Neues Programm "Singhaftiert" von SingOut fasziniert 600 Zuhörer - Premierenkonzerte ausverkauft
Gelungene Flucht auf der Tonleiter

Krummennaab
11.10.2006
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In der dunklen Halle bricht sich ein Lichtkegel. Passend zur James-Bond-Melodie erscheint 007 persönlich - mit einer Banane als Waffenersatz. Musikalisch eröffnete die bekannte Twentieth-Century-Fox-Melodie die beiden ausverkauften Abende. Mehr als 600 Zuhörer verfolgten begeistert die Ausbruchsversuche der von (B)Ulli Roth singhaftierten Sträflinge.

Ein Banküberfall, hervorragend von Markus Schuller vorgesungen, brachte die Sänger auf dem Polizei-Bobbycar und Blaulicht auf dem Kopf in den Knast. Und schon wurden die ersten Ausbruchspläne geschmiedet. "5vor12", auch bekannt als Gregor Schraml, musste für Johnny Armin Steinhauser "Leine ziehen" - tat's und das Publikum quittierte das Toilettenrauschen mit Gelächter und Klatschen.

Herbert Grönemeyers Hit "Männer" schrieb SingOut auf "Frauen" um. Frauen nehmen den Arm, kleinen Finger, ganze Hand -, so legten die Sänger los und rissen das Publikum gleich mit. Beim Verhör warf Bulli von Tölz den Inhaftierten allerlei Vergehen vor: Versingen, Notenfälschung, falsche Töne und sogar der Bürgermeister mache sich strafbar mit der Gründung eines Quintenzirkels. Auch die italienische Mafia war mit "Azzurro" und "Bossa Nova" im SingOut-Knast stimmkräftig vertreten.

Pause heißt Hofgang

Der musikalische Kopf der Bande, Rudi Kreuzer, zeigte seine Qualitäten als "Mama Lou", die Zuhörer rockten mit. Nach einer kurzen Ansage und Verweis auf das extra abgefüllte Knastwasser entließ SingOut seine Zuhörer in einen 20-minütigen Hofgang, sprich Pause. Nicht allerdings, ohne noch einmal zu beweisen, dass sie die "beste A-cappella-Gruppe der Nordoberpfalz" sind. Dies gelang mit dem Riesenhit "Angels" von Robbie Williams. Nicht nur musikalisch, auch optisch mit Seifenblasen und Nebelmaschine, unterstrichen die Sänger ihr Können.

"Mit der Gesamtsituation unzufrieden" stimmten die Herren bei ihrem Knasthofgang auf der Bühne den "River of Dreams" an. Noch mehr Hits neueren und älteren Datums folgten: "When september ends", gefolgt vom Klassiker "Kein Schwein ruft mich an". Und dann klingelte es doch, das Telefon. Aber nur um mitzuteilen, dass es beim nächsten Ton immer noch 15 Jahre Haft wären.

Die kriminelle Sangesenergie trat beim Kriminaltango sofort wieder zutage. Tango tanzten die Herren zwar nicht, aber richtige kleine Choreographien hatten sie sich für viele Songs ausgedacht. Beim Knastfasching dann reihten sie sich zu einer Polonäse und umrundeten ihren "Alten Häuptling" Josef Härtl. Der "Wein von Mykonos" lud zu Sirtaki ein, bei "Sag mir Quando" tauchte wieder die Frage nach dem Ausbruch auf. Der Wärter wurde gefesselt, konnte sich aber nach dem Publikumslied "Bodo mit dem Bagger" wieder befreien.

Und so wurden die Sträflinge wieder in ihre Zellen gebracht, Johannes Grünbauer als 007 knüpfte bei Faust an und bedauerte in seinem Monolog, dass jetzt alle Träume geplatzt wären. Die Freiheit wieder in weiter Ferne, sorgte SingOut mit "So lang man Träume noch leben kann" für Gänsehaut beim Publikum. Bei dem sie sich dann auch artig bedankten und Bugs Bunnys "Das Publikum war heute wieder wundervoll" zu Gehör brachten.

Häftlinge fordern Zugaben

Aber damit war noch lange nicht Schluss. Drei Zugaben forderten die Mithäftlinge noch, "Es ist Sommer" und "Heißer Sand" heizten dem mittlerweile stehenden Zuhörern nochmal kräftig ein. Mit "Bridge over troubled water" verabschiedete sich SingOut bis zur nächsten Flucht auf der Tonleiter.
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