Interview mit Desiree Nick
„Ich bin ein Mensch, der gerne allein ist“

Kultur
Kümmersbruck
08.04.2016
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Wo könnte man eine Lifestyle-Lady von Welt besser interviewen als unterwegs - am Mobiltelefon. Als Désirée Nick nach ein paar Mal klingeln rangeht, ist sie gerade in einem Kaufhaus. Immer unterwegs.

Theuern . Sie ist so vielseitig wie vielbeschäftigt: Theater, TV, und auch in der Bücherszene mischt La Nick kräftig mit. Aktuell mit "Säger und Rammler - und andere Begegnungen mit der Männerwelt". Am Donnerstag, 14. April (20 Uhr), ist die Nick im Kultur-Schloss Theuern (Kreis Amberg-Sulzbach). Im Vorfeld hat die Kulturredaktion mit der Komödiantin gesprochen und auch einige weniger bekannte Facetten kennengelernt.

Was unterscheidet den Säger vom Rammler?

Désirée Nick: Das interessiert mich eigentlich nicht. Denn der Titel bezieht sich darauf, dass man natürlich sagt, der Mann als solcher, der Mensch als solcher ist ein Jäger und Sammler, da sind sich ja alle einig. Aber die Gesellschaft hat sich dermaßen geändert, dass diese ganzen Titulierungen nicht mehr zutreffen. Heute gehen Frauen auf die Jagd, heute sind die Frauen die Sammlerinnen. Und deshalb benutze ich diese Alliteration. Was ein Rammler ist, wissen wir ja alle, und ein Säger kann der Schnarcher sein, aber auch der handwerklich geschulte Mann sein, der mit körperlicher Kraft seiner Bestimmung nachgeht.

Viel hat sich da ja dann nicht geändert. Ist der Mann in der Evolution stehengeblieben?

Wir haben so moderne Männerbilder. Die Metrosexualität ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Das heißt, wenn Sie hier schauen, wie heute der ganz normale heterosexuelle Mann aussieht. Er trägt Tunnelohrringe, er trägt blank rasierte Beine, Body-Art, Tattoos. Männer sind sehr eitel. Wahrscheinlich, weil die Frauen den Männern auf der Überholspur davongelaufen sind. Frauen werden heute Pilotinnen, Soldatinnen, es gibt eine Bundeskanzlerin. Die alten Rollen-Modelle passen einfach nicht mehr. Ich habe aber überhaupt kein Interesse, soziologische Bücher zu schreiben. Ich schreibe Unterhaltungsbücher für alle die, die meine Show noch nie genießen konnten.

Ist das Buch und was Sie schreiben zu 100 Prozent Désirée Nick, oder nehmen Sie ironisch andere Standpunkte?

Es ist zu 100 Prozent Désirée Nick. Weil es zu 100 Prozent ironisch gebrochen ist.

Das heißt, dass Sie auch im Privatleben zur Ironie neigen?

Ich würde eher sagen: Humor. Humor in allen möglichen Facetten, gespeist aus vielen Einflüssen. Sie wissen ja, dass deutscher Humor schnell an seine Grenzen stößt. Viele haben das Defizit, in diesem Punkt nicht ganz auf Zack zu sein. Und denen helfe ich da ein bisschen auf die Sprünge. Jede Frau ist heute froh, wenn eine aus ihrer Generation die Stimme erhebt. Und sich über die Gesellschaft, insbesondere über die Männer äußert. Denn Sie dürfen nicht vergessen: Die ganzen Comedians und Kabarettisten haben jahrelang davon gelebt, über Frauen herzuziehen - allen voran Mario Barth.

Beschäftigen Sie sich viel mit anderen Comedians oder Autoren?

Nicht sehr intensiv, weil ich nicht finde, dass man von denen viel lernen kann. Ich bin ein völliges Original und Unikat. Wissen Sie, ich bin ein Babyboomer. Wir Frauen aus dieser Generation wurden ja für Weltbilder erzogen, die es gar nicht mehr gibt. Und das kann man nur mit Humor überleben. Und: Meine Bücher machen jung und schön, denn sie verhelfen zum Lachen. Und wer lacht, der atmet ordentlich. Die Mundwinkel gehen nach oben, die Wangenmuskulatur wird gestrafft. Das ist ganz einfach Lifestyle.

Gibt es eine Berufsbezeichnung, die Sie für sich zulassen?

Ich bin Komödiantin in jeglicher Hinsicht. Es fängt damit an, dass ich regelmäßig mit Theaterrollen auf der Bühne stehe. Gerade war ich auf Tour mit der "Komischen Oper" Berlin, das Opernhaus des Jahres. In einer Operette: "Die Zirkusprinzessin". Dann Philharmonie Köln. Ich bin Autorin, mache viel Reality-Fernsehen, mache seit 30 Jahren meine eigenen Shows.

Sie sind ja offensichtlich nicht gerade unterbeschäftigt, wie kommt es dann, dass Sie bei Sachen wie "Ich bin ein Star ..." oder "Promi Big Brother" mitmachen?

Passen Sie mal auf, es gibt keinen anderen Beruf, in dem man sich rechtfertigen muss für das, was man tut. Man sagt doch auch zu keinem Bäcker: Warum machst du denn jetzt nur noch Brezeln und keine Sachertorte mehr. Für mich war es einfach ein geschäftlich hochinteressantes Angebot. Man müsste ja ein Depp sein, so etwas liegenzulassen. Und neben dem Geld haben mich Millionen Menschen kennengelernt - ich sage mal, ganz Deutschland. Wenn ich Kunst machen will, gehe ich in die "Komische Oper". Aber wissen Sie, Theatergänger sind eine elitäre Minorität. Die wissen, wer ich bin, wo ich herkomme, was meine Heimat ist, was ich kann. Und für all die, die nicht zu dieser elitären Minorität gehören, die können zu Hause auf der Couch sitzen, zappen und werden mir begegnen. Ist doch Wun-der-bar.

Ich hatte mich nur gewundert, da manche Künstler gewisse Berührungsängste mit diesen Formaten haben.

Habe ich nicht. Ein Künstler hat das gar nicht nötig, ein Künstler hat vieles nicht nötig. Und wer nicht kapiert, dass ich eine Künstlerin bin, und zwar eine sehr facettenreiche, der wird mich nie begreifen. Sie können ja Theaterpublikum nicht mit Fernsehen vergleichen, wo zwölf Millionen Leute zugucken. Das sind zwei unterschiedliche Berufe, die man gar nicht miteinander vergleichen kann. Das eine ist Quantität, das andere Qualität. Ich bin auf beiden Gebieten tätig.

Ich erlebe Sie in den Medien als jemanden, der "straight forward" ist, der einen auch mal in seinem Duktus überfahren kann. Gibt es da auch mal Momente, in denen Sie ganz still sind?

Ich bin ein Mensch, der sehr gerne alleine ist, sonst könnte ich gar keine Bücher schreiben. Das ist schon einmal eine sehr einsame Tätigkeit. Da ich jetzt schon mein zehntes Buch geschrieben habe, muss ich dementsprechend oft alleine sein. Ich arbeite auch gerne im Garten. Da hält man auch die Klappe.

Sie inszenieren sich nach außen als stark, frei und unabhängig. Gibt es da auch den Wunsch nach Zweisamkeit?

Ich inszeniere mich nicht als unabhängig - ich bin es. Und was soll ich dazu sagen? Ich habe ja keine Alternative. Ein Künstler hat so viel zu tun mit sich und seinem Talent. Es ist schon schwierig, einen adäquaten Partner zu finden, der dieses Leben akzeptiert.

Und wenn Sie einen Mann kennenlernen, was muss er haben, damit Sie sich für ihn interessieren?

Er soll einfach er selber sein. Es ist doch nichts schlimmer als ein Mann, der sich verstellt. Das funktioniert doch eh nicht. Es scheint immer durch, wer hab ist. Entweder die Chemie stimmt oder nicht. Wenn Sie mich nach der Poleposition fragen - bodenständig und geistreich, gleich gefolgt von ganz viel Humor. Das ist ein super Paket, gibt es aber ganz selten.

Am 14. April gastieren Sie ja im Kultur-Schloss Theuern. Kommen Sie gerne nach Bayern?

Ich komme unwahrscheinlich gerne nach Bayern - weil ich im Dirndl so super aussehe. In Theuern ziehe ich dann auch eines an.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de
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