Neue psychoaktive Substanzen sind auf dem Vormarsch
Gefahr in bunten Tütchen

Als kleine Aufmerksamkeit für den Besuch beim "Suchtarbeitskreis" überreichte Geschäftsführerin Theresia Schwarz (links) der "minzone"-Projektleiterin Celine Schulz-Fähnrich einen Blumengruß. Bild: wro
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
20.04.2016
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Bei den Jugendlichen ist der Griff zur Zigarette inzwischen verpönt. "Die Zahl der Raucher hat einen historisch niedrigen Stand erreicht", freute sich Theresia Schwarz bei der Plenumssitzung des Suchtarbeitskreises. Anlass zur Freude gibt es aber noch lange nicht. Drogen aus dem Internet sind dafür jetzt auf dem Vormarsch.

Tirschenreuth. "Tagtäglich werden wir mit diesem Thema Thema konfrontiert", berichtete die Arbeitskreis-Leiterin. Gastreferentin an diesem Nachmittag war Celine Schulz-Fähnrich von der Caritas- Suchthilfe. Die Regensburgerin ging besonders auf "Neue psychoaktive Substanzen" (NPS) ein . Als Projektleiterin arbeitet die Sozialpädagogin gerne an der Front. "Besonders auf Festivals und im Nachtleben konsumieren junge Leute Drogen, manchmal freiwillig, oft auch nur aus Neugier", sagte die Referentin. Dort setze "mindzone" den Hebel an. "Wir bieten Gespräche, betreiben Aufklärung."

Schulz-Fähnrich möchte sich beileibe nicht als Spaßverderberin missverstanden wissen. Die rasante Entwicklung auf dem Drogenmarkt jedoch verfolge sie mit wachsender Sorge. "Die Zahl der Drogenkonsumenten steigt, der Ideenreichtum der illegalen Händler ist schier unbegrenzt." Immer dreister würden bestehende Gesetze umgangen, mit immer raffinierteren Mitteln versucht, Kunden zu erreichen. "Leider ist das Geschäft sehr einträglich."

Der Zugang zu Internet-Plattformen - neudeutsch "Darknet Markt" genannt - werde den Zielgruppen freilich leichtgemacht, fuhr die Referentin fort. Die Bestellung erfolge per Mausklick. "Viele Portale treten dabei ganz ,normal' als Internetshop auf." Das äußere Bild ähnle denen seriöser Händler. Anleitungen zeigten Schritt für Schritt wie's geht. Mit Kryptowährungen, also digitalen Zahlungsmitteln wie beispielsweise Bitcoins könne die Waren schließlich bezahlt werden. Verharmlosende Produktnamen wie "Kräutermischung" oder "Badesalz" verschleierten die Gefahr der meist unbekannten Substanzen in den bunten Tütchen.

Die Nebenwirkungen seien fatal, Langzeitschäden bislang nur unzureichend erforscht. Die Zahl neu entdeckter Substanzen auf dem europäischen Drogenmarkt wachse seit Jahren. "Immer wieder werden neue Stoffe zusammengemischt, geschickt weiß man das Betäubungsmittelgesetz zu umgehen." Zusammen mit ihren Kollegen von "mindzone" sieht sich die Sozialpädagogin einem ständig wachsenden Berg neuer Fragen und Herausforderungen gegenüber. Seit vielen Jahren werde wertvolle Aufklärungsarbeit betrieben, die Arbeit jedoch ähnele einem Kampf gegen Windmühlen.

MindzoneUrsprünglich war die vor 20 Jahren in der Landeshauptstadt gegründete Aktion eine Initiative junger Partyleute. Grundgedanke war die Aufklärungsarbeit innerhalb der damals neuen Techno-Szene. Inzwischen ist "mindzone" mit sieben Standorten im gesamten Freistaat aktiv.

Anfang 2015 wurde "mindzone" auch in Regensburg gegründet. Projektleiterin dort ist Celine Schulz-Fähnrich von der Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme. Besonders auf Festivals und bei Veranstaltungen in Clubs mit vorwiegend elektronischer Musik ist "mindzone" mit einem Infostand vertreten. Hier erhalten junge Erwachsene kostenlose Beratung und Information zum Thema Drogenkonsum. (wro)

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Weitere Informationen:

www.caritas-regensburg.de
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