Braune Flecken entfernen

Sie engagieren sich mit Worten und Bildern gegen den braunen Sumpf: (von links nach rechts) Thomas Döhler, Mitglied im Sprecherrat des Netzwerks "Aktiv gegen Rechts" im Landkreis Tirschenreuth, Regisseur Peter Ohlendorf, Arno Speiser, Jugendbeauftragter Andreas Heinz und Bürgermeister Uli Roth. Bild: den
Lokales
Krummennaab
08.12.2015
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Als einst die meisten Deutschen den Nazis hinterherliefen oder ihre Umtriebe zumindest stillschweigend duldeten, wurde eines der dunkelsten Kapitel der Weltgeschichte aufgeschlagen. Viele Menschen haben daraus nichts gelernt. Engagierte Zeitgenossen geben Nachhilfe.

Leider waren nur wenige Menschen der Einladung der Gemeinde gefolgt zur Vorführung des Dokumentarfils "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" im Musikzimmer der Grundschule. Ein schwieriges Thema stand im Fokus: ein gut recherchierter Blick in die Szene rechtsradikaler Rockkonzerte und deren Netzwerke, die auch in Nachbarstaaten ihr Unwesen treiben.

Bürgermeister Uli Roth begrüßte unter den Teilnehmern die SPD-Kreisräte Brigitte Scharf und Alfred Schuster. Auch die Bezirksvorsitzende der AsF-Frauen, Christine Trenner, zeigte sich solidarisch. Schon während des Films hörte man Unmutsäußerungen über die unglaublichen Textpassagen, die hier zu hören waren. Kopfschütteln löste manches Politiker-Statement bei Interviews und die Untätigkeit der Polizei aus, die solche Konzerte oft weitgehend gewähren lässt.

Als Positivbeispiel war der Ort Kirtorf in Hessen dargestellt, der lange Jahre als Treffpunkt der Rechtsrock-Szene herhalten musste. Erst durch die Undercover-Recherchen von Thomas Kuban (ein Pseudonym des im Verborgenen arbeitenden Journalisten) konnte der Ort dieses Problem beheben. Es gründete sich eine bis heute aktive Demokratie-Bewegung, die deutlich Zeichen gegen jede Form von Extremismus und Fremdenfeindlichkeit setzt.

Nachdem Regisseur Peter Ohlendorf und Arno Speiser, Mitarbeiter der regionalen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus, nach einer kurzen Begrüßung und Einführung den Vorführsaal verlassen hatten, standen sie nach Ende des Films für weitere Erläuterungen zur Verfügung. Ohlendorf schlüpfte ins gelbe Sakko, das zum Markenzeichen des Undercover-Journalisten wurde und skizzierte den Weg der Filmproduktion.

Es sei nicht so einfach gewesen, die rund 200 000 Euro Produktionskosten über mehrere Jahre aufzutreiben. Der Undercover-Journalist habe unter Lebensgefahr die Aufnahmen mit einer Knopflochkamera gemacht. Ohlendorf erzählte von den Schwierigkeiten, den Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu platzieren. Arno Speiser zeigt auf, dass auch der Landkreis Tirschenreuth keine Insel der Glückseligen sei und gab einige Hinweise auf regionale Akteure und deren Machenschaften.

Beide beschworen die Besucher, sehr aufmerksam und wehrhaft gegenüber jeder Verbreitung rechten Gedankenguts zu sein. Regisseur Ohlendorf stellte dann noch kurz seine nächsten Film-Projekte vor: Dokumentationen über Ermittlungspannen im Zusammenhang mit dem Oktoberfest-Attentat und der Ermordung der Polizistin Michelle Kiesewetter durch die NSU.

Am Ende der gut und hintergründig geführten Diskussion dankte Bürgermeister Roth den Filmemachern und Jugendbeauftragtem Andreas Heinz mit einem Glühweinpräsent und lobte die Koordinierungsstelle des Projekts "Demokratie leben".
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