Nur Preiselbeeren und Pilze
Erste Trockenhaube für Friseurladen vom Mund abgespart

Birgit und Silvan Lindner leben heute in ihrem hübschen Haus. Zusammen mit zwei Katzen, einem Hund und unzähligen fleißigen Bienen im Garten genießen die beiden ihren Ruhestand. Bild: wro
Politik
Kreis Tirschenreuth
20.02.2016
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Wiesau. "Mein Vater bewarb sich während der Lagerzeit in der Schönhaider Kaolingrube vergeblich als Arbeiter. Daraus wurde nichts, wahrscheinlich weil er zu dünn war", erzählt Birgit Lindner von den mühsamen Bemühungen der Baracken-Bewohner, Arbeit zu finden. Eines Tages kamen Leute ins Lager und brachten Garne mit, daraus knüpften ihre Eltern fleißig Einkaufsnetze.

"Langsam entstand eine Art Wirtschaft, wenigstens konnten nun ein paar Pfennige dazuverdient werden." Schnell sprach es sich herum, dass Edith Polifka Friseurin war. "Trotz der Not wurde der Wunsch nach einem Friseurladen laut. Meine Eltern begannen, auf eine Trockenhaube zu sparen. Es gab wochenlang nur gesammelte Preiselbeeren und Bratkartoffeln. Pilze wurden getrocknet. Die stanken fürchterlich", erinnert sich Birgit Lindner. "Pilze und Preiselbeeren mag ich heute nicht mehr, Bratkartoffeln schon eher."

Schließlich hatten die Eltern das Geld für die Trockenhaube zusammen und der Vater malte ein Schild an die Barackenwand: "Dauerwellen heiß - kalt." Der Laden florierte. "1963 wurde daraus der Damensalon Polifka in der Goethestraße. Vater hatte auch wieder Arbeit gefunden: Er war nun Handlungsreisender für Friseurbedarf."
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