Pelzige Räuber machen Fischzüchtern das Leben schwer
Mink und Co. schleichen sich ein

Schaut possierlich drein, ist aber ein gefürchteter Räuber: Der Mink macht den Fischzüchtern in der Waldnaabaue das Leben schwer. Archivbild: dpa
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Kreis Tirschenreuth
14.04.2016
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Das "Who's who" der "Roten Liste" - in der Waldnaabaue kann man es aufschlagen. Seltenste Pflanzen- und Tierarten sind dort anzutreffen, haben sich neuen Lebensraum erobert. Das Bundesnaturschutz-Großprojekt also eine einzige Erfolgsgeschichte? Jein.

Tirschenreuth. Wer den Katalog der in der Waldnaabaue vorkommenden Flora und Fauna liest, findet unzählige sonst in Bayern vom Aussterben bedrohte Arten: Der Moorfrosch ist Leitart, beim Wasserläufer hat sich die Zahl der Brutpaare verdreifacht, Libellen wie die Große Moosjungfer profitieren vom Wiedereinstau stillgelegter Teiche, ebenso die Glänzende Seerose und der Wasserhahnenfuß. Bei den Kreuzottern hat sich die Zahl der Beobachtungen in zehn Jahren vervierfacht. Kranich und Fischadler brüten. Und für viele Vogelarten ist die Waldnaabaue ein wichtiges Trittstein auf dem Frühjahrs- und Herbstzug.

Besonderer Schutz


"Aus naturschutzfachlicher Sicht zählt die Waldnaabaue zu den wertvollsten Lebensraumkomplexen Bayerns und steht als Europäisches Vogelschutzgebiet unter einem besonderen Status", berichtete jetzt Gebietsmanager Thomas Kurzeck im Kreisausschuss. Möglich geworden ist das nicht allein durch die Schaffung und Erhaltung von Biodiversität,sondern auch durch die lenkenden Maßnahmen, die einerseits das Gebiet auch touristisch aufwerten und gleichzeitig die Besucher von sensiblen Bereichen fernhalten. Vizinalbahn-Radweg und die mehrfach preisgekrönte moderne Architektur von Himmelsleiter und Heusterz-Brücke sorgen auch überregional für Aufsehen. Und dann ist da noch die traditionell extensive Bewirtschaftung der Teiche als Basis der gesamten Landschaftspflege.

Trotzdem gibt es laut Kurzeck Probleme. "Das ist oft ein schwieriger Spagat, den richtigen Weg zu finden." Denn gerade die Fischzüchter sehen sich zunehmend um den Lohn ihrer Arbeit betrogen. Kormoran, Biber und Fischotter, allesamt streng geschützt, machen ihnen das Leben schwer. Dazu kommt neu der amerikanische Nerz. Der Mink, in den 1950er Jahren aus Pelztierfarmen geflüchtet, ist ein gefürchteter Räuber und macht Jagd auf alles, was er töten kann. Fische, Vögel und selbst Hasen stehen auf seinem Speisenplan. Naturschutzexperten machen den Marder als vorrangige Ursache für den Populationsrückgang der Bodenbrüter aus.

Wie stark der pelzige Räuber bereits in dem Gebiet vorkommt, machte Kurzeck an einem Beispiel deutlich: Der Landkreis hat Biberfallen angeschafft, die von den Teichwirten zum Lebendfang von "Meister Bockert" eingesetzt werden können. In einer dieser Fallen hat sich seit Januar zwar kein einziger Biber gefangen, dafür aber acht Minks. "Wir müssen da rechtzeitig etwas tun."

Von einer zwar positiven Entwicklung des Naturschutzgebietes, aber einer besorgniserregenden Situation bei den Teichwirten sprach Landrat Wolfgang Lippert. "Das ist existenzgefährdend." Problematisch war für ihn auch ein Vertragsnaturschutzprogramm, das Teiche ohne Besatz finanziell besser stellt als solche mit. "Das ist so, als würde ein Almbauer desto mehr Geld kriegen, je weniger Kühe er auf der Weide hat. Da ist Verbuschung vorprogrammiert. Dann ist die Alm weg."

An einem Strang ziehen


Einen ungeheuren Verlust, sollte das Gebiet verloren gehen, befürchtete auch Hans Klupp von den Freien Wählern, selbst Teichwirt. "Die Waldnaabaue ist ein Kulturgut europäischen Ranges, dank der nachhaltigen Bewirtschaftung. Da sollten Teichwirte und Naturschutz an einem Strang ziehen - und vor allem auch in einer Richtung." Dass ohne extensive Teichwirtschaft das Naturschutzgebiet gefährdet ist, verdeutlichte auch Toni Dutz (CSU).

Und Rainer Fischer (SPD) sah in den strengen Schutzvorschriften das Problem. "Die waren vorher auch schon da - und nicht weniger schmerzfrei." Roland Grillmeier verwies auf Gespräche mit Land-, Forst- und Teichwirtschaft, um nachhaltige Lösungen für einen sanften Tourismus zu finden. Dagegen sah Franz Kühn jetzt schon einen extrem hohen Freizeitdruck.
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