Landestheater Oberpfalz zeigt die Best-offs von Heinz Erhardt
Humor ist, wenn man vorher lacht

Ruppert Grünbauer machte in der Rolle des Heinz Erhardt eine ziemlich gute Figur. Bild: ubb
Kultur
Kreis Tirschenreuth
25.04.2016
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Beim jungen Publikum würde er heute durchfallen. Für die Nachkriegsgeneration aber war Heinz Erhardt der Stand-Up-Comedian erster Klasse: Im Kettelerhaus erlebte das Publikum jetzt die Best-offs des großen Entertainers.

Tirschenreuth. Die Pointen braucht Ruppert Grünbauer alias Heinz Erhardt gleich gar nicht vorzutragen: Schließlich sitzt am Samstagabend im Kettelerhaussaal ein belesenes Publikum, das nahezu jeden Erhardt-Klassiker auswendig kann. Und das nach 30, 40 Jahren. Der Dichter, Musiker, Schauspieler und Bühnenstar von einst hat nachhaltigen Eindruck hinterlassen wie kaum ein anderer seiner Branche.

Geliebt haben ihn alle, zumal Heinz Erhardt den Menschen nach einer langen Zeit der Entbehrungen das Lachen und den Humor zurückgebracht hat. Und noch heute wird über ihn, der 1971 grotesker Weise nach einem Schlaganfall ausgerechnet sein Sprachzentrum verloren hat, herzhaft gelacht. Am Samstagabend darf das Tirschenreuther Publikum in Erinnerung schwelgen. Ein Ensemble des Landestheaters Oberpfalz hat zu den Best-offs des Entertainers eingeladen. Erhardts feiner Witz, oft versteckt in banaler Poesie, gefällt aufs Neue. Wenn Rupprecht Grünbauer bekannte Reime wie "Hinter eines Baumes Rinde, sitzt die Made mit dem Kinde..." rezitiert, beginnt der eine oder andere im Publikum automatisch, die Verse leise mit zu murmeln. Kommt die Pointe, wird der Schauspieler auf der Bühne vom Publikum überholt: ...und frisst die arme, kleine Made schade!" Nein, halt. Da war doch noch was? Genau: Es fehlt ein Satz. Grünbauer alias Erhardt stoppt den Applaus. "Hinter eines Baumes Rinde, ruft die Made nach dem Kinde!" Jetzt aber: Es darf geklatscht werden.

Es sind immer wieder die altbekannten Pointen. Wie Seifenblasen blubbert Erhardts Wortwitz daher, bis die Pointe wie eine zerplatzte Seifenblase einschlägt. Denn das Ende ist immer anders als der Zuhörer denkt. Da ist es völlig egal, ob die Pointe bekannt ist, stets löst sie ein neues Schmunzeln aus.

Das siebenköpfige Ensemble auf der Bühne muss sich keine Mühe machen, schauspielerisch Höchstleistungen zu bieten. Erhardts Klassiker reichen aus, den Zuschauern zwei amüsant-nette Stunden zu bereiten. Dennoch ist die Darstellungsform durchaus anerkennenswert: Ruppert Grünbauer hat sich intensiv mit seiner Rolle auseinandergesetzt. Er liest Erhardts Texte nicht alleine nur vor. Gestik und Mimik kommen nahe an das Original heran. Schließt man die Augen, wird der echte Heinz Erhardt kurzzeitig wieder lebendig: Hornbrille, Mondgesicht und wenig Haare: Erhardt hat es geschafft, sich auch bildlich in die Köpfe seiner damaligen Fans für immer und ewig einzuschleichen. "Ich trage meine Haare heute anders": Selbst dieser banale Satz wird bei der Heinz-Erhardt-Revue zum Brüller, denn Erhardt hatte kaum noch Haare.

Und ein wenig ist es auch die Langsamkeit der damaligen Zeit, die von den Darstellern in die Revue gut eingearbeitet wird und die gut tut als Gegenpol zur heute lärmenden und grölenden Comedy ohne jeglichen Wortsinn. Gerne erinnert sich der Zuhörer im Kettelerhaus daran, dass Unterhaltung auch ohne heillos überzogene Übertreibung möglich sein kann.

Wer hat das Ei des Kolumbus erfunden? Natürlich Heinz Erhardt! Seine Erklärung: Kolumbus sah eines Tages eine hübsche Person und war derart von ihr angetan, dass ihm ein hörbares "Ei, ei" entschlüpft sein soll. Seither, sagt Erhardt, interpretiert die Wissenschaft dies als besagtes geflügeltes Wort. Es darf gelacht und geschmunzelt werden. Und das geht immer so weiter: "Ritter Fips" darf nicht fehlen ebenso wie das "Theaterstück in G", die hervorragend interpretierten Erhardt-Lieder wie "Fräulein Mabel" oder "Mein Mädchen" sind manchen Zwischenapplaus wert, die Kostüme und die Kulisse ein Augenschmaus. Danke, Landestheater Oberpfalz für diesen schönen Abend!
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