Notunterkunft Wiesau jetzt geschlossen
Beim Abschied fließen Tränen

Auf die Helfer wartet noch viel Arbeit. Bis die Dreifachturnhalle wieder genutzt werden kann, werden wohl noch einige Wochen vergehen. Bild: wro
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Kreis Tirschenreuth
08.04.2016
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Aufbruchsstimmung an der Notunterkunft Wiesau. Seit Freitagvormittag gehört das Kapitel der Vergangenheit an. Draußen warteten schon die Busse. Die letzten Bewohner verließen mit ihren wenigen Habseligkeiten die Dreifachturnhalle. Bild: wro

Die Dreifachturnhalle in Wiesau war die letzte Schulsporthalle in der Oberpfalz, die noch als Notunterkunft genutzt wurde. Seit Freitag gehört das Kapitel "NUK Wiesau" der Vergangenheit an. Die letzten Bewohner haben die Sportstätte mit zwei Bussen verlassen.

Wiesau. Diplom-Sozialpädagogin Maria Staufer und Brigitte Busl waren zwei der rund 250 Ehrenamtlichen, die sich seit Juni vergangenen Jahres aufopferungsvoll um die zuerst in Tirschenreuth und dann in Wiesau untergebrachten Kriegsflüchtlinge gekümmert hatten. Mit gemischten Gefühlen verfolgten sie die Vorbereitungen der Abreise, halfen beim Einladen der wenigen Habseligkeiten. Hin und wieder flossen auch kleine Tränen, man umarmte sich, der Abschied hatte etwas von Herzlichkeit und Dankbarkeit.

Inmitten der leeren Halle: Bürgermeister Toni Dutz. Der Rathauschef hatte immer wieder betont, dass sich Wiesau zwar solidarisch der Aufgabe stelle, die Unterbringung von Flüchtlingen in Sportstätten aber Unsinn sei. An diesem Vormittag nahm er sich Zeit, wollte am letzten Tag seinen Gästen auf Zeit alles Gute wünschen. Von Erleichterung keine Spur, seine Stirn lag in Runzeln. "In wenigen Tagen werden wir eine Bestandsaufnahme machen, die Renovierung der Halle ist jetzt das vordringlichste Ziel", kommentierte der Bürgermeister die weitere Vorgehensweise. Dutz wollte sich auf keine konkreten Zahlen festlegen lassen. Die Kosten könne man derzeit nicht einmal annähernd überschauen. Ob und welche Reparaturen notwendig seien, werde sich erst in den nächsten Tagen herausstellen.

Eine stolze Bilanz der humanitären Hilfe zog BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl im Gespräch mit unserer Zeitung. "250 unserer ehrenamtlichen Helfer - darunter 45 ständig präsente Leute - waren in rund 8500 Einsatzstunden hier in Wiesau tätig." 580 Personen wurden einem Gesundheitsscreening unterzogen, 600 Patienten medizinisch versorgt. 750 Arztbesuche und 1800 medizinische Erstversorgungen ergänzen die stattliche Bilanz der Hilfe. Dazu kommen noch die Leistungen anderer Wohlfahrtsorganisationen wie Caritas und Arbeiterwohlfahrt.

Ausdrücklich betonte Holger Schedl: "Ohne den aufopferungsvollen Einsatz unserer Helfer wäre der Großeinsatz wohl kaum zu bewältigen gewesen." Sein aufrichtiger Dank galt an diesem Vormittag allen, die dem Ruf nach Hilfe freiwillig gefolgt waren. Angefangen vom Roten Kreuz, der Wasserwacht, dem Team Bayern, der Feuerwehr, allen Frauen und Männern, die mithalfen, dieses Projekt zu schultern. Noch liegen dem Geschäftsführer nicht alle Daten vollständig auf dem Tisch.

Wie viele Tonnen Lebensmittel und Getränke das Tor zur Notunterkunft passierten, lasse sich momentan nur schwer schätzen. Sicher wisse man aber, dass rund 105 000 Trinkbecher ausgegeben und 1,4 Tonnen Zucker verbraucht wurden. Viele der anstehenden Aufgaben müssten noch abgearbeitet werden, viele Arbeitsstunden lägen noch vor ihnen.

In den kommenden Tagen werde die Halle erst mal saubergemacht, schließlich leergeräumt, betonte Dutz abschließend. Wann die Halle von der Bevölkerung wieder genutzt werden kann, ließ er am Tag der NUK-Schließung vorerst noch offen.
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