Der bayerische Gründergeist löst sich langsam in Luft auf
Potenzial hat eine Zahl

Der bayerische Gründergeist löst sich langsam in Luft auf. Die potenziellen Chefs von morgen bleiben lieber die Angestellten von heute. Sagt die Statistik. Wie schaut's im Landkreis aus?

Tirschenreuth. Nach dem ersten Quartal des Jahres liegt die Zahl der Gewerbeanmeldungen bei 34 196 und damit 1753 unter der von 2015. Im Landkreis Tirschenreuth sind aktuell 134 Anmeldungen registriert, nur eine wenige als im Vergleichszeitraum. Auf der anderen Seite sind bislang 95 Gewerbeabmeldungen aktenkundig. Im Vorjahr waren es noch 121 Auf- oder Übergaben.

"Die Zahl der Solo-Selbständigen sinkt. Insbesondere jüngere Erwerbstätige nehmen lieber eine abhängige Beschäftigung auf." So fasst das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin zusammen, was seit 2012 den abnehmenden Trend zur Selbständigkeit bundesweit kennzeichnet. Die sichere Festanstellung wollen immer weniger gegen eine risikoreiche Betriebsgründung eintauschen. Etliche lassen es langsamer angehen und übernehmen ein bestehendes Gewerbe oder gründen im Nebenerwerb.

Die Gewerbeanzeigen-Statistik des Landesamtes gibt Aufschluss. So stecken in den 134 insgesamt 119 Neuerrichtungen, sprich: Firmen, die es vorher noch nicht gab. Und in denen wiederum sind 30 sogenannte Betriebsgründungen enthalten, denen die Experten eine größere wirtschaftliche Bedeutung beimessen, weil sie Potenzial für mehr Arbeitsplätze haben. Im Vorjahr hatte die Zahl dieser Betriebsgründungen im gleichen Zeitraum bei 36 gelegen. Im direkten Vergleich zeigt sich, dass diese besonders wichtigen Gründungen im Kreis Tirschenreuth bisher also um 6 unter denen des Vorjahrs liegen.

Existenzgründungen gelten als Frischzellenkur für Wirtschaft und Wettbewerb. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner will gerne alle selbstständigen Geister locken und setzt auf ein umfassendes Förderangebot. Für viele potenzielle Gründer ist es auch eine attraktive Option, zunächst im Nebenerwerb zu gründen, um erst einmal abzutasten, wie die Geschäftsidee bei den Kunden ankommt. Dieses unternehmerische Potenzial hat auch eine Zahl: Von den 134 Gewerbeanmeldungen im Landkreis sind es 89.

Die einen kommen neu auf den Markt, die anderen scheiden aus. Sei es aus wirtschaftlichen Gründen, altersbedingt oder aus anderen Beweggründen. Fürs erste Quartal 2016 sind 95 Gewerbeabmeldungen amtlich. Davon gelten 85 als "echte Aufgaben", aber von diesen wiederum sind nur 21, bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist. Des Weiteren zählen zu den Abmeldungen noch sechs Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen in der Zahl der Übernahmen mit 7 größtenteils wieder auftauchen. Auch Betriebsverlagerungen haben Auswirkungen auf das Wirtschaftsgefüge. Dem Kreis Tirschenreuth den Rücken gekehrt haben im laufenden Jahr bis jetzt 4 Betriebe, was ebenfalls als Abmeldung gewertet wird. Zugezogen sind demgegenüber 8. Macht bis dato ein Plus von 4 Gewerbebetrieben.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gründer (5)Gewerbeanmeldungen (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.