Bauern ins Boot holen
Landwirtschaft und Wasserwirtschaft im Dialog

Stephan Poersch, Ludwig Peter, Martin Härtl, Josef Rupprecht ,Matthias Rosenmüller, Helmut Jahn und Dr. Stephan Behl (von links) informierten über die Wasser-Rahmenrichtlinie. Bild: hfz

Das Thema ist oft heikel: Hier Landwirtschaft, die Gülle und Pflanzenschutzmittel ausbringt, dort die Wasserwirtschaft, die sich den Gewässerschutz auf die Fahnen schreibt. Die beiden Seiten trafen sich jetzt. Nicht zum Schlagabtausch, zum Dialog.

Falkenberg. Breite Resonanz der Bauern aus den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/Waldnaab fand im Gasthof Prockl eine Informationveranstaltung über die neue Wasser-Rahmenrichtlinie. Im historischen Ambiente der alteingesessenen Gaststätte konnte Stephan Poersch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth über 60 sehr interessierte Teilnehmer begrüßen.

Dabei zeigte sich Poersch erfreut darüber, dass die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Weiden bei einem so heiklen Thema wie dem Gewässerschutz frühzeitig den Dialog mit den Landwirten suchten. Er verwies darauf, dass die Tirschenreuther Landwirte auf freiwilliger Basis bereits seit Jahren erfolgreich über KULAP-Maßnahmen wie der "Winterbegrünung", also der Einsaat von Zwischenfrüchten vor Mais sowie der Anlage "erosionsmindernder und grundwasserschonender Grünstreifen" entlang von Gewässern und hängigen Standorten aktiven Gewässerschutz betrieben.

Dabei hätten sich in den vergangenen 10 Jahren die Zwischenfrüchte mit über 2600 Hektar und die Grünstreifen mit knapp 200 teilnehmenden Landwirten im Landkreis mehr als verzehnfacht. Martin Härtl, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands bestätigte dies und forderte die Landwirte auf, bei diesem Zukunftsthema konstruktiv mitzuarbeiten. Gleichzeitig appellierte er an die Wasserwirtschaft, weiterhin mit rein freiwilligen Projekten die Bauern mit ins Boot zu holen und auf Eingriffe in die unternehmerische Freiheit der Landwirte zu verzichten.

Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, Matthias Rosenmüller, beschrieb die Zielsetzung der Wasser-Rahmenrichtlinie, mit der bis 2027 alle Grund- und Oberflächenwasser in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen sind. Dies sei bisher nur bei weniger als 10 Prozent der Flüsse, Bäche und Seen der Fall und könne nur dann erreicht werden, wenn Landwirtschaft und Wasserwirtschaft gemeinsam an einem Strang ziehen.

Dr. Stephan Behl, ebenfalls vom Wasserwirtschaftsamt, nannte als Hauptbelastungsfaktoren, die eine bessere Einstufung verhindern, zu hohe Einträge von Phosphat und abgeschwemmter Erde, worunter gerade kieslaichende Fischarten wie Bachforelle und Äsche besonders zu leiden hätten. Allerdings sei auch die vielerorts schlechte Gewässerstruktur durch Begradigungen und technische Verbauung, also die wasserbaulichen "Sünden" der Vergangenheit, für den häufig schlechten Zustand der Flüsse und Bäche zumindest mitverantwortlich.

Sein Kollege Helmut Jahn ergänzte, dass neben den Oberflächengewässern als zweite große Baustelle im Landkreis Tirschenreuth der Schutz des Grundwassers hinsichtlich der überhöhten Belastung mit Nitrat und Pflanzenschutzmitteln Grund zur Sorge bereite. In der Diskussion wiesen allerdings mehrere Landwirte darauf hin, dass die Bauern bereits durch ein umfangreiches Regelwerk an verpflichtenden (Düngeverordnung, Greening) sowie freiwilligen Maßnahmen in Vorleistung gegangen seien und nicht weiter "in die Zange genommen" werden dürften.

Nachdem auch Josef Rupprecht vom Fachzentrum Agrarökologie den Bodenabtrag als Hauptproblem für den Gewässerschutz benannte, stellte Feldberater Ludwig Peter vom Erzeugerring Pflanzenbau abschließend die möglichen Verfahren vor, kostengünstig und effektiv mit Mulchsaat vor Mais dieses Thema in den Griff zu bekommen. Die dafür verfügbare Technik könne man sich am besten direkt vor Ort anschauen.

Stephan Poersch kündigte, falls das Wetter mitspielt, für Montag, 18. April, um 13 Uhr auf den Erosionsschutz-Versuchsflächen in Neualbenreuth eine Maschinenvorführung "Mulchsaat von Silomais" gemeinsam mit dem Maschinen-, Erzeugerring und dem Amt für ländliche Entwicklung an.
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