Bitterbös gegen die Männer
Désirée Nick im Kulturschloss Theuern

Gnadenlos frech und umwerfend komisch seziert Désirée Nick in ihrem Buch "Säger und Rammler und andere Begegnungen mit der Männerwelt" den Hipster-Mann von heute. Vor allem beim weiblichen Publikum im Kulturschloss Theuern kam sie mit ihrer Lesung bestens an. Bild: prh
Kultur
Kümmersbruck
16.04.2016
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Für die Oberpfälzer hat sie sich extra ins Designer-Dirndl aus Regensburg geworfen. Nicht nur darin macht die Berliner Komödiantin, Schauspielerin, Kabarettistin, Entertainerin und Autorin Désirée Nick eine gute Figur.

Theuern. Die Lesung aus ihrem neuen Buch "Säger und Rammler und andere Begegnungen mit der Männerwelt" kommt im Kulturschloss Theuern bestens an. In der Frauenwelt zumindest. Den geschätzten zehn Prozent Männern im Publikum vergeht das Lachen schnell, wenn man den eigenen, fein-derben-Humor der Berlinerin, den sie natürlich auch in ihrem Buch zum Ausdruck bringt, nicht mag. Gnadenlos frech und umwerfend komisch zeichnet sie darin ein "Bild des modernen Hipster-Mannes, der im Laufe der Evolution vom Jäger und Sammler zum Säger und Rammler mutiert ist".

Was ist aus der bärenstarken, tonangebenden, federführenden Krone der Schöpfung bloß geworden? Was nach der Emanzipation bleibt, ist ein jämmerlicher Totentanz auf Testosteron. Das Alte versinkt in Lächerlichkeit, aus kernigen Kerlen wurden schwammige Luschen, aufgeweicht in einer Epoche der Metrosexualität. Dafür gibt es innerhalb seiner Spezies neue Zuordnungen: die des hyperaktiven Wracks oder des glatt rasierten Hantelheinis beispielsweise. Den Ton gibt mittlerweile längst die Frau an, die mittlerweile selbstständig Glühbirnen wechselt, den Rasen mäht und die unaufhaltsam auch die letzte Männerbastion, den Baumarkt, erobert.

Sesselfürze im Kollektiv


Da wo der Mann noch richtig Mann sein kann ist der Herrentag. In Brandenburg zum Beispiel. Das schildert die Autorin im ersten Kapitel ihres Buches das da lautet "Die Krone der Schöpfung - tiefergelegt". Bereits im Morgengrauen hebt er ein prähistorisches Gebrüll an, einhergehend mit archaischem Pöbeln. Da kann er im Grünen mal so richtig den Sack baumeln lassen, den er sonst so ungelenk durchs Leben schleift oder Sesselfürze im Kollektiv öffentlich ablassen. "Nachdem ich meinen ersten Herrentag in Brandenburg erlebt habe, halte ich es für einen Irrtum, dass der Neandertaler wirklich ausgestorben ist", verkündet Nick unter dem Beifall des weiblichen Publikums.

So könnte sie stundenlang weiterlesen und ihre weiblichen Fans stundenlang begeistern. Doch die "spitzeste Zunge Deutschlands" serviert nur ein Amuse-Gueule, einen Appetithappen aus ihrem neuesten Werk, der Lust auf mehr macht. Sie liest aus dem Kapitel "Eier aus Stahl" die zwölf Verhaltensregeln für den Mann beim Hausputz und überhaupt. Sie führt im Kapitel "Wie kriegt man Männer stubenrein?" den Mann als extrem hoch entwickelten Hund vor ("... schafft man sich einen an, muss man ihn pflegen und erziehen") und treibt ihre Abrechnung mit der Männerwelt damit auf die Spitze und ihren weiblichen Fans die Lachtränen in die Augen.

Große Oper


Nach gut einer Stunde folgt der zweite Akt ihrer großen komischen Oper, die Fragestunde aus dem Publikum. Die Fragen kommen nur spärlich, vor allem aber von Männern. Schlagfertig stellt sie dabei fest, dass die Eitelkeit des Mannes mittlerweile in der Gesellschaft angekommen ist, klärt über ihre zahlreichen Vornamen auf oder verwundert mit der Aussage, dass die gerne jodeln lernen und Nachfolgerin von Maria Helbig werden würde. Weiter wird sie leider nicht gefordert. Mit dem Signieren ihrer Bücher verabschiedet sich Désirée Nick. Sie hat einmal mehr polarisiert: Entweder man mag sie, oder nicht. Den Männern dürfte Ersteres schwer gefallen sein an diesem Abend.
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