Seeadler brüten in der Waldnaabaue
Juwele der Natur

Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,50 Meter ist so ein Seeadler-Weibchen schon ein mächtiger Vogel. Franziska Höhensteiger und Daniel Zippert bestaunen die riesige Schwingfeder, die unter dem Horst gelegen hat.
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
03.06.2016
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Wissenschaft braucht Daten: Die Jungadler werden gewogen und vermessen. Friedericke Schmidt und Dr. Daniel Schmidt-Rothmund sind mit dem Gesundheits- und Ernährungszustand der beiden Vögel sehr zufrieden.

Der Seeadler ist der größte Greifvogel Mitteleuropas und ein äußerst seltener Anblick. In der Tirschenreuther Teichpfanne allerdings wird er künftig öfter zu sehen sein. Vorausgesetzt, sein größter natürlich Feind lässt ihn in Ruhe - der Mensch.

Tirschenreuth. Dass neben Kranichen und drei Fischadler-Pärchen auch Deutschlands Wappenvogel in der Waldnaabaue brütet, hatten Forstdirektor Gerhard Schneider und seine Mitstreiter von den Bayerischen Staatsforsten zwar schon einige Jahre vermutet, aber erst heuer entdeckten sie auch den Horst: Hoch oben in einem etwas schief gewachsenen Baum.

Dass so seltene Arten wie eben der Seeadler hier wieder einen Lebensraum finden, ist für den Chef des Forstbetriebs Waldsassen ein Erfolg des Naturschutz- Großprojekts. "Die millionenschweren Investitionen waren nachhaltig und zeigen jetzt Früchte", ist sich Schneider sicher. Und Dr. Daniel Schmidt-Rothmund, so etwas wie der "Adler-Papst", spricht von einem einzigartigen Juwel. Der Ornithologe und Leiter des Vogelschutzzentrums Mössingen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), kümmert sich im Auftrag des Bezirks Oberpfalz um den Adler-Nachwuchs.

Und weil dessen Lebensweg nicht nur für wissenschaftliche Zwecke nachverfolgt werden soll, steht an diesem Donnerstag die Beringung an. Nicht nur wegen der schwülwarmen Witterung eine schweißtreibende Angelegenheit. Während Myriaden von blutsaugenden Stechmücken die Teilnehmer der "geheimen Kommandosache" umschwirren, legt Dr. Schmidt-Rothmund das Geschirr an: dicke Seile und schwere Haken, Klettergurte und die Steigeisen. Helm und Schutzkleidung sind Pflicht.

Wie die Wiesel


Matthias Gibhardt tut es ihm nach. Der Falkenberger Revierförster trainiert auch die Sportkletterer in der Alpenvereinssektion Karlsbad und ist mit Daniel Schmidt ein eingespieltes Team. Wie die Wiesel stürmen die beiden den Baum hoch. Das Problem dieses speziellen Horstes: Er ist so in die Spitze gebaut, dass die Männer sich weit hinauswagen müssen, um an die Jungen zu kommen.

Dass es zwei sind, ist erst seit wenigen Tagen bekannt. "Ein Glücksfall", heißt es. "In Deutschland gehen die Bestände momentan etwas zurück", weiß Dr. Schmidt und macht dafür vor allem illegale Nachstellungen verantwortlich. Während die beiden Altvögel schon beim Näherkommen des Trosses abgeflogen sind und das Geschehen aus sicherer Warte beobachten, hangelt sich Dr. Schmidt mit einem eigens dafür entwickelten Spezialstock den ersten Jungvogel und lässt ihn - vorsichtig in einem Sack verstaut - zu Boden gleiten. Dort wartet schon Friedericke Schmidt, die im Vogelschutzzentrum ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert. Dann das ganze noch einmal.

"Kerngesund und gut ernährt", attestiert Dr. Schmidt den Zuschauern. Gerhard Schneider, sein Stellvertreter Daniel Zippert, Wolfgang Pröls und Referendarin Franziska Höhensteiger hören es gerne und staunen vor allem über die doch schon kräftig ausgeprägten Füße. "Der Lebensraum passt also", freut sich Schneider. Dass die beiden Vögel in einer Art Schockstarre auf dem Bauch liegen und erst einmal schnappatmen, kennt der Ornithologe. "Das ist ein natürlicher Reflex, die beruhigen sich ganz schnell."

Die beiden Jungadler werden gewogen, Schwingen und Steuerfedern sowie die Schnäbel werden gemessen und für die Wissenschaft notiert, bevor zwei Ringe die Vögel für immer identifizierbar machen. Danach dürfen sie wieder in ihr sicheres Nest. "Spätestens in ein oder zwei Stunden sind auch die Altvögel wieder da und kümmern sich um ihre Jungen", versichert der Adler-Experte.
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