Oberpfälzer Karriere in Japan
Von Krummennaab nach Tokio

Sabrina Schultes alias Himezawa: Die Aufnahme stammt von einem Videodreh.
Kultur
Krummennaab
23.12.2015
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Beim Videodreh zu Wagamama Love in typischer Cosplay-Kleidung. Bilder: Roth (5)

Krummenaab, Leipzig, London, Tokio: Sabrina Schultes ist 21, hat aber einen langen Weg hinter sich. Der war nicht immer leicht, hat sich für die junge Frau aber gelohnt.

Von Denise Roth und Wolfgang Würth

Ständig wird Sabrina Schultes angesprochen. Allerdings kennen die Menschen in Tokio die Krummennaaberin unter einem anderen Namen. Als Himezawa lebt die 21-Jährige in Japan ihren Traum als Star der Cosplay-Szene, die in Japan riesig ist und im Rest der Welt wächst. Cosplay ist Teil der japanischen Manga-Kultur. Die Anhänger verkleiden sich wie die Protagonisten dieser japanischen Comics. Es gibt Wettbewerbe, in denen es darum geht, den gezeichneten oder animierten Vorbildern nahe zu kommen. Die Cosplay-Szene ist eine Welt für sich. Einer ihrer Protagonisten ist Sabrina Himezawa Schultes.

Schon bevor Sabrina vor eineinhalb Jahren nach Japan ging, führte sie ein ungewöhnliches Leben: Von Krummennaab zog sie nach dem Realschulabschluss über Leipzig nach London. Am Royal Opera House schloss sie eine Schauspielschule ab. Nebenbei arbeitete sie als Modell. Bei einer Fashion-Show für eine japanische Marke entdeckte sie eine Agentur. Als Himezawa lebt sie seither in Tokio "Mein richtiger Name war den Japanern nicht zumutbar", schmunzelt sie. Inzwischen ist Himezawa auch im Reisepass eingetragen.

Autor, Model, Schauspieler


Regelmäßig tritt sie im Fernsehen oder im Internet auf. Sie arbeitet als Model auf dem Laufsteg und macht Fotoaufnahmen. Inzwischen hat sie mit "Staubmädchen" ihren ersten Roman veröffentlicht. Ende Oktober kam die Debütsingle "Wagamama Love" dazu. Autorin, Model, Schauspielerin und Sängerin: In der Unterhaltungsindustrie in Japan ist das nicht ungewöhnlich: Sänger werden Schauspieler, Models werden Moderatoren und Autoren werden Sänger. Sabrina erhoffte sich anfangs nicht viel von ihrer Gesangskarriere: "Während des Vorsingens wurde ich sofort unterbrochen. Ein schlechtes Zeichen, dachte ich." Ein paar Minuten später kam der Produzent schon mit dem Team der Plattenfirma. "Geschafft, beim ersten Versuch."

Den Text zur Single hat sie größtenteils selbst geschrieben, inzwischen hat die Oberpfälzerin auch die japanische Sprache halbwegs im Griff: "Anfangs tat ich mich schwer." Zum Glück hatte sie Freunde in Japan, die ihr halfen. Im Japanischen gibt es ungefähr 240 Zeichen als Grundlage. Dazu kommen altjapanische Zeichen, mit verschiedener Sprechweise und Bedeutung. Dazu kommt, dass die Japaner nicht viel von Fremdsprachen halten: "Die meisten sprechen kaum Englisch."

Was sich wie eine Traumkarriere liest, war nicht immer traumhaft. "In der Schulzeit war es schwer für mich", gibt Sabrina zu . "Wenn man sich als Schüler für etwas begeistert, das die Klassenkameraden nicht verstehen, kommt es zu Hänseleien, Mobbing und Streit." Sie habe sich schon sehr früh für japanische Popkultur interessiert, "das fanden viele komisch". Während meiner Schulzeit habe ich mich oft als Außenseiterin gesehen, rückblickend finde ich, dass jeder für sich oder in seiner kleinen Gruppe war. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl wie in japanischen Schulen habe ich vorher nicht erlebt."

Klein, aber fest


Das bedeute aber nicht, dass sie ohne Freunde aufwuchs: "Ich hatte einen kleinen, aber festen Freundeskreis." Später zog sie nach Leipzig und dann nach London, wo es leichter war. Trotzdem bereut sie diese Zeit nicht: "Hätte ich mich verstellt, um zu den größeren Gruppen Anschluss zu finden, hätte ich nie herausgefunden, wer ich bin und wozu ich in der Lage bin. Wie alle anderen zu sein, ist sowieso langweilig!"

An die alte Heimat denkt sie gerne, einiges vermisse sie sogar: "Brezen und Fahrradfahren auf der rechten Straßenseite." Manchmal vermisse sie auch die Ruhe im hektischen Tokio. "Ich habe viele schöne Erinnerungen und auch einige Fotos, die ich gerne herumzeige. Die Meisten können nicht glauben, wie groß die Gärten sind. Selbst in den ländlichen Teilen Japans hat kaum jemand einen Garten." Keine rechte Beziehung haben die Japaner zum Weihnachtsfest, obwohl es immer populärer wird, wenn auch nicht als religiöses Fest. Deshalb wird an den Feiertagen ganz normal gearbeitet. "Ich verbringe Weihnachten mit Freunden, wir dekorieren am 24. meine Wohnung und tauschen kleine Geschenke aus."

Mehr zu "Himezawa""Staubmädchen" von Sabrina Schultes, erschienen im Best-off Verlag, ISBN 978-3-942427-82-1, Preis: 13,90 Euro

Debütsingle "Wagamama Love"

Der Autorin kann man folgen unter Twitter (@himezawa) Instagram (himezawa) YouTube (Himezawa, More Himezawa) Facebook.com/himezawa und himezawa.co.uk

Infos gibt es auf der Website: himezawa.co.uk/events
Mein richtiger Name war den Japanern nicht zumutbar.Sabrina Schultes über ihren japanischen Künstlernamen Himezawa


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