Nittenau. "Die ersten Bestände sind gedroschen. Die Ernte wird wohl eher nicht überdurchschnittlich ausfallen", sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Johann Wilhelm. Mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hatte er am Mittwoch zum Treffen geladen, auf den Hof von Familie Hahn in Bleich. "Letztes Jahr hatten wir die große Trockenheit, heuer den vielen Regen", nennt Wilhelm als Grund für seine Einschätzung. Die Nässe bekommt nicht allen Feldfrüchten, und was momentan noch auf dem Halm steht, kann nicht gedroschen werden. Die Böden sind viel zu nass. Das bestätigt auch sein Stellvertreter Johann Hahn, der den Hof mit seiner Familie bewirtschaftet. Milchvieh. Marktfruchtanbau sind die Schwerpunkte. "Ans Dreschen brauche ich nicht zu denken", berichtet er, "wir bräuchten jetzt 14 Tage 30 Grad." Ein Gespräch mit dem Händler brachte noch eine Hiobsbotschaft: Die Preise für Getreide sind im Keller. Die für Milch sowieso. Einen Lichtblick liefert der Mais, der über drei Meter hoch auf dem Schlag neben dem Weizen steht. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Hahn.

Der Chef des Landwirtschaftsamts, Reinhold Witt, nennt die Anbauflächen im Landkreis. Wintergerste (7550 Hektar), Weizen (knapp 6000 Hektar), Triticale (knapp 3300 Hektar) und Raps (2000 ha) haben ihre Bedeutung behalten oder leicht gesteigert. Sommergerste (1646 ha), Roggen (1345 ha) und Hafer (689 ha) werden weniger angebaut. Das sei kaum mehr rentabel, sagt Witt. Großer "Gewinner" ist Silo- und Körnermais, die Anbaufläche wuchs von 11 225 auf 11 524 Hektar im Landkreis. 4600 Hektar sind mit Klee bebaut. 15 470 Hektar, gut 100 mehr als noch 2015, werden als Grünland genutzt. Und: Ausgerechnet im Herzen der Oberpfalz verliert die Kartoffel an Bedeutung, auf 1076 ha (2015: 1107 ha) wachsen noch Erdäpfel, vorwiegend für Großabnehmer.

Bernhard Meier ist am Landwirtschaftsamt für den Pflanzenbau zuständig. Er bestätigt Wilhelms Einschätzung. Optisch hätte beispielsweise die Wintergerste auf gute Ertragsaussichten hingedeutet. Die Ernte bestätigte das nicht und lag im Durchschnitt, ebenso beim Raps. Weil der nicht geerntet werden kann, drohen die Körner auch noch vorher aus den aufplatzenden Schoten zu fallen. Der Weizen wird von Schwarzpilz befallen, wegen des feuchtwarmen Wetters. Außerdem sind die Körner richtig vollgesogen, wie Josef Wittmann demonstriert und eins zwischen den Fingern zerquetscht. "Normal kann man die zur Erntezeit kaum zerbeißen", sagt er.

Gute Ergebnisse erwarten die Kartoffelbauern, berichten Meier und Landwirt Josef Irlbacher (Nabburg) übereinstimmend, auch beim Mais sieht's gut aus. Allerdings: "Abgerechnet wird zum Schluss", meint Meier. Noch ist nicht klar, ob die Felder so abtrocknen, dass gut geerntet werden kann. Angesichts der hohen Niederschläge gewinnt auch der Erosionsschutz an Bedeutung. Untersaaten beim Mais zum Beispiel, wie sie Meier empfiehlt. Damit der viele Regen den in der Steinpfalz ohnehin raren, guten Boden nicht auch noch wegschwemmt.

Josef Wittmann blickt noch auf die Sommergerste als Grundstoff fürs Bier. Die großen "Fernseh-Bier-Brauereien" und Mälzereien zeigten kein Interesse, gute Qualität auch zu bezahlen. Deshalb nehme die Anbaufläche ab. Noch was fügt Wittmann hinzu. Wenn im Bier Rückstände von Glyphosat gefunden würden, liege das sicher nicht an der Oberpfälzer Gerste: "Bei uns wird Braugerste nicht mit Glyphosat behandelt. Das gibt es bei uns nicht!"

Die ersten Bestände sind gedroschen. Die Ernte wird wohl eher nicht überdurchschnittlich ausfallen.Johann Wilhelm, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands
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