Vollstes Vertrauen in das Haus
Ein Tirschenreuther erzählt von seinem Leben bei den Domspatzen

Wenn auch für das großartige Leben eines berühmten Domspatzen der Verzicht auf ein geregeltes Familienleben normaler Alltag ist, kommt Konstantin so oft als möglich gerne zu seiner kleinen Schwester Marlene und seinen Eltern, Barbara und Christian Züllich, nach Hause. Bild: ubb
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
27.01.2016
1753
0

Wer Domspatz hört, denkt unweigerlich an Missbrauch. "Das ist schade", sagt die Familie Züllich, die mit Chor, Gymnasium und Internat nur die besten Erfahrungen gemacht hat. Und so erzählt Sohn Konstantin aus seinem Schülerleben in Regensburg.

Tirschenreuth. Seit der zweiten Grundschulklasse singt Konstantin Züllich in dem weltberühmten Chor. Kommendes Wochenende muss Mutter Barbara wieder auf ihren Sohn verzichten. Der 15-Jährige der zumindest versucht, regelmäßig am Samstag und Sonntag nach Hause zu kommen, hat in Regensburg eine wichtige Aufgabe. Beim jährlichen "Tag der offenen Tür" der Domspatzen ist der junge Mann nicht nur zur Chor-Präsentation eingeteilt. Als Schulsanitäter organisiert er die Veranstaltung mit.

So schwer es auch fällt, muss die dreifache Mutter bereits seit neun Jahren häufig auf ihren zweiten Sohn verzichten. "Aber Konstantin hat sich für eine Ausbildung zum Domspatz entschieden. Und wir haben ihn dabei immer unterstützt und gefördert", erzählt Vater Christian Züllich.

Konstantin selbst hat mit dem Verzicht auf Familie und Freunde in der Heimat keine Probleme. Er ist ins selbstbestimmte Leben eines Domspatzen relativ früh hineingewachsen, wirkt wesentlich selbstbewusster als viele seiner Altersgenossen.

Begonnen hat alles in der Singklasse der Kreismusikschule. "Meine Gesangslehrerin riet mir, ich sollte unbedingt bei den Domspatzen vorsingen", erzählt Konstantin. Den Eltern wurde schnell klar, dass es dem Buben sehr ernst damit ist. "Wir sind also mit ihm zum Vorsingen nach Regensburg gefahren", erzählt Barbara Züllich. Aufgrund seines zarten Alters konnte Konstantin zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ins Domspatzen-Internat eintreten.

"Zuerst wurde uns gesagt, dass es wohl etwas weit wäre zu den Proben nach Regensburg", erzählt Barbara Züllich lachend weiter. Konstantins Stimme überzeugte jedoch derart, dass die Entfernung zwischen Tirschenreuth und Regensburg gleich nach dem Vorsingen auch für die Auswahl-Jury nicht mehr als Hinderungsgrund gesehen wurde.

Für Konstantin begann eine großartige Zeit im weltberühmten Knabenchor. Für die Eltern wurde es zuerst einmal eher stressig. Ihr Kind musste anfangs ein Mal pro Woche, später teils drei Mal nach Regensburg gebracht werden. Konstantin kam in den Förderchor und durfte frühzeitig am Hauptchor und bei Kirchenauftritten teilnehmen.

Ab der fünften Klasse trat Konstantin ins Internat eint. Für die Familie wurde es leichter, wenn auch der Trennungsschmerz größer war. Ab jetzt führte der Weg nach Regensburg die Familie zu großartigen Konzerten im Dom, um den Sohn im Chor zu erleben. Besonders das Weihnachtskonzert hat die Familie sehr beeindruckt.

Manches Mal konnten sie ihm jedoch nicht nachreisen. "Wir waren auch schon zwei Wochen in den USA und sangen in Washington und New York", erzählt der junge Mann stolz. Beeindruckt hat ihn sein Auftritt in Berlin vor dem damaligen Bundespräsident Christian Wulff. Engagements des Chors in der Waldsassener Basilika und nach Tirschenreuth führten den jungen Sänger in die Heimat. In Tirschenreuth war sein Auftritt allerdings eine große Ausnahme. Weil es ein "Heimspiel" war, erlaubte ihm Domkapellmeister Roland Büchner trotz Stimmbruch mitzuwirken. Danach musste Konstantin pausieren. "Aber nur vier Monate", freut sich der junge Sänger, den Stimmbruch relativ rasch überstanden zu haben. Nach der Altstimme als Knabe singt er jetzt Tenor.

Dass Konstantin beruflich keineswegs eine Sängerkarriere anstrebt, sondern in die Fußstapfen seines Vaters als Stadt-Apotheker treten möchte, macht den Eltern wenig Sorgen. "Im Domspatzen-Gymnasium werden die Kinder großartig gefördert. Wir hatten und haben von Anfang an vollstes Vertrauen in dieses Haus und die pädagogische Arbeit", betonen die Eltern.

Für Konstantin selbst ist das Leben als Domspatz nicht anders als ein normales Dasein eines Jugendlichen. Er ist sportlich, schreibt gute Noten, verbringt seine Freizeit mit einem großen Angebot an Aktivitäten. Und er freut sich darauf, 16 zu werden, weil dann die Freiheiten größer werden. Zwei Jahre noch wird Konstantin sein außergewöhnliches Schulleben als ein berühmter Domspatz noch genießen, mit dem Abitur endet es. Doch darüber denkt er jetzt noch nicht nach, schließlich gibt es auch noch einen Ehemaligen-Chor.

HintergrundDerzeit gibt es 333 Regensburger Domspatzen. Dem Internat und Gymnasium angegliedert ist eine Grundschule mit weiteren 121 Schülern. Der Unterricht ist individuell auf das Chorgeschehen zugeschnitten, die Ferien sind weitgehend den normalen bayerischen Ferien angepasst.

Jeder Schüler kann gleichzeitig ein oder mehrere Instrumente kostenlos lernen. Konstantin hat sich für Klavier und Orgel entschieden. Während des Stimmbruchs pausieren die Jugendlichen, danach wird mit Stimmtraining die veränderte Stimmlage neu geschult. Wer sich für eine Gesangsausbildung zum Domspatz interessiert, kann am kommenden Samstag, 30. Januar, von 11 bis 14 Uhr bei den Regensburger Domspatzen in der Reichstraße 22 in Regensburg direkt vor Ort mehr erfahren.

Mehr Auskünfte über die Schule, das Internat und den Chor gibt es auch per Telefon, 0941/79620.
Weitere Beiträge zu den Themen: Domspatzen Regensburg (1)Konstantin Züllich (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.