Modernen Theaters Tirschenreuth inszeniert „Servus King“
„Buddy-Boys“ rocken die Bühne

Drehbuchautor Uli Scherr, Regisseur Daniel Grünauer und Vorsitzender Florian Winkelmüller (von links) stellten den Vereinsmitgliedern das neue Musiktheater "Servus King" vor. Bild: ubb
Kultur
Kreis Tirschenreuth
12.04.2016
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Die neue Inszenierung des Modernen Theaters Tirschenreuth heißt salopp "Servus King". Noch ist das Drehbuch nicht fertig, es soll den Akteuren sprichwörtlich auf den Leib geschnitten werden.

Tirschenreuth. Die schlechte Nachricht zuerst: Julian Mühlmeier, wunderbarer Jonny Cash-Darsteller im Jahr 2012, wird die Hauptrolle der neuen Inszenierung um Elvis Presley nicht übernehmen. Der junge Mann aus Schwarzenbach versäumt die Uraufführung des Modernen Theaters Tirschenreuth diesmal, er geht lieber nach dem Studium auf Weltreise.

Die gute Nachricht: Julians Abwesenheit ist eine tolle Chance für gleich drei bühnenbegabte Newcomer. Junge Männer mit Gesangstalent, die zwischen 17 und 20 Jahre alt sind oder etwa so alt ausschauen, können sich um die Hauptrollen bewerben. Und das wird richtig fetzig: Die drei Hauptacts Hans, Lugg und Muskel werden als Band "Buddy-Boys" die Bühne rocken. Aber keine Sorge, Profi-Musiker werden nicht gesucht. Im Hintergrund agiert als musikalischer Leiter Andreas Bauer, der mit seiner Band in bewährter Weise wieder das Zepter führt.

Wenn auch die Hauptfigur ein weiteres Mal ein amerikanisches Idol sein wird, weicht das Stück wesentlich von der Cash-Inszenierung ab. Drehbuchautor Uli Scherr, Regensburger Journalist und Mitarbeiter des BR, konzentriert sich auf das Oberpfälzer Leben in den 50er und 60er Jahren während Presleys Zeit als amerikanischer Gefreiter in Grafenwöhr. Regie führt wieder Daniel Grünauer, Dramaturg des Ulmer Theaters. Beide kennen sich aus der gemeinsamen Zeit am Landestheater Oberpfalz.

"Das wird etwas Großes, wir arbeiten intensiv daran", sagt Daniel Grünauer am Samstagnachmittag im FC Vereinsheim, wo etwa 20 interessierte Darsteller um Vereinsvorsitzenden Florian Winkelmüller gespannt auf erste Informationen warten. Um den Anwesenden einen Einblick in die Idee zum Stück zu gewähren, erzählt Uli Scherr von seinen Recherchen. Er sei auf zahlreiche Zeitzeugen gestoßen, die sich allesamt als "beste Kumpels von Elvis" bezeichnet hätten. Ob das wohl stimmt?

Hier beginnt die Geschichte des Musiktheaters: Man schreibt das Jahr 1958. Alle haben von dem amerikanischen Star gehört und fiebern einer Begegnung entgegen. Die Oberpfälzer der Nachkriegszeit, Flüchtlinge aus dem Sudetenland, unverbesserliche Alt-Nazis, Kriegswitwen, junge Wilde, aufstrebende Unternehmer, ein Bürgermeister, brave Wirtsleute, ein durchtriebener Unternehmer, amerikanische Soldaten und andere sind völlig aus dem Häuschen. Nur Hans, Lugg und Muskel wollen sich nicht mit Warten auf den großen Star zufrieden geben. Sie rocken das Dorf mit eigener Musik.

Im Jahr 1958 - die Menschen sind bieder, die Musik ist volkstümlich - ein Skandal. Die drei Oberpfälzer Buam machen mit ihrer Band "Buddy-Boys" das gesamte Dorf verrückt. Endlich in der legendären Mickey-Bar in Grafenwöhr gibt der 23-jährige amerikanische Gefreite für seine Freunde ein Konzert. Angeblich soll dies das einzige Presley-Konzert im Ausland gewesen sein. Hier endet die Geschichte.

"Es wird ein Volkstheater mit hohem Unterhaltungswert", verspricht Daniel Grünauer. Einzig was fehlen wird: ein Elvis-Darsteller. Dieser Part, erklären die Macher, scheitert an den Erben des berühmten Sängers, die auf Presley-Inszenierungen alle Rechte haben und kräftig mit absahnen wollen. Viel zu teuer!

Dennoch wird das Publikum charakterstarke Rollen bei einer stilechten Inszenierung erleben. Spannend wird, wer welche Rolle bekommt. Beim Vorbereitungstreffen am Samstag ist die Darstellerverteilung noch völlig offen, etwa 20 Hauptfiguren müssen besetzt werden. Was schon feststeht, sind die Termine für Proben (Beginn 19. Juli 2016) und Premiere am 5. November 2016.

HintergrundBei der neuen Inszenierung "Servus King" handelt es sich um eine Welturaufführung. Nicht nur das Moderne Theater Tirschenreuth ist diesmal federführend. Der Verein hat sich starke Partner mit ins Boot geholt, unter anderem gibt es Unterstützung durch die Stadt Tirschenreuth, den Landkreis Neustadt/WN und das Landestheater Oberpfalz. Zur Finanzierung wurde Antrag auf Fördermittel aus dem bayerischen Kulturfonds gestellt, mit guten Chancen auf Erfolg. Der Bezirk hat den Antrag bereits abgesegnet und wohlwollend weitergeleitet. Die Premiere und weitere Aufführungen finden in Tirschenreuth im Kettelerhaus statt. Es gibt aber auch Gastspiele in Vohenstrauß, Neunburg vorm Wald und selbstverständlich in Grafenwöhr, wo Elvis Presley bekanntlich im Jahr 1958 und ein zweites Mal dann im Jahr 1960 als Gefreiter stationiert war. (ubb)
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