Raketen die Renner
Silvester-Knallerei: Vorsichtg bei Billig-Feuerwerken

Vor allem Raketen-Batterien sind in diesem Jahr von der Kundschaft besonders gefragt, weiß Franz Zeitler aus Mitterteich. Bild: jr
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
29.12.2015
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Erst knallen die Korken, dann die Böller. Aber aufpassen. Nicht dass es an Silvester auch noch den großen Knall gibt.

Das kann schnell passieren, wenn man den Verlockungen der Asia-Märkte unterliegt und sich mit Böllern aus dem Nachbarland eindeckt. Die hören unter anderem auf so klangvolle Namen wie "Taliban-Rocket" und können im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgehen.

Diese Billig-Feuerwerke, meist aus Polen oder Tschechien illegal eingeführt, haben zum Teil eine fünfzig Mal größere Sprengkraft als ein in Deutschland zugelassenes Feuerwerk. Auch die enorme Lautstärke kann zu Hörschäden führen. Fehlen die Zulassungszeichen (CE oder auch BAM) machen sich Käufer nach dem Sprengstoffgesetz strafbar. Und das kann dann teurer werden als die vermeintliche Ersparnis. Werden sie erwischt, sind Strafen von 1000 bis 2000 Euro, je nach Menge und Einkommen, keine Seltenheit. "Wir kontrollieren derzeit verstärkt", bestätigt die Polizei in Waldsassen. Wobei es auch unterm Jahr immer wieder Aufgriffe gibt.

Seit Dienstag gibt es die feuerspeienden Kracher ja auch hier zu kaufen. "Der Renner sind in diesem Jahr sogenannte Raketen-Batterien", hat Franz Zeitler vom gleichnamigen Kaufhaus in Mitterteich bemerkt. "Einmal angezündet, sprühen diese ein Feuerwerk, je nach Befüllung zwischen 20 und sogar 180 Sekunden ab." Schönheit, Brillanz und tolle Lichteffekte seien da garantiert.

Diese "Symphonie am Sternenhimmel" wissen die Kunden aus dem Stiftland durchaus zu schätzen. Bis zu 200 Euro werden da schon in die Silvesterknallerei investiert, berichten die Händler. Damit die Asylbewerber da nicht gleich erschrecken, hat das Landratsamt bereits in der vergangenen Woche Handzettel drucken lassen und in der Notunterkunft in Wiesau verteilt. In sieben Sprachen, von Arabisch bis Serbo-kroatisch, wird da den Bewohnern die Knallerei um Mitternacht erklärt. "Nicht dass da plötzlich jemand meint, er wäre wieder im Kriegsgebiet gelandet", berichtet Helmut Völkl, verantwortlich am Landratsamt für das Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Viele der Flüchtlinge sind schwer traumatisiert. Vor allem die Kinder. Jürgen Kundrat, Geschäftsführer der Kreis-Caritas, erzählt von einem Buben, der allein vom Lärm eines Hubschraubers so erschrocken ist, dass er sich weinend versteckt hat.

Die Verwaltungsgemeinschaft Wiesau weist ausdrücklich darauf hin, dass nach dem Sprengstoffgesetz in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Fachwerkhäusern und historischen Gebäuden das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verboten ist. Dazu zählt speziell auch die Burg Falkenberg. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldbuße geahndet.
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