VHS-Fahrt zu den Akanthus-Altären der Region
Bärenklau in den Kirchen

Die Teilnehmer der Studienfahrt in Reuth bei Erbendorf, wo einer der schönsten Akanthus-Altäre zu finden ist. Bild: hfz

Eigentlich gehört der Akanthus ja zur Familie der Disteln. Und die haben mit Altären normalerweise wenig zu tun. Oder doch?

Tirschenreuth. Interessierte Heimatfreunde besuchten auf einer Fahrt der Volkshochschule Akanthusaltäre in der nördlichen Oberpfalz. Unter Führung von Bruno Salomon wollte man wenig bekannten Kulturgütern der Heimat Referenz erweisen.

Der Akanthus - oder besser bekannt als Bärenklau - zählt zu den bekanntesten Ornamenten in der Antike und europäischen Kunst. Eine neue Blütezeit erlebte das Ornament im Barock. Das Sich-empor-ranken der Akanthuspflanze zum Licht ist die allegorische Handhabung des künstlerischen Akanthus. Das Wachsen erfolgt aber nicht aus eigener Kraft, sondern ist abhängig vom Sonnenlicht. Das bedeutet theologisch das Streben nach dem Licht Gottes.

Die böhmische Herkunft dieses Altartypus kann als weitgehend gesichert angesehen werden. Der Schwerpunkt liegt dabei entlang der Handelsstraße Prag-Nürnberg und beeinflusste so auch die nordöstliche und westliche Oberpfalz sowie Teile Mittelfrankens. Zunächst führte die Exkursion nach Leonberg. Der Hochaltar ist aus dem Jahr 1724 vom bekannten Bildhauer Johann Carl Stilp unter Mitwirkung des Waldsassener Fassmalers Theodor Freund .

Die Leonhardikapelle in Beidl sowie die Schlosskirche St. Michael in Schönkirch und ein kleiner Seitenaltar in Bernstein waren die nächsten Stationen. Nach der Stärkung in einem Landgasthof folgten die nächsten Höhepunkte.

Die 1717 in Reuth bei Erbendorf erbaute Kirche St. Katharina kann einen der schönsten Akanthusaltäre aufweisen. Er wird dem 1657 in Weiden geborenen Johann Christoph Windisch zugeschrieben. Hier hat man es mit einer bis ins letzte ausgereiften Schnitzkunst zu tun: Der Altaraufbau ist ideal in den Chor einkomponiert. Das Filigrangeflecht der Ranken ist so verfeinert, dass man deren Lauf nicht mehr folgen kann. Durch das vielfach durchbrochene Schnitzwerk in Mandelform fällt Licht vom rückwärtigen Fenster und lässt den Monstranzaltar in weichem Licht fast schwerelos erscheinen. Der geistige Mittelpunkt des Hochaltars ist der Tabernakel, der die Form eines mit der Dornenkrone umwundenen Herzens hat.

Den nächsten Akanthusaltar als letzten seiner Art schuf 1750 Windisch's Sohn Sigmund ursprünglich für die St. Veit-Kirche in Erbendorf-Altenstadt. Bei dem jetzt in Thumsenreuth stehenden Altar ist das Schnitzwerk der Zeit entsprechend wesentlich filigraner, feinteiliger und engmaschiger, dient aber nur noch als Hintergrund für die Figuren der 13 Nothelfer.

Im gleichen Ort konnte in der evangelische Kirche St. Aegidius der Akanthusaltar und die Kanzel des vor allem in der westlichen Oberpfalz und im fränkischen Raum bekannten Schnitzers Johann Michael Doser in Augenschein genommen werden. In die 1935 geweihte Kirche "Maria Heimsuchung" in Poppenreuth wurden bei der Profanierung der Schlosskirche der Hochaltar und als Glanzstück der unter Denkmalschutz stehende Nepomukaltar übertragen.

Die Kulturfahrt ging mit dem Besuch der Kreuzbergkirche in Wiesau zu Ende. Auch hier konnten drei Werke von Johann Carl Stilp bestaunt werden, die er auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens in den Jahren 1725 bis 1726 gleichzeitig mit der Ausgestaltung des Waldsassener Bibliotheksaales schuf. Das Bild des rechten Seitenaltars "Die Kirche als gute Hirtin" wird dem Tirschenreuther Maler Maurus Fuchs zugeschrieben.
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