Rinder die wichtigste Einnahmequelle deutscher Bauern
Chinesen mögen glückliche Kühe

Fleisch, Milch und Milchprodukte sind längst globale Industriegüter. Deutsches Milchpulver wird in die halbe Welt exportiert, und produziert Neuseeland mehr Milch als erwartet, setzt das auch die Bauern im Landkreis unter Druck.

Tirschenreuth. Das Rind ist die wichtigste Einkommensquelle für die deutsche Landwirtschaft: 12,6 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen stehen momentan in den Ställen und auf der Weide von Berchtesgaden bis Flensburg. Im Kreis Tirschenreuth geht die Rinderhaltung jedoch zurück: Aktuell werden 53 097 Tiere gehalten, 1175 weniger als noch vier Jahre zuvor.

Sie liefern täglich ihre Milch an die Molkerei, haben aber keinen Einfluss auf den Preis - die Milchviehhalter stehen schon seit langem unter Druck. Mit dem Wegfall der Milchquote im Frühjahr 2015 darf nun jeder so viel Milch produzieren, wie er will. Agrarökonomen sehen damit ein "echtes Entwicklungshindernis" als beseitigt. Die Quote hätte nur dazu gedient, die kleineren Betriebe am Leben zu halten und das Durchsetzen der Großbetriebe zu verhindern.

Um am Weltmarkt eine Chance zu haben, schaffte die EU-Kommission die Quote ab, die 30 Jahre lang den Angebotsmarkt regulierte. Doch momentan ist der Milchmarkt gesättigt, der Milchpreis niedrig und die Kosten für Strom, Futter, Landmaschinen und Arbeitskräfte steigen. Gleichzeitig gibt es aber kaum Optimierungspotenzial. Viele sehen dies als "Grab für die kleinbäuerlichen Strukturen"

Momentan gibt es im Landkreis Tirschenreuth 20 910 Milchkühe (Stichtag: 3. November 2015), und damit 113 weniger als im Jahr 2011. Deutschlandweit stehen 4,3 Millionen Milchkühe in den Ställen, rund 94 500 oder 2,3 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Welche gewichtige Rolle die Milcherzeugung spielt, verdeutlicht ein Blick auf die Erlöse: Im Jahr 2012 beliefen sich die Verkaufserlöse für Milch bundesweit auf knapp 10 Milliarden Euro, für Rinder und Kälber auf "nur" 4 Milliarden Euro.

In der Schweinehaltung wurden etwa 7,6 Milliarden Euro erlöst und mit der Erzeugung von Eiern und Geflügel rund 2,5 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Größeren Haltungen mit rationalisierter Produktionstechnik wird zukünftig der größte Erfolg zugeschrieben. Die Milchleistung der Kühe, die sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht hat, ist dabei nahezu ausgereizt: Eine weitere Steigerung macht die Tiere frühzeitig krank und sie fallen als Milchquelle aus. Die Turbo-Kühe produzieren im Schnitt aber immer noch 8000 bis 9000 Kilogramm pro Jahr. Kleinbäuerliche Strukturen hingegen prägen nicht nur die Kulturlandschaften Bayerns, sie haben zugleich einen enormen Werbe-Effekt für die gesamte Milcherzeugung: Die Chinesen ordern gerne Milchprodukte von "glücklichen Kühen" aus Deutschland.
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