Seit zwölf Jahren lokales Netzwerk für Familien
Ein starkes Bündnis

Sabine Bauer koordiniert seit 2012 das Netzwerk für Familien im Landkreis Tirschenreuth. Bundesweit gibt es davon inzwischen mehr als 650. Bild: Grüner
 

Mehr für die Familien tun: Dieses hehre Ziel ist auf vielen Wegen zu erreichen - in oftmals kleinen Schritten. Das "Bündnis für Familie im Landkreis Tirschenreuth" dient seit zwölf Jahren als Sammelpunkt für zahlreiche mithelfende Organisationen.

Tirschenreuth. Was genau steckt dahinter? Zum bundesweiten "Tag der Familie" am 15. Mai haben wir ein Interview mit Koordinatorin Sabine Bauer geführt.

Frau Bauer, was war der Auslöser für die Gründung?

Sabine Bauer: Die Gründung 2004 fand lange vor meiner Tätigkeit als Koordinatorin unter dem damaligen Jugendhilfeplaner Albert Vitzthum statt. Auslöser war die Bundesinitiative "Lokale Bündnisse für Familie" des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Bündnis im Landkreis Tirschenreuth war eines der ersten 100, die bundesweit initiiert wurden und ist neben dem Bündnis in Regensburg das älteste in der Oberpfalz.

Wie viele Gruppierungen machen derzeit mit?

Bei der Gründung waren es 12 Bündnispartner. Heute sind es über 40 Institutionen, vertreten durch knapp 70 aktive Einzelpersonen. Die Bandbreite reicht von öffentlichen Einrichtungen, sozialen Institutionen, Akteuren der Wirtschaft bis zum Verein.

Wie sehen Sie die grundsätzliche Aufgabe des Bündnisses?

Das übergeordnete Ziel aller lokalen Bündnisse liegt in der Förderung der Familienfreundlichkeit vor Ort. Dazu kann die Arbeit des lokalen Netzwerks natürlich nur einen bestimmten Beitrag leisten und Anstöße geben. Meiner Meinung nach ist einer der wichtigsten Aufgaben, die Notwendigkeit von Familienfreundlichkeit in allen Aspekten des täglichen Lebens immer wieder, auch öffentlich, in den Fokus zu stellen.

Welche konkreten Projekte hat das Bündnis schon verwirklicht?

Beispielsweise die Gründung der Ortsgruppe des Kinderschutzbundes in Tirschenreuth, die regelmäßig stattfindenden Kurse "Starke Eltern - starke Kinder" oder eine landkreisweite Elternbefragung zur allgemeinen Zufriedenheit von Familien. Die Ideensammlung ergab unter anderem den Bedarf zur Erweiterung der Hallenbad-Öffnungszeiten, was teilweise umgesetzt wurde, oder den Ausbau der Kinderferienbetreuung.

Und was steht konkret an?

Seit der Neuformierung des Netzwerks 2012 gibt es unterschiedliche Schwerpunktthemen. So strebt die Arbeitsgruppe "Familie und Arbeitswelt" die bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf an. Dies soll durch die Sensibilisierung und Information von Arbeitgebern vor Ort geschehen aber auch sogenannte "Good-practice-Betriebe" für ihr Engagement in diesem Bereich auszeichnen. Ab 2017 sollen Betriebe die Auszeichnung "Botschafter für Familienfreundlichkeit" erhalten. Die Bewerbungsphase startet im Herbst 2016. Für Anfang 2017 geplant ist die Neuauflage des "Pflegenotfallflyers" für Betroffene oder Angehörige.

Die AG "Familienfreundliches Umfeld" stieß die "Inklusive Kinderferienbetreuung" an. Dieses dreiwöchige Angebot in den Sommerferien wird jährlich unter der Trägerschaft der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Tirschenreuth in Mitterteich durchgeführt. Zum zweiten Mal gibt es dieses Jahr den "Familienerlebnistag" im Geschichtspark in Bärnau. Die zuletzt neu gegründete AG "Familienbildung" dient der Vernetzung der Vielzahl an Trägern von Angeboten der Familienbildung im Landkreis.

Wo sehen Sie heute die größten Herausforderungen für Familien?

Sicherlich im innerfamiliären Zeitmanagement. Viele Familien sind heute auf zwei Einkommen angewiesen. Folglich sind beide Elternteile, falls vorhanden, ganz oder zumindest in Teilzeit berufstätig. Hier sehen sich Eltern konfrontiert mit Themen wie Öffnungs- und Schließzeiten, Mittags- und Nachmittagsbetreuung, Ferienbetreuung. Gerade Familien, die nicht oder nur begrenzt auf private Unterstützung wie von Großeltern oder Nachbarn zurückgreifen können, stellt dies vor große Herausforderungen. Aber auch die häusliche Pflege von Angehörigen fordert Berufstätige.

Ist der Landkreis Tirschenreuth familienfreundlich?

Meine natürlich sehr subjektive Einschätzung: Ja. Da dieses Thema jedoch so enorm vielfältig ist, gibt es noch viel Handlungsbedarf an der einen oder anderen Stelle. Die Aufgeschlossenheit für die Thematik ist aber grundsätzlich vorhanden.

Einige Beispiele: Alle Gemeinden im Landkreis organisieren in den Sommerferien, mit Unterstützung von Vereinen, Institutionen und Privatpersonen, ein Kinderferienprogramm. Dies schließt sicherlich nicht komplett den Betreuungsbedarf - kann aber Erleichterung verschaffen. Inzwischen sind in allen Gemeinden Familienbeauftragte bestellt. Das Betreuungsangebot für unter dreijährige Kinder wurde bedarfsgerecht in nahezu allen Gemeinden ausgebaut. Viele Kommunen unterstützen Ferienbetreuung auch finanziell, wie beispielsweise die "Inklusive Kinderferienbetreuung" oder, vor allem im westlichen Landkreis, die Angebote von Learning Campus.

Wie aufgeschlossen sind die Firmen für Familienbelange?

Bei den größeren Betrieben im Landkreis ist die Wichtigkeit des Themas Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon seit längerer Zeit im Personalmanagement fest verankert. Teilweise gibt es konkrete innerbetriebliche Konzepte. Bei kleineren Unternehmen ist Familienfreundlichkeit, gerade bei uns im ländlichen Raum, häufig gelebte Praxis und eine Selbstverständlichkeit.
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