Gericht verurteilt Fahrer eines Müll-Lasters wegen fahrlässiger Tötung
Ein verhängnisvoller Fehler

Tirschenreuth. "Es war eine Verkettung extrem unglücklicher Umstände." So hat Richter Roland Kastner das Urteil des Schöffengerichts Wunsiedel begründet, in dem der Fahrer eines Mülllasters, ein 48-jähriger Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth, der fahrlässigen Tötung für schuldig gesprochen wurde.

Es war der 30. Dezember des Jahres 2014, früh gegen 8 Uhr, als der Mülllaster, besetzt mit dem Fahrer und zwei Beifahrern, in Schirnding die Biotonnen leerte. Kurz vorher hatte es geschneit. Nur kurz fuhr der Lkw-Fahrer über starkes Gefälle nach unten. Dann war ihm dort die Fahrbahn zu glatt und die Gefahr, mit dem tonnenschweren Gefährt ins Rutschen zu kommen, zu groß.

Er beschloss, wieder zurückzufahren. Dabei beging er einen verhängnisvollen Fehler. Aber nicht aus Leichtsinn, sondern aus Sorge um seine Mitarbeiter: Er beorderte die beiden Müllwerker auf der engen Straße ins Innere des Lastwagens: "Setzt euch rein, bevor ich euch noch zusammenfahre." Denn die Straße ist dort so schmal, dass ein Einweiser, der bei Rückwärtsfahrten eigentlich vorgeschrieben ist, auf der Straße keinen Platz gehabt hätte.

Was dann passierte, hatte tödliche Folgen für einen 66 Jahre alten Anwohner, der kurz vorher beim Schneeschippen auf dem Gehsteig unterwegs war. Der Lastwagen erfasste den Rentner, überrollte ihn und schleifte ihn mehr als zehn Meter mit. Erst da bemerkte der Fahrer den Vorfall. Für den 66 Jahre alten Mann kam jede Hilfe zu spät. Unmittelbare Zeugen des Unfalls gibt es nicht. Niemand weiß, was den Rentner dazu bewogen hat, den sicheren Gehsteig zu verlassen und auf die Straße zu laufen. Unerklärlich auch, warum der Mann den lärmenden Lkw mit Sicherheitsbeleuchtung und einem lauten piependen Geräusch weder sah noch hörte. "Was wollte der bloß auf der Straße?", fragt sich ein Nachbar heute noch.

Ein weiterer Nachbar erzählt vor Gericht, dass er sich kurz vorher mit dem 66-Jährigen unterhalten hatte. Der sei bereits durchgeschwitzt gewesen von dem Schneeschippen und habe geklagt, dass er es kaum noch schaffe, weil er noch auf weiteren Gehsteigen schippen müsse.

Der Angeklagte selber leidet heute noch unter dem Unglück. Nach drei Wochen, die er wegen des Schocks krankgeschrieben war, ist er zwar wieder in die Arbeit gegangen. Aber noch heute hat er die schrecklichen Bilder jenes Morgens vor Augen. "Das war mein Fehler", macht er sich heute noch den Vorwurf, keinen Einweiser benannt zu haben.

Ein Sachverständiger von der Dekra in Bayreuth, bestätigte, dass der Lkw Sicherheitszeichen gegeben habe und im Schritttempo gefahren sei. Dazu habe der Fahrer alle Hände voll zu tun gehabt, das tonnenschwere Fahrzeug auf der Straße zu halten.

Die Staatsanwältin plädierte auf eine Geldstrafe von 4800 Euro. Der Angeklagte habe versäumt, einen Einweiser zu benennen. Der Nebenkläger sprach von einer krassen Fehlentscheidung des Fahrers mit fatalen Folgen. Die Verteidigerin gab zu bedenken, dass ein Einweiser nur auf dem Gehsteig Platz gehabt hätte und das Opfer eine Mitschuld an dem Unfall habe. Der Richter verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 4000 Euro.
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