Granit bleibt Endlager-Option

Wohin mit dem Atommüll? Noch ist nicht entschieden, wo die strahlende Zukunft einmal sein wird. Neben Salzstöcken sind offenbar auch Granitvorkommen als Endlager im Gespräch. Archivbild: dpa
Politik
Kreis Tirschenreuth
10.05.2016
426
2

Aus dem Burgführer-Modus gar nicht mehr heraus kommt Bürgermeister Herbert Bauer. Nach den Tagen der offenen Tür am Wochenende lotste er am Montag den Kreisausschuss durch die sanierte Burg auf dem markanten Granitfelsen. Dieses Gestein spielte im Verlauf der Sitzung auch eine Rolle - als mögliches Endlager für Atommüll.

Falkenberg. Landrat Wolfgang Lippert erinnerte daran, dass der Landkreis die Gemeinde Falkenberg beim Kauf der Burg mit 100 000 Euro und mit bei der Sanierung mit 600 000 Euro unterstützt hat. "Wenn man sieht, was daraus geworden ist, kann man nur sagen: Das Geld ist gut angelegt." Vor der Burg hatte sich der Kreisausschuss ein Projekt angesehen, das für die Feuerwehren eine wichtige Rolle spielt. Im Industriegebiet Neuhaus entsteht derzeit die Übungsstrecke, die Atemschutzgeräteträger aus den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN und aus der Stadt Weiden gemeinsam nutzen.

Am Fuße der Burg


Im neuen Tagungszentrum am Fuße des granitenen Burgfelsens kam das Gestein dann in einem anderem Zusammenhang zur Sprache. Es ging um die bundesweite Endlagersuche für hochradioaktive Abfälle. Dafür kommt grundsätzlich auch Granit in Frage, und davon gibt es in der Oberpfalz reichlich.

Das 2013 von der Bundesregierung beschlossene Standortauswahlgesetz soll die "ergebnisoffene" Suche nach einem geeigneten Endlager zum Erfolg führen. Im Zuge des Auswahlverfahrens hat die Endlager-Kommission Vertreter aus vielen Regionen Deutschlands zu Workshops eingeladen. Für den Landkreis Tirschenreuth nahm dafür im Oktober 2015 und im Januar 2016 Gerald Schmid teil. Der Mitterteicher bezeichnet sich selbst als am Thema interessierter Laie, engagiert sich unter anderem in der Bürgerinitiative "Stiftland sagt Nein zu Atom- und Kohlestromtrassen - Ja zur dezentralen Energiewende". Wolfgang Lippert dankte Schmid für seine zeitaufwendige Tätigkeit. Eine Antwort auf die Frage, ob der Landkreis Tirschenreuth einmal in irgendeiner Form dauerhaft mit den atomaren Altlasten der Bundesrepublik zu tun haben könnte, hatte Gerald Schmid logischerweise nicht: "Die Workshop-Teilnehmer geben Empfehlungen an die Endlager-Kommission, die wiederum gibt Empfehlungen an die Regierung. Die Ergebnisse der Workshops sind relativ unverbindlich", stellte er klar. Grundsätzlich gelte die Vorstellung einer "weißen Landkarte", und da sei auch die Einlagerung in Granit eine Option.

"Wir tragen ja schon eine gewisse Last durch die Sammelstelle für radioaktive Stoffe in Mitterteich. Wird so etwas angerechnet?", wollte der Landrat wissen. Für mit Zwischenlagern belastete Landkreise sei die Einbindung in Begleitgremien und im "Rat der Regionen" geplant, informierte Gerald Schmid. SPD-Sprecher Rainer Fischer machte in dem Zusammenhang auf die langfristige Zeitschiene aufmerksam, da die endgültige Standortentscheidung erst für 2031 anvisiert sei: "Damit wird sich mit Sicherheit nicht mehr dieser Kreistag beschäftigen."

Kritik der Bürgerinitiativen


Nicht zufrieden mit dem Kommissionsbericht waren die an den Workshops beteiligten Anti-Atom-Initiativen. Gerald Schmid gab als massiven Kritikpunkt weiter, dass die Öffentlichkeit nicht "ergebniswirksam" beteiligt sei: "So richtig ernsthaft ist man wohl nicht an einer Einbeziehung interessiert", schätzte der Mitterteicher ein, was aus den Empfehlungen der Workshops wird. Die Bürgerinitiativen forderten eine rechtsverbindliche Beteiligung von Anfang an. Auch wurde kritisiert, dass eine oberirdische oder oberflächennahe Lagerung des Atommülls nicht in Frage komme. Dabei sei die schwierige Rückholbarkeit des gefährlichen Materials aus dem unstabilen Salzbergwerk Asse ein Negativbeispiel. Nicht ganz unerheblich fand Schmid auch die Tatsache, dass nicht alle Mitglieder der Endlagerkommission für den unumkehrbaren Ausstieg aus der Atomkraft seien.

___



Weitere Informationen:

www.bundestag.de/endlager
2 Kommentare
56
Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 13.05.2016 | 12:27  
6
Raimund Kamm aus Erbendorf | 01.06.2016 | 00:11  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.