Museum Theuern kann archäologische Fundstücke aus Kümmersbruck präsentieren
Sensation wird vor Ort gezeigt

Eines der bedeutendsten Fundstücke: ein Saxschwert. Archivbild: wsb
Kultur
Kümmersbruck
21.01.2016
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"Was geschieht eigentlich mit den Funden, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden?" Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl hat das bei Generalkonservator Mathias Pfeil (Landesamt für Denkmalpflege) nachgefragt. Auslöser waren die Ausgrabungen im Herbst in Kümmersbruck. Strobl erfuhr: Es wurden bereits erste Gespräche mit Michael Ritz zu einer Präsentation im Museum Theuern geführt.

Pfeil ließ laut Presseinfo dem Abgeordneten weitere Informationen zu den Ausgrabungen zukommen: "Die C14-Analysen der Eisenschlacken erbrachten das für die Oberpfalz sensationelle Ergebnis, dass diese archäologischen Befunde in die Karolingerzeit zu datieren sind und damit aus Kümmersbruck nicht nur die bislang ältesten Nachweise von Eisenverhüttung und -bearbeitung für diese Montanregion vorliegen, sondern auch der Beleg für die Tätigkeit in der Region sehr viel weiter zurückreicht als bisher gedacht."

Die C14-Analysen der Eisenschlacken erbrachten das für die Oberpfalz sensationelle Ergebnis, dass diese archäologischen Befunde in die Karolingerzeit zu datieren sind.Generalkonservator Mathias Pfeil

Bei den zur archäologischen Untersuchung anstehenden Bauparzellen seien neben Gräbern der Karolingerzeit auch Hunderte von Befunden zur Eisenverarbeitung aus spätkarolingisch-ottonischer Zeit (9./10. Jahrhundert) freigelegt worden. Besonders bemerkenswert findet Strobl die Aussage des Generalkonservators, dass "es sich um die deutschlandweit erste Ausgrabung solch einer Fundstelle handelt". Der Boden gab dort große Schmiedegruben frei, in denen offenbar hochspezialisiert Eisenprodukte hergestellt wurden. Besonders wichtig sei der Fund einer Klingenspitze, der darauf hindeute, dass dort Waffen geschmiedet wurden. Offensichtlich handle es sich hier um eine Produktion im großen Stil, die nur im hochherrschaftlichen Auftrag - wohl der Nordgaugrafen - denkbar sei.

Die Anfänge von Bergbau, Verhüttung und Verarbeitung von Eisenerzen in der Region liegen aber weitgehend im Dunkeln, obwohl sich durch die Grabungen der vergangenen Jahre in Sulzbach, am Frohnberg und in Amberg Hinweise auf eine weit vor die ersten schriftlichen Nennungen zurückreichende Tradition in der Verarbeitung von Eisenerz ergaben.

Die Erforschung dieser Anfänge des Montanwesens in der Oberpfalz habe einerseits überregionale Bedeutung. Andererseits sei sie auch für die lokale Bevölkerung von identitätsstiftendem Interesse. Die Ausgrabungen leitete Dr. Mathias Hensch, der ein Experte für Fragen der Montanarchäologie ist.
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