Freiwilligendienst im Paradies
"Pura Vida" in Costa Rica

Sonnenuntergänge wie gemalt, hier in Playa Naranjo, erlebt Ralf Pröls seit knapp einem Jahr fast täglich. Er leistet in Costa Rica einen Freiwilligendienst ab. Auch landestypisches Kochen gehört zu seinen Aufgaben. Gar nicht so einfach, da es in seinem Einsatzgebiet nicht einmal Trinkwasser gibt. Solarstrom ist begrenzt verfügbar. Kontakt zur Außenwelt ist nur per Radio oder Handysignale vom Strand aus möglich.
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
27.05.2016
217
0
 
Ralf (links) und sein Kollege Mainor.

Traumhafte Strände, unberührte Natur, Sonne satt - so präsentiert sich die "Reiche Küste". Im Prinzip das Paradies. Ralf Pröls arbeitet sogar darin.

"Das Land hat viele traumhafte Flecken, die ich besuchen durfte" antwortet der 19-Jährige auf die Frage, was ihn an Costa Rica besonders beeindruckt. Zu den Höhepunkten zählt er, dass er beim Schlüpfen von Meeresschildkröten dabei sein durfte.

Aber auch die Freundlichkeit der Ticos, "die einen immer einladen und ein bisschen reden wollen", habe ihn sehr berührt. "Im Vergleich dazu sind die Deutschen sehr kühl." Auch das "Pura Vida", das neben Danke und Hallo viele andere Bedeutungen hat und im Prinzip eine Lebenseinstellung beschreibt, hat ihn fasziniert und Teile seiner eigenen Denkweise beeinflusst. Er habe gelernt, sich nicht über alles so viele Gedanken zu machen und darauf zu vertrauen, dass sich Probleme von selber lösen. Stattdessen sollte man viel mehr das genießen was einen selbst und vor allem die Familie glücklich macht.

Distanz als Möglichkeit


Auf die Idee zu einem solchen Freiwilligenjahr kam Ralf über Bekannte, die das bereits erlebt hatten. "Mein Ziel war es, Spanisch zu lernen und gleichzeitig etwas in Sachen Umwelt zu tun." Deshalb wollte er nach Lateinamerika und speziell nach Costa Rica. Seinen Traumjob hat Ralf über die Organisation AFS (American Field Service) bekommen.

Erst als er schon zwei Monate vor Ort war, sei ihm klar geworden, wie weit weg von zu Hause er eigentlich sei, vollkommen alleine auf sich gestellt. "Ich hatte aber nie wirklich Heimweh, sondern sah die Distanz eher als Möglichkeit, mich völlig neu zu präsentieren und selbst kennenzulernen." Ralf arbeitet in der Área de Conservación Guanacaste im Sektor Santa Rosa im Tourismus-Bereich. Der ganze Park umspannt 160 000 Hektar und deckt von einem marinen Teil über tropischen Trockenwald auch Nebel- und Regenwälder unter seinem Schutz ab.

Ralf agiert in der Hauptsache in Playa Naranjo, einem Surferstrand mitten im Park. Dort kümmert er sich um Touristen und achtet darauf, dass alles seine Ordnung hat. Dazu gehört auch das Beseitigen von Bäumen, die abgebrochen sind und Wanderwege blockieren. Tourist-Information ist auch Ralfs Job im Museum, das zentral im Park liegt.

Touristen informieren


Seit Anfang des Jahres ist er mit der deutschen Übersetzung der Homepage beschäftigt, auf der sich der Park präsentiert. Ziel dabei sei es, deutschsprachigen Touristen und Forschern eine fundierte Vorabinformation über sämtliche Möglichkeiten zu liefern. Noch sind nicht alle Texte übersetzt. Es handelt sich um mehr als 500 Artikel.

Ralf arbeitet turnusmäßig zehn Tage am Stück und hat danach fünf Tage frei. "Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich 20 Tage hintereinander gewerkelt und dafür dann zehn Tage frei bekommen habe." Die Freizeiten verbringt er bei seiner Gastfamilie. Allerdings ist er dort meistens nur einen Tag, weil es im Land so viel zu entdecken gibt.

Seine Eindrücke von Costa Rica sind in der Hauptsache positiv. "Anfangs musste ich erst ein wenig die deutsche Genauigkeit und Pünktlichkeit ablegen", erklärt er. "Wenn hier jemand sagt, lass uns das oder jenes machen, heißt das noch lange nicht, dass das auch passiert." Alles sei immer offen. "Es könnte ja was dazwischenkommen. Drei Wochen später kommt dann der Anruf mit der Frage, na was ist jetzt? Manchmal ertappe ich mich schon selber dabei."

Mit dem Umweltbewusstsein in Costa Rica sei das so eine Sache. "Einerseits ist ein Viertel der Landesfläche geschützt, wird grüne Energie genutzt, sind alle auf dem Ökotrip. Doch was den Rest des Landes, außerhalb der Nationalparks, betrifft, fehlt das Bewusstsein dafür."

Das Land sei wunderschön, es gebe viele traumhafte Orte. "Sie alle kennenzulernen, dafür reicht ein Leben nicht aus." Obwohl Costa Rica nur ein Siebtel der Fläche Deutschlands hat, kommt es Ralf riesig vor. Das liege in erster Linie daran, dass man überall hin große Fahrtstrecken in Kauf nehmen müsse. "Costa Rica ist das ideale Land für Leute, die eine Rundreise, Rucksacktour oder ähnliches machen wollen. Wer sich nur im Hotel aufhält, verpasst eine der schönsten Gegenden dieser Welt."

Nicht das letzte Mal


Ralf Pröls hat der Aufenthalt dazu gedient, sich selber besser kennenzulernen. "Man ist auf sich gestellt und muss entsprechende Entscheidungen treffen. Ich bin mir auch sicher, dass dieses Jahr nicht das letzte sein wird, das ich auf diese Art und Weise verbringen werde." Außerdem hat er erkannt, dass sich seine Ziele, die er später im Leben erreichen will, verfeinert und teilweise geändert haben. "Beruflich habe mich noch nicht wirklich festgelegt, aber es wird wohl auf ein Studium im technischen Bereich hinauslaufen."

___



Weitere Informationen:

www.ralfincostarica.blogspot.de/ www..acguanacaste.ac.cr

Vor allem hat mir der Aufenthalt dazu gedient, mich selber besser kennenzulernen.Ralf Pröls
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.