Wanderausstellung des FC Bayern
Für Toleranz und Menschlichkeit

Gut besucht war schon die Eröffnung der Wanderausstellung über das Schicksal politisch oder religiös verfolgter Mitglieder des FC Bayern. Zu sehen ist auch die Chronik des Vereins, die nur 111 Mal aufgelegt worden ist. Bilder: axs (3)
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
02.06.2016
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Interessiert verfolgten die Besucher die Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Deutschlands.

Kurt Landauer - ein Name der wohl den wenigsten Fußball-Fans wirklich ein Begriff ist. Dabei gäbe es den global agierenden Fußballgiganten Bayern München heute nicht in dieser Form ohne den visionären Präsidenten aus den Anfangstagen des Clubs. Eine Wanderausstellung beleuchtet sein Schicksal. Und nicht nur das.

Tirschenreuth. Draußen grollte Donner aus einem pechschwarzen Himmel, drinnen schwebten sanfte Jazz-Klänge durch den Saal. Und von den Tafeln schauten fast vergessene Zeitzeugen des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte auf die Anwesenden im Gasthof "Zur Sonne". Eine besondere Stimmung lag in der Luft, passend zum Anlass. Die "Sitftland-Bazis" hatten zur Eröffnung der begehrten Wanderausstellung "Verehrt - verfolgt - vergessen" geladen. Diese setzt sich mit den Schicksalen politisch oder religiös verfolgter Mitglieder des FC Bayern München auseinander. Der Fanclub aus Schönkirch hat es in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring als einer der Ersten geschafft, die Infotafeln zu ergattern.

Vorsitzender Markus Preisinger erinnerte an die jüdische Vergangenheit des deutschen Rekordmeisters, der unter Präsident Kurt Landauer 1932 sogar den ersten Titel in die Landeshauptstadt geholt hat. "Fußball bringt die Menschen zusammen, jenseits aller kulturellen, religiösen oder politischen Unterschiede."

Jürgen Preisinger vom Kreisjugendring gab den Gästen einen Einblick in die Entscheidung für die Bewerbung um die Ausstellung. "Es gibt 1000 gute Gründe für so eine Aktion." Er sah hier nicht nur eine aktive Vergangenheitsbewältigung, sondern maß der Veranstaltung größeren Wert bei: "Es geht letztlich um Grundwerte wie Toleranz und Menschlichkeit." Außerdem zeigte er sich dankbar für die Partnerschaft mit den Stiftland-Bazis. "Der Fanclub steht zu 100 Prozent hinter diesen Werten."

Thema stets aktuell


Für den stellvertretenden Landrat, Dr. Alfred Scheidler war die Ausstellung ein Mahnmal dafür, die dunkle Nazizeit nicht zu vergessen. Er sah auch in der Gegenwart immer wieder die Notwendigkeit, aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung vorzugehen. "Wenn ich heute einen durchgeknallten Politiker über unseren Nationalspieler Jerome Boateng reden höre, dann kann ich nur den Kopf schütteln", verwies Scheidler auf die Aussagen von AfD-Mann Alexander Gauland. Seiner Meinung nach müsse Rassismus konsequent vorgebeugt werden. Bürgermeister Lothar Müller dazu: "Wir müssen ethische und moralische Grundlagen festigen."

"Ich habe für euch ganz bewusst andere Termine abgesagt", beginnt der Leiter der KZ Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit seine Grußworte. Den ehemaligen Bayern-Fan hatte Ende der 1980er Jahre das negative Verhalten einiger Fangruppierungen, aus der Südkurve weggetrieben. Über Umwege landete der Vohenstraußer dann beim FC St. Pauli. Dort erkannte er schon früh positive Tendenzen für Toleranz und Akzeptanz. Die Entwicklungen setzten sich heute bei vielen anderen Clubs fort. "Der Verein hat jetzt zum Glück gehandelt", freute sich Skriebeleit über die Ausstellung des FC Bayern. Er ließ allerdings nicht unerwähnt, dass es erst Druck von außen, von Fans und Journalisten gebraucht habe, um an diesen Punkt zu gelangen.

Auch Chronik zu bewundernBis Sonntag stehen die Schautafeln jetzt im Saal der Gaststätte "Zur Sonne" in Schönkirch. Auch die imposante Chronik des Vereins, die insgesamt nur 111 Mal hergestellt wurde, ist dort zu bewundern. Das monumentale Dokument stammt aus dem Privatbesitz von Marcus Fritsch, dem Vorsitzenden des befreundeten Fanclubs aus Wildenau. "Das Buch wurde mir von Christian Nerlinger geschenkt", erklärte Fritsch stolz. Außerdem wird täglich ein Film über Kurt Landauer gezeigt. Eingeladen sind alle Interessierten, die Schautafeln sind bis zum 5. Juni täglich von 17 bis 21 Uhr zu sehen. (axs)


Der Verein hat jetzt zum Glück gehandelt.Jörg Skriebeleit
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