Warum man Karpfen nicht barfuß essen kann
Der Brotfisch der Oberpfalz ist in der Sommerpause

Der Karpfen ist ein wahrer Sonnenanbeter. Ihm schmeckt's nur, wenn es warm ist. Bild: Michel Roggo
Vermischtes
Kreis Tirschenreuth
08.06.2016
136
0

Tirschenreuth. Viele werden diese Regel aus Kindertagen kennen: Barfuß laufen oder sich im Freien auf den Boden setzen sollte man nur in den Monaten ohne "r". Karpfen essen, so der Merkspruch, kann man dagegen ausschließlich in den Monaten mit "r". Bei regelkonformem Verhalten werden wir daher nie in den Genuss kommen, Karpfen barfuß zu essen. Doch warum eigentlich? Stephanie Wenisch, Projektkoordinatorin Fischwirtschaftsgebiet Tirschenreuth, weiß die Antwort.

Der Monat macht's


"Letztlich hängen beide Leitsätze mit der Außentemperatur zusammen. Barfuß laufen erlauben besorgte (Groß-)Eltern ihrem Nachwuchs erst bei entsprechend milder Witterung, wie sie im Idealfall von Mai bis August (also in Monaten ohne "r") herrscht. In den warmen Monaten fühlt sich auch der Karpfen pudelwohl, denn das ist für ihn die Zeit, um sich richtig satt zu fressen." Bei all der Schlemmerei leide die Fleischqualität vorübergehend. Der Organismus des Karpfens laufe auf Hochtouren, angeregt durch die warmen Wassertemperaturen sei er ständig auf Nahrungssuche und setze die aufgenommene Energie dann direkt in Wachstum um. "So verdreifacht er beispielsweise allein im dritten Sommer sein Körpergewicht und erreicht damit die übliche Speisegröße von 1,3 bis 1,5 Kilogramm."

Durch diese "Höchstleistung" sei das Fleisch zwischenzeitlich etwas weicher und von schlechterer Qualität als im Herbst oder Winter. "Deswegen ist Karpfen seit jeher ein Saisonprodukt - guter Geschmack hat eben Tradition." Natürlich könnte man den Karpfen laut Wenisch rein theoretisch auch im Hochsommer in "Winterlaune" versetzen, indem man ihn in kühles Wasser umsetzt.

"Dort steht wenig bis keine Naturnahrung zur Verfügung. Und bei diesen Temperaturen vergeht dem Karpfen sowieso der Appetit." Dagegen sprächen jedoch zwei gewichtige Gründe. Zum einen sei es wenig nachhaltig, im Sommer - wenn tendenziell weniger und wärmeres Wasser zur Verfügung steht - künstlich für entsprechende Bedingungen zu sorgen. Zum anderen wäre das nicht im Sinne des Tierwohls. "So einen sommerlichen Kälteschock steckt der Karpfen ganz schlecht weg." Im Herbst, wenn die Wassertemperaturen sowieso langsam sinken, komme er sehr gut mit dem Umsetzen in die kühleren Hälterungsgewässer zurecht. "Direkt aus der hochsommerlichen Fresslaune heraus ist solch ein Umzug eine große Belastung für den Karpfen-Organismus. Karpfen im Sommer - das passt also einfach nicht." Weder zur Tradition noch zu modernen Aspekten wie nachhaltige Erzeugung und Tierwohl.

Schuhe anziehen


Daher endet mit dem April die Karpfensaison - für die Sommermonate muss der regionale Fischliebhaber auf Forelle, Saibling und Co. umsteigen. "Wenn man dann nach der vorübergehenden Abstinenz im September endlich wieder frischen Karpfen auf den Teller bekommt, zieht man dafür doch gerne die Schuhe an."

Karpfen im Sommer - das passt einfach nicht.Stephanie Wenisch
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.