Zwischen Kapriolen und Klimawandel
Das Wetter nehmen wie es ist

Amtsleiter Wolfgang Wenisch sieht dem Klimawandel noch einigermaßen entspannt entgegen: "Wir können darauf reagieren, anders als die Forstbetriebe." Bild: wro
 
Revierförster Eckhard Deutschländer liebt alles, was mit Holz zu tun hat. Gerne arbeitet der Waidmann auch in seiner Schreinerwerkstatt und genießt den Duft der Hölzer. Bild: wro

Eher vorsichtig werden Phänomene wie Starkregen, trockene Sommer oder ausbleibender Schnee in den Wintermonaten umschrieben. Wetterkapriolen nennen es die einen, Klimawandel die anderen.

Tirschenreuth. "Extreme gab es schon immer", weiß Wolfgang Wenisch. Trotzdem sieht der Leitende Landwirtschaftsdirektor der Entwicklung mit etwas Stirnrunzeln entgegen. "Noch können die Landwirte gezielt darauf reagieren, aber verharmlosen dürfen wir das alles nicht."

Der Landkreis Tirschenreuth gehört - statistisch gesehen - nicht zu den repräsentativen Regionen. "Mit dem Klimawandel kommen wir in unseren gemäßigten Breiten noch relativ gut zurecht." Wenisch sieht die Veränderung aber auch als Chance. "Die Vegetationsperioden haben sich verlängert", betont er und macht keinen Hehl daraus, dass dies auch mit gewissen Risiken verbunden sei. Beispiel Spätfrost.

Auch wegen neuer, bei uns bisher weniger bekannten Schädlingen wie etwa den Maiszünsler, werde man immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert. Mit kritischen Augen betrachtet der Amtsleiter auch "seine" Grünflächen. Gras brauche regelmäßige Feuchtigkeit. "Zum Glück hatten wir mit schöner Regelmäßigkeit einige Gewitter."

Wenisch sieht im Bemühen, die Niederschläge auf den Flächen zu binden eine der besonderen Aufgaben. "Mit pflanzenbaulichen Maßnahmen kann man dieses Problem in Griff bekommen." Mehr denn je sei der Landwirt gefordert. Das Säen werde zur Zentimeterarbeit. "Ohne die GPS-Technik kommt auch der Bauer auf dem Feld nicht mehr aus." Der Landwirt müsse sich breiter aufstellen, ergänzt Wenisch. Trotz der massiven Veränderung aber bleibe der Beruf Landwirt der schönste und interessanteste der Welt.

Belächeln dürfe man die Sorgen nicht. "Der Bauer wird nachsteuern müssen, tut das auch schon und setzt auf Risikopuffer und trockenheitsresistentere Pflanzen. Auch mit unangenehmen Nebenerscheinungen sei zu kämpfen. In den letzten Jahren wurde eine verstärkte Mäuseplage festgestellt. Kalkulieren könne man das Wetter nicht: "Aber wir müssen darauf reagieren."

Weniger entspannt betrachtet Gerhard Schneider von den Bayerischen Staatsforsten die veränderte Klimalage: "Wir müssen das Wetter so nehmen, wie wir es kriegen", kommentiert der Waldsassener Forstbetriebsleiter die aktuelle Situation. 23 000 Hektar Staatswald gehören zu Schneiders Aufgabengebiet. "Die Holzernte erledigen wir mit Spezialmaschinen." Geerntet werde aber nicht willkürlich. "Wir haben einen festen Produktions- und Lieferplan. Kein Stamm wird auf Vorrat oder gar willkürlich abgeschnitten."

Das trockene Frühjahr und auch der heiße Sommer haben im Wald Spuren hinterlassen. "Bereits im vergangenen August war ein erheblicher, fast totaler Blattverlust bei den Laubbäumen festzustellen, das war viel zu früh", bedauert Schneider. Seine Sorge aber dreht sich um ein ganz anderes Problem: Der Borkenkäfer findet ideale Lebensbedingungen. "Wenn die Fichte im Wasserstress ist, hat er leichtes Spiel."

Eckhard Deutschländer, seit 16 Jahren Revierleiter des Fuchsmühler Waldes, der dem Augsburger Forst gehört, kennt noch ein weiteres Problem: Pilzbefall. Wie sein Waldsassener Kollege kennt auch der Fuchsmühler "seine" neuralgischen Stellen, geht diese mit seinem Personal konsequent ab und nimmt befallene Bäume unverzüglich aus dem Wald heraus. Trotzdem laufe man den Problemen eigentlich immer hinterher. "Wenn ein gewisses Maß überschritten ist, wirst du vom Käfer gesteuert." Eckhard Deutschländer setzt neben der Vorbeugung auf die Vielfalt in seinem "herausragend schönen Wald", wie er sein Revier liebevoll nennt. Vor wenigen Jahren hat er verschiedene Versuchsreihen ausgepflanzt. Auch probiert er bekannte Sorten, wie zum Beispiel Kirsche oder Spitzahorn aus. Daneben findet man in seinem Wald eher ungewöhnliche Setzlinge anderer Obsthölzer oder Exoten wie Edelkastanien oder Platanen. Deutschländers Philosophie ist das Abschiednehmen vom Ideal "Naturwald".

"Wir müssen höherwertigere Wälder schaffen, als sie die Natur bietet." Langfristig auf den Pool einheimischer Baumarten zu setzen, hält der Fuchsmühler für eine Einbahnstraße. "Die Bayerischen Staatsforsten, auch wir, die Stadt Augsburg, machen eine gigantische Arbeit, nehmen viel Geld in die Hand, um die Vielfältigkeit der Wälder zu erhöhen. Ein Allheilmittel, vor allem gegen den Klimawandel haben auch wir nicht."

Wir müssen höherwertigere Wälder schaffen, als sie die Natur bietet.Eckhard Deutschländer
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