Maikundgebungen im Stiftland
Zeit für mehr Solidarität

Wir verlangen eine Rente, die zum Leben reicht.
Politik
Kreis Tirschenreuth
02.05.2016
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"Zeit für mehr Solidarität" hatten sich die Gewerkschaften heuer zum 1. Mai auf die Fahnen geschrieben. Und da gab es bei den Kundgebungen jede Menge Vorschläge zur Realisierung.

Tirschenreuth. (wg/jr/kdi/wro) Ein Weißwurstfrühstück mit Musik durch Alois Lippert stimmte auf die Maikundgebung im Gasthof Kühn in Tirschenreuth ein, wo Ortskartellvorsitzender Hans Reger zahlreiche Besucher begrüßen konnte. Bürgermeister Franz Stahl ging auf die Situation in Tirschenreuth mit 4400 Arbeitsplätzen ein, 700 mehr als noch vor zehn Jahren. "Gute Arbeit muss auch gut entlohnt werden", sagte das Stadtoberhaupt. AOK-Direktor Klaus Lill war es wichtig, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. "Nur so können wir gute Zahlen schreiben und wettbewerbsfähig bleiben."

Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner fand es bedauerlich, dass viele Menschen nicht mehr wissen, wofür der 1. Mai steht. Und dass die meisten die Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung für eine Selbstverständlichkeit halten. "Mutterschutz, Jugendarbeitsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Durchsetzung des Acht-Stunden-Tages und der erste Urlaubsanspruch wurden hart erkämpft, auch durch Streiks.

"Wir verlangen eine Rente, die zum Leben reicht." Ein höheres Renteneintrittsalter führe zu noch mehr Altersarmut und sei de facto eine verdeckte Rentenkürzung. "Wir brauchen mehr Solidarität - unter den Generationen, aber auch für den Schutz und die Integration von Flüchtlingen.

"Engagement und Solidarität sind das Lebenselixier unserer Arbeit. Bei der Gewerkschaft gibt es keinen Platz für Fremdenhass und rassistische Gewalt, nicht in Europa, nicht in Deutschland und auch nicht in unseren Betrieben", sagte Fachsekretärin Manuela Dietz im Mehrgenerationenhaus Mitterteich . Zuvor hatte DGB-Ortskartellvorsitzender Anton Zeitler die Zuhörer gegrüßt. 2. Bürgermeister Stefan Grillmeier bekundete seinen Respekt vor der Arbeit der Gewerkschaften. Ein erfolgreicher Betrieb braucht zufriedene und motivierte Mitarbeiter. Manuela Dietz forderte in ihrer Rede dazu auf, der AfD und "Pegida" die Grenzen aufzuzeigen. "Geld für mehr Krankenschwestern, Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter ist genügend da. Dazu muss man nur in die Briefkästen der Firmen in Panama gucken. Nur wenn alle am gesellschaftlichen Reichtum teilhaben, gelingt auch die Integration." Als die größte Sozialreform in diesem noch jungen Jahrtausend bezeichnete sie die Einführung des Mindestlohns. Der sollte allerdings auf 10 Euro angehoben werden. Warnend den Zeigefinger hob sie vor der Altersarmut. Die Riester-Rente war für sie eine politische Mogelpackung, die die Altersarmut nicht beseitigt.

In Waldsassen ging Herbert Schmid von der Bildungsgewerkschaft GEW auf einen handlungsfähigen Staat ein. Dass 10 Prozent der Bevölkerung über 60 Prozent des Vermögens verfügten und dagegen 30 Prozent keine Rücklagen bilden können oder sogar verschuldet seien, werde dem nicht gerecht. Spitzenpositionen in Industrie und Wirtschaft erhielten das Hundertfache eines Normalverdieners - dagegen lebe jeder Siebte in Armut.

Alle Maßnahmen der Politik würde nur den oberen 10 Prozent der Bevölkerung zu Gute kommen. Das beginne bei der Senkung des Spitzensteuersatzes, gehe über das Aussetzen der Vermögenssteuer bis zur Pauschalisierung der Abgeltungssteuer auf Aktionärsgewinne. Das Erreichen des Mindestlohnes mit Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sehe er durchaus als Erfolg. Es sei nun das Ziel die sogenannten "Minijobs" in feste Arbeitsstellen zu überführen ebenso die Einschränkung von Leihverträgen, die oft mit der Verdrängung von Stammarbeitskräften verbunden sind. "Starke Schultern müssen wieder mehr tragen", so sein Fazit.

"Weltweit sind rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Täglich werden es mehr" bedauerte der Regionalsekretär der IG Bauen-Agrar-Umwelt Karl Toth in der Schönhaider Pizzeria Frascati. Aufnahme und Integration der Flüchtlinge seien nur gemeinschaftlich zu lösen.

"Wegen der falschen europäischen Krisenpolitik im Zeichen der ,schwarzen Null' haben sich einzelne Länder fast zu Tode gespart", stellte der Referent weiter fest. So habe in manchen EU-Ländern die Arbeitslosigkeit dramatisch zugenommen. Toth setzte auch ein deutliches Zeichen gegen die drohende Nationalisierung und Ausgrenzung und forderte mehr Zusammenhalt und Gerechtigkeit. "Wir wollen eine EU, in der Menschen aus Europa und anderen Teilen der Welt willkommen sind, den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten und vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden." Eine deutliche Abfuhr erteilte der Redner dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. "Mit der Einführung des Mindestlohns wurde viel erreicht. Trotz aller Warnungen sind keine Arbeitsplätze verloren gegangen."

Starke Schultern müssen auch wieder mehr tragen.Herbert Schmid


Mit der Einführung des Mindestlohns wurde viel erreicht.Karl Toth
Engagement und Solidarität sind das Elixier unserer Arbeit.Manuela Dietz


Wir verlangen eine Rente, die zum Leben reicht.Kathrin Birner
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