Auch Köfering hat jetzt sein Hirschwald-Kunstwerk
Genau hinschauen lohnt sich

Wacholder-Kubus, Sitzspirale und Info-Stele sind inzwischen in Köfering aufgestellt. Offiziell eingeweiht werden sie im Zuge des Köferinger Jubiläumsprogramms am Freitag. "Die Station ist sehr schön geworden", urteilt Hanna Regina Uber, nachdem der vorletzte Beitrag zum Kunstwanderweg Hirschwald nun komplett fertig ist. "Sehr einladend, modern, aber nicht kalt-modern, attraktiv, aber gemütlich", so beschreibt sie die neue Attraktion auf dem Dorfplatz. Bilder: hfz (2)
Kultur
Kümmersbruck
31.05.2016
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Ein Blick auf den "Ein-Blick": Hunderte von einzeln angefertigten Bronzeguss-Nadeln und -Beeren formen den Köferinger Wacholder-Kubus.

Wenn es dunkel wird, lassen LED-Lämpchen den Wacholder-Kubus geheimnisvoll leuchten. Doch auch bei Tag hat der Köferinger Beitrag zum Kunstwanderweg des Naturparks Hirschwald seinen Reiz: Er fordert dazu auf, genau hinzuschauen.

Köfering. Wer das tut, sieht ein filigranes Kunstwerk: Über 300 Einzelteile haben seine Schöpfer, das Aschacher Künstler-Paar Hanna Regina Uber und Robert Diem, dafür zusammengefügt. Uber lacht. "Die erste Reaktion war oft schon: Mein Gott, wie viel Arbeit war das denn?"

Kunst aus über 300 Teilen


Tatsächlich hatten das zunächst sogar die beiden Künstler unterschätzt. Die ursprünglich gefertigte Zahl der feinen Wacholder-Nadeln hat nicht gereicht. "Wir haben dann nochmal 70 gegossen" - nur um sich nach deren Einbau erneut fragen zu müssen, "wo sind die geblieben?".

Also wurde noch einmal nachgelegt. Dazu muss man wissen, dass zunächst jedes Blättchen aus Wachs modelliert werden musste, als Modell für die Form, um daraus das endgültige Exemplar aus Bronze gießen zu können. Die so entstandenen Nadeln hat das Künstler-Paar dann einzeln zum Kubus zusammengeschweißt. Dazu kamen noch die Wacholderbeeren: Die kleinen Bronzekügelchen sind mit Platin überzogen und mit Ölfarbe lila bemalt. Der Wacholder selbst präsentiert sich blau-grünlich. Uber hat sich vorher umgesehen: "An den Hängen in Hohenburg stehen mehr grünliche, aber in den Vorgärten gibt es mehr bläuliche Exemplare." Die Farbe des Köferinger Kunstwerks sei dann nach ästhetischen Gesichtspunkten gewählt worden.

Der vorletzte Beitrag


Der "Ein-Blick", so heißt die Skulptur, ist das vorletzte von insgesamt acht Kunstwerken, die Uber-Diem für den Kunstwanderweg des Naturparks Hirschwald gestaltet haben.

Den Auftakt machte Mitte 2013 Kastl mit seinem Beitrag "Prinzessin Anna". Nach und nach dazugekommen sind Rieden (Pan), Ensdorf (Visionäre in alten Mauern), Hohenburg (Flüsternde Winde), Schmidmühlen (Alles im Fluß) und Ursensollen (Der Werde-Gang). Köferings Beitrag steht inzwischen auch schon, er wird offiziell am Freitag, 3. Juni, zur 650-Jahr-Feier eingeweiht. Amberg (Objektion) setzt dann Mitte Juli den Schlusspunkt.

Die Würfelform für den Köferinger Wacholder haben Uber-Diem gewählt, weil sie die äußere Form des Kunstwerks reduzieren wollten - auf das Einfachste. "Das war für uns ein Würfel", erläutert Uber. Der Kubus sei also ein Symbol für Reduktion: "Da hält man sich mit der Form nicht lange auf, sondern schaut nach den Nadeln und Beeren, nach dieser inneren Schönheit."

Wappen zum Jubiläum


Die 50 x 50 Zentimeter große Bronze-Skulptur haben Uber-Diem auf eine 1,10 Meter hohe Säule gesetzt, "damit man schön reinschauen kann": Genau dazu fordert dieses Kunstwerk schließlich auf. Es steht mitten in Köfering, auf dem Dorfplatz, gleich neben dem Bibelgarten.

Wie bei den anderen Kunstwanderstationen gesellen sich dazu eine Sitzspirale und eine Infostele, die das Projekt erläutert. Eine kleine Besonderheit gibt es in Köfering: Nur hier krönt das Gemeindewappen die Infostele - eine Dreingabe speziell zum Jubiläum.

Den Dingen auf den Grund gehen"Ein-Blick" nennen Hanna Regina Uber und Robert Diem ihren Köferinger Beitrag zum Kunstwanderweg Naturpark Hirschwald. Das Zypressengewächs Juniperus habe viele Namen, erklärt Uber: Wacholder, Machandel- oder Kranewittbaum, Reckholder, Weihrauch- oder Feuerbaum und auf Oberpfälzisch Krampertschtauern.

Im Vordergrund des Köferinger Wacholder-Kubus steht die Aufforderung, "genauer hinzuschauen - nicht nach der äußeren Form zu gehen, nicht an der Oberfläche stehenzubleiben, sondern tiefer zu blicken, den Dingen auf den Grund zu gehen", erläutert die Künstlerin den philosophischen Kontext. Das Kunstwerk soll zeigen, "dass die Schönheit oft im Detail steckt". Zu oft ordne man etwas, das man sieht, vorschnell ein - nach dem Motto: "Das kenn' ich schon." Dabei übersehe man viel, "wenn man in der Form steckenbleibt und das Wesen der Dinge nicht erkennt".

Jede Kunstwanderstation hat einen direkten Bezug zu ihrer Standort-Gemeinde. In Köfering lieferte den der benachbarte Bibelgarten, das herausragende kulturelle Projekt im Ort. Der Wacholder als Pflanze der Heiligen Schrift war aber nur ein Aspekt. Der andere ist laut Uber die Natur allgemein - schließlich spiele sie nicht nur im Namen Naturpark Hirschwald eine zentrale Rolle. Auch wenn man den Wacholder in erster Linie mit dem Lauterachtal verbinde, sei er doch auch im Naturpark anzutreffen.

Diese Pflanze finde sich zudem in vielen Mythologien und Sagen. "Das ist ein symbolschwerer Strauch", sagt Uber - und als immergrünes Gewächs stehe er in allen Kulturen für das Leben. Seine Wirkstoffe machten ihn wichtig in der Heilkunde, und in der Küche schätze man ihn ebenfalls. (eik)
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