Realschüler zeigen Hindernisse zur Barrierefreiheit auf
Es gibt noch viel zu tun

Die Schulbank drücken durften die Mitglieder des Schulausschusses sowie Menschen mit Handicap. Sie hörten aufmerksam zu, wie Realschüler die Barrierefreiheit definierten. Bild: jr

Barrierefreiheit und Inklusion: Themen, die immer wieder eifrig diskutiert werden. Wie steht es denn um die Teilhabe behinderter Menschen an der schulischen Bildung? Schüler wissen die Antwort.

Waldsassen. Der Ausschuss für Schule, Bildung und Sport tagte an der Realschule im Stiftland. Höhepunkt war eine rund 30-minütige Präsentation zum Thema " Barrierefreiheit". Dabei zeigten die Schüler schonungslos die Missstände auf dem Schulgelände auf. Sie prangerten aber nicht nur an, sondern wussten auch Lösungsansätze. Landrat Wolfgang Lippert: "Einiges ist leicht zu machen, anderes wohl kaum."

Die Schüler hatten sich in einer Projektarbeit mit dem Thema auseinandergesetzt. Unterstützung fand die Klasse 9b bei Lehrer Reiner Summer. Im Vorfeld hatten die Schüler die Lebenshilfeschule und die Stiftland-Werkstätte für behinderte Menschen in Mitterteich besucht. Dort waren sie auf die Wichtigkeit der Barrierefreiheit vor Ort aufmerksam gemacht worden.

Die Schüler begannen ihre Präsentation mit der Barrierefreiheit an der Bushaltestelle. Viele Schulbusse seien gar nicht behindertengerecht ausgebaut. Auch fehle beispielsweise ein "Behindertenpflaster". Der Weg zur Schule sei für Rollstuhlfahrer oft ein unüberwindbares Problem. Kinder müssten teilweise auf der Straße laufen, weil die Gehwege einfach zu eng seien. Ihre Fortsetzung fänden die Probleme dann in der Schule, wenn Rollstuhlfahrer durch die viel zu engen Gänge müssten oder verschiedene Räumlichkeiten gar nicht erreichen könnten.

"Doppelt so breite Gehwege wie bisher", lautete deshalb eine Forderung. Das diene auch der Sicherheit der Autofahrer. Danach nahmen die Schüler das Schulgebäude unter die Lupe. Sie kritisierten, dass das Behinderten-WC zu abgelegen sei und in einem Notfall nicht schnell genug erreicht werden könne. "Wie soll ein Rollstuhlfahrer ins Obergeschoss kommen?" Außerdem seien die Stühle und Tische in einem Klassenzimmer viel zu eng für Rollis. Komplett ungeeignet war in dem Sinne auch der Physiksaal. Weitere Behinderungen gebe es in den Gängen durch die Feuerschutztüren, da diese nicht automatisch öffneten.

Fazit der Schüler: "Auf die Schnelle kann ein Rollstuhlfahrer in der Realschule im Stiftland nicht aufgenommen werden." Erst müsste es bauliche Veränderungen geben, die natürlich mit erheblichen Investitionen verbunden seien. Doch nicht nur Kritik gab es. Die Schüler zeigten auch die positiven Veränderungen hinsichtlich der Barrierefreiheit an der Schule auf. Ihre Erkenntnis: "Inklusion und Barrierefreiheit stoßen an ihre Grenzen."

Die Schüler waren sich einig, dass bei allen Planungen für eine Sanierung oder gar einen Neubau Behindertenbeauftragte schon im Vorfeld mit hinzugezogen werden müssten.Landrat Wolfgang Lippert erkannte als Sachaufwandsträger der Schule den Investitionsbedarf. Sein Dank galt den Schülern, die den Kreisräten anschaulich die Thematik vor Augen führten. Es gebe noch viel zu tun, wenn die Barrierefreiheit wirklich erreicht werden solle.
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