Wou stammst Du assa?
Köferinger auf den Spuren ihrer Geschichte

Die Referenten (von links): Josef Vogl, Heimatpfleger Dieter Dörner, Hans Prem und Josef Schmaußer. Im Vordergrund die Ansicht von Johann Riedl aus dem Jahr 1961. Bild: egl
Kultur
Kümmersbruck
21.04.2016
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Trotz der zahlreichen Gäste im Vereinsheim war es bei der Veranstaltung des Heimat- und Kulturvereins Köfering zeitweise so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Wo liegen die Wurzeln der Bewohner und wie präsentierte sich Köfering vor über 100 Jahren? Vorsitzender Josef Vogl war überrascht, dass dieses Thema nicht nur die ältere Generation interessierte.

Köfering. Josef Vogl stellte die Referenten vor. Dazu gehörten Hans Prem (Lehrling am Fuaßbauernhof), sowie Dieter Dörner und Josef Schmaußer. Im Vorfeld wurden bereits vom Verein alte Dorfbewohner befragt, welche Hausnamen heute noch bekannt und wem zugeordnet werden können.

Das Internet hilft


Zufällig tauchte im Internet vor Wochen eine Ansicht des Lebensmittelgeschäfts Baumer von 1961 auf. Daraufhin erforschte der Köferinger Verein die Quelle und fand zwei weitere wunderschöne Hofansichten aus 1961. Spontan wurden die Ansichten auf Leinen gezogen und den Hofeigentümern zur Verfügung gestellt. So wurde bereits zu Beginn des Abends dem Schmie, dem Gumbauern und dem Schneinder ein Geschenk gemacht. Dieter Dörner lieferte den theoretischen Hintergrund: "Hausnamen dienten früher ganz einfach zur Orientierung und der Zuordnung - ähnlich wie die Hausnummern heute". Bei den Namen gab es Differenzierungen zu beachten. So können sich Hausnamen auf einen Spitznamen, Eigenschaften, Nachnamen, Anwesen, Ort, Platz oder den Beruf beziehen. Manchmal kamen Kombinationen zustande, wie beispielsweise Wirtsmeier. Um 1820 bis 1850 wurden in der Oberpfalz die Bezeichnungen in Urkataster und Urkunden schriftlich festgehalten. Hierbei kam es zu Schreib- und Übersetzungsfehlern. Ein typischer Übersetzungsfehler von Pfälzern sei der eigentliche Lehmgrubenweg in Amberg, der seitdem mit Liebengrabenweg geführt werde. Die Schreiber waren damals nicht gänzlich dem Oberpfälzer Dialekt gewachsen. Im Anschluss ging Dörner auf das angedachte Leader Projekt der Hausnamen ein. An der landkreisübergreifenden Aktion möchte sich Köfering beteiligen. Mit einer Dorfansicht von 1900, worauf die alte Miartlbäuerin zu sehen ist, vertieften sich die etwa 80 Gäste in dem Thema. Es erfolgte eine Zuordnung der Gebäude und man erkannte schnell, dass eine Seite der heutigen Waldhausstraße nahezu unbebaut war.

Josef Schmaußer steuerte interessanter Daten bei: 1838 seien 20 Gebäude in Köfering im Urkataster vermerkt. Auch wurden dazu die damaligen Hausnamen und die Besitzer genannt. Bayern war das erste Land in Europa, welches genau vermessen wurde. Ab 1811 wurden Hausnummern eingeführt. Als Hohenkemnather konnte Josef Schmaußer viel Geschichtliches beitragen, da Köfering kirchlich damals zu Hohenkemnath gehörte. Aufgabe der Besucher war es nun, die Hausnamen zuzuordnen, Veränderungen der Besitzer und Hausnamen zu dokumentieren.

In den folgenden zwei Stunden wurde über die ersten 20 Anwesen diskutiert, gestaunt und viel Neues erläutert. So sind da Fuaßbauer und da Zimmerhansel die einzigen Höfe, die seit 1838 auch namentlich nicht die Eigentümer gewechselt haben. Schmiebauer, Kutz oder Neibauer dagegen fielen anderen Namen zum Opfer. Gespalten wurden Namen wie da Miartlbauer, da Kohlmacher und da Grill. Daraus entstanden Eimer-Walle, Högl-Haus, Meier-Hof (Peter) oder Hirsch-Nickl. Neben dem einzigen Forsthaus an der Stelle des Anwesens Siegfried Fertsch und dem Höitheisl (heute Willibald Meiler) gab es detallierte Erkenntnisse des heutigen Pferde-Meier über seinen ehemaligen Biener-Hof.

1972 wurde der Hof erst verkauft und ist heute als solcher nicht mehr zu erkennen. Früher hatte das Anwesen den Namen Neubauer, was jedoch von einem Besitzernamen kommt und nicht vom neuen Bauer. Der Pirzer-Hof übernahm später diesen Hausnamen, da der Besitzer von diesem Hof abstammte.

Ergebnisse zusammen


Der Verein will die Ergebnisse nun zusammenfassen, dokumentieren und den Höfen zur Verfügung stellen. Dies könne aber noch bis Herbst dauern, informierte Josef Vogl. Er war sich sicher, dass die Ergebnisse weiter verfeinert werden. So war unklar, wo die Familie Meier überhaupt herkommt. Weitere Erkenntnisse über andere Höfe (Fertsch, Schnellinger oder Schmalzl) sollen noch gesammelt werden. 2017 und 2018 will sich der Verein dem Thema bis hin zu einer Fotochronik immer mehr annehmen. (Im Blickpunkt)
Hausnamen dienten früher ganz einfach zur Orientierung und der Zuordnung - ähnlich wie die Hausnummern heute.Kreisheimatpfleger Dieter Dörner
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