Ein Leitfaden soll Asylbewerbern und Helferorganisationen die Arbeit erleichtern
Wegweiser zur Integration

Die Habseligkeiten sind gepackt, die letzten Flüchtlinge Anfang April aus der Notunterkunft Wiesau ausgezogen. In dieser Woche ist Bestandsaufnahme angesagt. Nach entsprechenden Reparatur- und Sanierungsarbeiten soll die Halle so schnell wie möglich den Vereinen wieder zur Verfügung stehen. Bild: wro
Politik
Kreis Tirschenreuth
18.04.2016
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Ein Leitfaden soll Asylbewerbern und Helferorganisationen die Arbeit erleichtern. Da sind sich die Kreisräte quer durch alle Fraktionen einig. Nur nicht in der Frage: "Wer hat's erfunden?" Die Schweizer waren es jedenfalls wirklich nicht.

Tirschenreuth. Rund 900 Menschen aus aller Herren Länder sind derzeit im Landkreis untergebracht. Da gibt es Behördengänge zu erledigen, viele Alltagsprobleme zu meistern. "Eine Herausforderung für Ämter, Verwaltungen und Wirtschaft", meinten CSU und Zukunft Tirschenreuth. In einem gemeinsamen Antrag formulierten die beiden Fraktionen die Bitte an den Landkreis, doch einen Integrationswegweiser zu erstellen. Und zwar in den Sprachen der im Landkreis vertretenen Nationalitäten. "Dies trägt zur besseren Integration der Menschen bei, weil sie selbst erkennen können, wie das Leben im Landkreis so abläuft."

Dem pflichtete Landrat Wolfgang Lippert in seiner Sitzungsvorlage durchaus bei. Allerdings habe die Sozialverwaltung so eine Initiative bereits aufgegriffen, wenn auch bislang wegen Personalknappheit noch nicht umgesetzt. Außerdem sollte so ein Wegweiser nicht nur den Menschen helfen, die nach Anerkennung ihrer Asylanträge hier integriert werden sollen. "Ein solcher Leitfaden sollte vielmehr auch allen zugutekommen, die im Landkreis auf den Ausgang ihrer Asylanträge warten." Einen eigenen Beschluss im Kreistag erachtete der Landrat für überflüssig. "Die Mittel dafür sind über den Sozialhilfeetat abgedeckt."

Dass die Arbeiten dafür schon weitgehend fortgeschritten sind, bestätigte auch Oberregierungsrätin Regina Kestel. Sie sah darin auch eine wichtige Basis für die ehrenamtlichen Helfer. In der Sache selbst und inhaltlich war Uli Roth mit dem Antrag der beiden anderen Fraktionen schon einverstanden. Aber gebraucht hätte es ihn seiner Meinung nach nicht. "Wir haben das bereits im November angeregt - ohne offiziellen Antrag."

Auch wenn der Landkreis seit März keine Asylbewerber mehr zugewiesen bekommen hat und die Notunterkunft Wiesau geschlossen worden ist - für etwaige Fälle muss er gerüstet sein. Bis Ende des Jahres sollen sich die Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften in der Oberpfalz verdoppeln. Vor größeren Problemen stehen die Kommunen allerdings bei der Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen. "Passender Wohnraum ist spärlich", berichtete der Waldsassener Bürgermeister Bernd Sommer und meinte damit vor allem auch bezahlbare Wohnungen. "Staatlich verursachte Obdachlosigkeit kann man nicht den Kommunen aufbürden."

Auch im Kreistag am Donnerstag war die Asylpolitik erneut ein Thema. Da bedankte sich Rainer Fischer von der SPD bei allen, "die im ehren- und auch im hauptamtlichen Bereich weit mehr als ihre Pflicht getan haben". Persönlich dankbar war er auch, "dass trotz unübersehbarer Differenzen auf Bundesebene im Kreistag und Kreisausschuss sachorientiert diskutiert und auf Polemik verzichtet wurde". Fischer war sich sicher: "Wir werde da einen langen Atem brauchen."

Das sah auch Hans Klupp von den Freien Wählern so. "Das wird sicher nicht leicht. Und deshalb sind Personal und weitere Betreuung notwendig, damit ein ,Wir schaffen das' auch zur Realität wird." Heidrun Schelzke-Deubzer sah in der Wohnsituation anerkannte Flüchtlinge, in der Ausbildungs- und Arbeitsplatzförderung und Integration in die Gesellschaft "das Thema der kommenden Jahre". Dazu brauche es auch die Bereitschaft, eigene Werte umzusetzen, wenn es erfordert, "dass man sich manchmal aus der Wohlfühlzone herausbewegen muss".
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