Lizzy Aumeier im Kulturschloss Theuern
Trump, Ballermann und die AfD

Kultur
Kümmersbruck
19.09.2016
32
0

Thuern. (e) "Yes, we can" sagen die einen, "Wir schaffen das" andere. Bei Lizzy Aumeier heißt es kurz und bündig "Ja, ich will". Das galt auch für das Publikum im proppevollen Großen Saal im Schloss Theuern: Es wollte auch - die Kabarettistin unbedingt sehen. Und war, gemessen am donnernden Schluss-Applaus, nach einem zweistündigen Feuerwerk aus Scherzen, Sketchen, Frivolem und Scharfzüngigem restlos zufrieden. Wenn es stimmt, dass Lachen gesund ist, dann haben alle am Ende den Saal gesund verlassen.

Politisch das Maul auf


Lizzy Aumeier, die Oberpfälzerin aus Neumarkt, die mit ihren Kurven kokettiert, hat quasi ein Heimspiel in Theuern. Schon vom barocken Umfang her ist sie im Wortsinn eine Wucht. In ihrem weißen Bühnenkleid, nach der Pause im Schwarzen, zieht sie kräftig vom Leder: Lizzy Aumeier ist in Theuern in Höchstform. Sie weiß genau, was ankommt, wie sie das Publikum von einer Lachsalve in die andere jagt.

"Ja, ich will": Sie möchte unterhalten und die Leute zum Nachdenken bringen. Sie will "auch politisch das Maul aufmachen" - und tut genau das dann reichlich bei ihrem Auftritt: Witziges, Scharfzüngiges, Derbes, deftig und schonungslos - manchmal hängt die Gürtellinie auch recht tief. Sie schont die Zuschauer nicht, sich selbst und ihren Mann Andreas bei einem gemeinsamen Auftritt aber auch nicht.

Von Männern und Russen


Ihre Themen liegen auf der Hand: Die Liebe sowieso, die Männer im Allgemeinen und Besonderen, Ausländer, Integration, die AfD, die Russen, tiefgründige sexuelle Erfahrungen. Apropos Russen: Da macht sie auch vor Swetlana Klimova, der Frau am Klavier und an der Violine, nicht Halt: "Swetlana ist Weltklasse", lobt sie ihre virtuose Begleiterin. Um sie aber dann aufs Korn zu nehmen nach einem hinreißenden Solo: "Das können s', die Russen - Wodka saufen und Geige spielen" und "40 Jahre hatten wir Angst vor den Russen - jetzt spielen sie Klavier."

Lizzy Aumeier stammt aus einer Zeit, als man noch Briefe schrieb, der deutschen Sprache mächtig war, als ein Ja noch als Versprechen galt, ein Handschlag ein Vertrag war. Sie sagt es so: "Als man die Vornamen der Kinder nicht aufs Auto kleben musste: Man kannte sie." Lizzy Aumeier ist 52. Ihre Erkenntnis nach 27 Jahren Ehe: "Man lebt nicht mehr, aber man ist auch noch nicht tot." Für sie sind "Q-Tips für die Ohren und TTIP für den Arsch". Und wer glaubt, "dass die AfD gute Politik macht, der glaubt auch, dass das Ordnungsamt eine Wohnung sucht".

Auch die Weiblichkeit bekommt ihr Fett weg: "Bei manchen Frauen sieht Joggen aus wie Sterben mit Anlauf." Deutschland ist ihrer Meinung nach Integrations-Weltmeister. Der Beweis: "Haben wir nicht vor 25 Jahren die ganze DDR integriert?" Die AfD hat sie auch im Visier: "Die Deutschen fahren an den Ballermann in Urlaub. Dort saufen sie aus Eimern und wählen dann daheim die AfD, weil sich die Ausländer nicht benehmen können."

Max muss auf die Bühne


Zuschauer auf die Bühne zu holen, gehört bei ihr dazu. Diesmal angelt sie sich den "Max von der Bundeswehr" für einen Dialog über den Anfang der Ehe und 20 Jahre danach. Dass Lizzy Aumeier sich auch vorzüglich auf den Kontrabass versteht, macht sie durch angespielte Filmmelodien deutlich. US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump darf ebenso wenig fehlen wie Seehofer, die Kanzlernachfolge, Guttenberg und Dobrindt. Keine Frage: Lizzy Aumeier zieht bei diesem Auftritt alle Register ihres Könnens.

Q-Tips für die Ohren und TTIP für den Arsch.Lizzy Aumeier
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.