Arbeit der Feuerwehren unbezahlbar
Mädchen für alles

Bild: Grüner
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
03.05.2016
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Die Ausrüstung der Feuerwehr ist teuer, ja. Unbezahlbar hingegen ist ihr Engagement und Einsatz. 102 Freiwillige und 3 Werksfeuerwehren mit 4042 aktiven Mitgliedern gibt es im Landkreis Tirschenreuth. Und die kommen nicht nur im Brandfall, sondern immer dann, wenn es sonst nicht mehr weiter geht.

Tirschenreuth. (pwim/bz) Zu 1863 Einsätzen sind die Feuerwehren des Landkreises 2015 ausgerückt, überwiegend zu sogenannten technischen Hilfeleistungen. Vor ein paar Jahren, als "Wibke" und "Lothar" über das Land fegten und Halma mit den Wäldern spielten oder Starkregen ganze Landstriche unter Wasser setzten, da waren es auch schon mal über 2000 Einsätze.



So werden fast täglich Ölspuren gekehrt, Türen geöffnet, vermisste Menschen gesucht, Verkehrsunfälle abgesichert, Personen befreit, Tiere gerettet oder Insektennester beseitigt. Reine Brände (301 Einsätze 2015), gleichwohl spektakulär, sind längst ins Hintertreffen geraten. Dabei setzen sich die Feuerwehrleute großen psychischen und körperlichen Belastungen aus. Dass die Feuerwehr Mädchen für alles spielen muss, bestätigt auch Kreisbrandrat Andreas Wührl. Der Diplom-Betriebswirt hat das Amt im Januar von Franz Arnold übernommen. "Unsere Leute sind ehrenamtlich und unentgeltlich 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche, 24 Stunden im Einsatz", betont der 57-jährige Wiesauer.

Und er rechnet vor, dass sich der Landkreis durch dieses System gut und gerne weit über 30 Millionen Euro jährlich spart. Denn Brandschutz ist eigentlich eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Um die Region mit etwa 1000 Quadratkilometern abdecken zu können, bräuchte man 6 Berufsfeuerwehren, wegen des Schichtbetriebs mit 550 hauptamtlichen Kräften. "Das ist unbezahlbar. Da kann man mal sehen, was die Ehrenamtlichen alles leisten. Es gibt keine Alternative zu uns." Berufsfeuerwehren könnten auch keine freiwilligen Leistungen erbringen, wie Absicherungen beispielsweise beim Maibaumaufstellen, bei Stadtläufen oder Faschingszügen.

Freiwillige Feuerwehren sind aber auch aus einem anderen Grunde noch wichtig. "Sie sind auf dem Land oft der einzige Verein und halten die Dorfgemeinschaft zusammen." Anlass zur Auflösung gebe es da keinen.

Einsatz für Nachwuchs


Die Mitgliederzahlen sind nach Wührls Worten leicht rückläufig. Wegen des demografischen Wandels. "Wir merken das immer beim alljährlichen Wissenstest", erzählt der 57-Jährige und hofft, dass vor allem die Kindergruppen bei der Stange bleiben. In 13 Feuerwehren des Landkreises sind da bereits 143 Buben und Mädchen im Alter von 6 bis 12 Jahren aktiv, auch versicherungsrechtlich abgesichert durch den Landesfeuerwehrverband. "Das ist der richtige Weg in die Zukunft." Allerdings weiß auch der Tirschenreuther Kreisbrandrat: "Das Angebot im Jugendbereich ist halt groß." Auch der Unterricht am Nachmittag werde immer mehr.

Das ist der richtige Weg in die Zukunft.Andreas Wührl

Dafür interessieren sich immer mehr Mädchen und Frauen für die Feuerwehr. "Sie sind als wichtige Stütze der aktiven Wehr nicht mehr wegzudenken", sagt Wührl und nennt beispielhaft die Feuerwehr Pechofen, die mit einem Frauenanteil von über 30 Prozent besonders heraussticht. Oder auch die Feuerwehr Punreuth. "Hier ist es selbstverständlich, dass der Maschinist, der Atemschutzgeräteträger oder der Gruppenführer von einer Frau besetzt werden kann.

Immerhin 480 Frauen und damit rund 12 Prozent der Aktiven machen bereits in den Feuerwehren des Landkreises Dienst. Tendenz steigend. Und mit Alexandra Müller aus Höflas bei Kemnath steht seit Januar auch die erste Kreisbrandmeisterin in der Führungsriege. Die gelernte Mechatronikerin ist nicht nur verantwortlich für die gesamte Einsatznachbearbeitung im Landkreis, sondern auch noch Frauenbeauftragte im Kreisfeuerwehrverband.

Mit Problemen zu kämpfen


Noch ein Problem spricht der Kreisbrandrat an: die Tagesalarmsicherheit. Immer weniger Menschen sind beruflich im Ortsbereich tätig. So sind zwischen 6 und 18 Uhr sehr wenig Feuerwehrleute greifbar. Deshalb appelliert Wührl an die Arbeitgeber: "Stellt eure Leute bitte frei, wenn sie alarmiert werden."

Drei Fragen an die FrauenbeauftragteWie kamen Sie zur Feuerwehr?

Alexandra Müller: Da mein Vater und mein älterer Bruder auch bei der Feuerwehr sind, war es für mich selbstverständlich mit zwölf Jahren der Jugendfeuerwehr beizutreten.

Wieso haben Sie sich für die sehr anspruchsvolle Rolle des Atemschutzgeräteträgers entschieden?

Ich mache ungerne halbe Sachen. Für mich war schon beim Eintritt in die aktive Wehr klar, dass ich den Männern in nichts nachstehen will.

Wie sieht Ihr Idealbild von einer Freiwilligen Feuerwehr in fünf Jahren aus?

Es wird selbstverständlich sein, dass Frauen bei der aktiven Wehr sind. Sie sind gleichberechtigter und voll akzeptierter Teil der Mannschaft und Ihnen stehen dieselben Möglichkeiten offen wie dem männlichen Teil der Truppe. Dieser Schulterschluss bereitet den Männern und Frauen unserer Wehren viel Spaß und ist ein Zeichen für eine funktionsfähige und auch in Zukunft schlagfähige Feuerwehr.

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