Bürgerpark auf dem ehemaligen Seltmann-Areals in Krummennaab
Dorf erfindet sich neu

Seit 1939 gehörte das circa drei Hektar große Areal der Porzellanfabrik Seltmann. Von der ist seit 2014 allerdings nichts mehr übrig. Nur die Lagerhalle (links unterhalb der Fabrik) steht noch. Bilder: Archivbild Ascherl/Andreas Heinz
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Krummennaab
08.04.2016
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Naherholung für Jung und Alt bietet der Bürgerpark in Zukunft den Krummennaabern. Für Kinder und Jugendliche sorgen eine Drehwippe, ein Wasserspiel sowie ein Platz zum Skaten und Inliner-Fahren für Abwechslung. Ausreichend Sitzmöglichkeiten und Entspannung bieten moderne Kunststoffliegen, Bänke und ein Grillplatz. Über einen asphaltierten Weg durch den Bürgerpark wird der Steinwaldradweg, der direkt am Areal vorbeiführt, an die Dorfmitte angebunden. Bild: SHL Architekten
 
Seit zwei Jahren planen Dr. Emil Lehner (von rechts) und Christina Lehner mit Bürgermeister Uli Roth und zweitem Bürgermeister Reinhard Naber die Umsetzung des Bürgerparks und der Strukturbegrünung der restlichen Fläche des Seltmann-Areals. Bild: pzaf

Festplatz, Solarblumen, Wasserspiel, Aussichtskanzel, Grillplatz und neue Bauflächen: Das alles bekommt die Gemeinde Krummennaab auf circa drei Hektar Fläche. Nach dem Abriss der Porzellanfabrik Seltmann ist das Areal nicht mehr lange leer.

Der Bürgerpark ist beschlossene Sache. Nächste Woche geht es offiziell los, wenn die Gärtnerei Punzmann die Bäume pflanzt, im September soll alles fertig sein. In der jüngsten Gemeinderatssitzung diskutierten die Räte und Bürgermeister Uli Roth über Pläne und Umsetzung des Parks, der südlich der evangelischen Kirche auf circa 8800 Quadratmetern entstehen wird.

Modern, aber heimatbezogen soll der Bürgerpark werden. Unter anderem wird der Steinwaldradweg, der südlich am ehemaligen Seltmann-Areal vorbeiführt, mit einer asphaltierten Straße durch den Park an die Ortsmitte angebunden. Das Zentrum bildet eine Fläche für ein Festzelt, in dem bis zu 1500 Leute Platz haben.

Neuer Ort für den Maibaum


Auch das Johannisfeuer soll künftig im Park brennen. "Vom Dorfplatz aus gut zu sehen wollen wir auch den Maibaum im Bürgerpark aufstellen", erzählt Roth. Zu Weihnachten steht an dieser Stelle ein Christbaum. Ursprünglich war auch ein kleiner Bachlauf geplant. "Wir haben gedacht, dass das ehemalige Seltmann Grundstück sehr nass ist, dann aber doch kein Wasser gefunden."

Trotzdem wird im Park Wasser plätschern. Für Kinder und Jugendliche sind ein Wasserlauf mit Pumpe und eine große Drehwippe geplant. Ebenso wird ein kleines Stück asphaltiert, auf dem die jungen Leute mit dem Skateboard oder den Inlinern fahren können. Für einen ruhigen Tagesausklang sorgt ein öffentlicher Grillplatz mit stufenartig aufgebauten Sitzgelegenheiten. Interessierte können sich dann einen Grill von der Gemeinde ausleihen. Um den Park vor allem für Jüngere attraktiver zu machen, überlegt die Gemeinde, kostenloses Wlan anzubieten.

Den Blick über die Landschaft und auch den Park können die Leute zukünftig von einer Aussichtsplattform am südlichen Ende schweifen lassen. Um den Stamm eines großen Baumes wird zunächst eine Bank gebaut und etwas erhöht eine Plattform.

Die Stromversorgung für den gesamten Park und die Beleuchtung der evangelischen Kirche erfolgt durch zwei Blumen, genauer gesagt Solarblumen. Die entfalten sich am Morgen und nehmen die Energie der Sonne auf. "Um diese Blumen herum werden echte gepflanzt, die am besten mit dem Thema Sonne zu tun haben, beispielsweise Sonnenblumen oder Sonnenhut", sagt der Bürgermeister. Ebenso wird es ein Versorgungshaus für die Technik und die Sanitäranlagen geben. Neben zahlreichen Bänken und zwei modernen, bunten Kunststoffliegen gibt es auch Sitzmöglichkeiten aus Granit. "Dadurch wird der Bezug zur Region Oberpfalz hergestellt." Mit LED-Technik bekommt der Park eine moderne Beleuchtung. Wie die Lampen genau aussehen, ist noch offen.

Auf den restlichen 21 200 Quadratmetern wird es eine sogenannte Strukturbegrünung geben. "Es werden heimische Bäume zum Beispiel Linden und Ahorn gepflanzt, zwei Flächen mit Obstbäumen und einer Feldblumenwiese werden angelegt", erklärt Roth. Ebenso werden Flächen für Kleingewerbe und Wohnhäuser geschaffen.

Fast eine Million Euro


Seit zwei Jahren arbeitet die Gemeinde Krummennaab mit "SHL Architekten und Stadtplaner" aus Weiden die Pläne für den Bürgerpark und die Strukturbegrünung der restlichen Fläche des ehemaligen Seltmann-Areals aus. Die Umsetzung erfolgt durch regionale Firmen, unter anderem Peter Meier Garten- und Landschaftsbau in Neustadt/WN und Elektro Höllerer in Floß.

Das Projekt kostet die Gemeinde 900 000 Euro, wobei sie mit 80 Prozent Förderung vom Bayerischen Staat unterstützt wird. Dieselbe Förderung erfuhr die Gemeinde schon beim Abriss der Porzellanfabrik, der circa 1,3 Millionen Euro gekostet hat. Dabei ist der Abbruch des Brunnens noch nicht mit eingerechnet. Ursprünglich war der Gemeinderat von 1,7 Millionen Euro Abrisskosten ausgegangen.

Alleinstellungsmerkmal KrummennaabMit Kreativität punkteten die Stadtplaner des Büros "SHL Architekten" aus Weiden beim Krummennaaber Gemeinderat. Derzeit befinden sich die Architekten noch in der Planungsphase, nächste Woche ist offizieller Baubeginn.

Bei Krummennaab sei die Geschichte wichtig. Der Ort befand sich in einem Umstrukturierungsprozess, nachdem die Arbeitsplätze bei der Firma Seltmann weggefallen waren. "In diesem Prozess ist das Dorf immer noch", sagt Dr. Emil Lehner. Es sei gelungen, dass Krummennaab - auch mit etwas Glück - in ein Sonderprogramm des Bayerischen Staates kam. Das Projekt "Abbruch der Porzellanbrache in Krummennaab" gilt beim Bayerischen Landesamt für Umwelt als Positivbeispiel. "Das Seltmanngelände war kontaminiert. Jetzt gibt es aber keine Altlasten mehr."

Der Bürgerpark sei ein Impulsprojekt, der für verschiedene Aktionen dient. Wichtig sei der Bezug zu regionalen Firmen, so ist unter anderem Garten Punzmann aus Windischeschenbach für die Pflanzung der Bäume zuständig.

Für die Architekten von SHL ist die Umgestaltung des Areals ein außergewöhnlicher Auftrag. Hauptsächlich ist das Büro für Stadtuntersuchungen, Entwicklungskonzepte und die Gestaltung von öffentlichen Plätzen zuständig. Aktiv sind die Architekten und Stadtplaner deutschlandweit. Für diesen Auftrag hatten sie sich bei der Gemeinde beworben. "Derartige Brachen sind in großen Städten eher kleine Briefmarken. Hier jedoch erfindet sich ein Ort neu", meint Christina Lehner. Wie sich Krummennaab dann weiter entwickelt, sei noch offen, aber der Ort soll durch die Umgestaltung nach vorne gebracht werden.

Mit drei Hektar entspricht das ehemalige Seltmann-Gebiet etwa einem Fünftel der Fläche des Ortskerns von Krummennaab. Hätte Weiden einen Park in dieser Größe, wären das 600 Hektar Fläche. (pzaf)


GeschichteWie kommt ein Unternehmen wie die Porzellanfabrik Seltmann nach Krummennaab? Attraktiv war die Bahnanbindung - der jetzige Steinwaldradweg -, über die Material und Arbeiter in die Fabrik kamen.

Noch in den 1880er und 1890er Jahren standen ein Schloss, eine Schule, Wohnhäuser, ein Sägewerk, ein Bauernhof und eine Spiegelfabrik auf dem Gelände. 1939 erwarb Wilhelm Seltmann das Schlossareal und erweiterte die Fabrik im Laufe der Jahre . Die Fabrik bot in Hoch-Zeiten 600 bis 700 Menschen Arbeit. Im Ort entstanden drei Wohngebäude für die Gastarbeiter. "Teilweise brachten neun Busse die Arbeiter", erzählt Wilhelm Lehner, der neben dem Grundstück wohnt und einen Edeka-Laden betreibt. Gestört hat ihn die Fabrik nicht. "Da war wenigstens noch was los." 2002 verließen die letzten Arbeiter die Fabrik.

2012 kaufte die Gemeinde Grund und Gebäude für einen symbolischen Euro. Bis 2013 nutzte sie die Firma Retsch als Lagerraum. 2012 wurde über den Abbruch der Fabrik verhandelt, 2013 setzte die Gemeinde diese Pläne um. Davon gibt es bei der Gemeinde eine DVD mit Zeitrafferfilm und Bildern für 10 Euro zu kaufen. Auch auf der Homepage sind Filmsequenzen zu sehen. "Seit die Fabrik weg ist, ist es ziemlich windig, aber dafür haben wir eine schöne Aussicht", sagt Lehner. (pzaf)

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Weitere Informationen:

www.krummennaab.de/mediathek
1 Kommentar
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Hans - Peter Kastner aus Brand | 09.04.2016 | 13:02  
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