Beim ehemaligen Park-Kino in Amberg ist die Vils recht flach. Da kann man, nächtens um halb drei, aus Jux und Tollerei schon mal
Aus Tollerei wird tolle Show

Lokales
Kümmersbruck
27.05.2015
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durchwaten. Durchwandern kann man auch sagen. Mit viel Fantasie lässt sich daraus ein Vilswanderer machen.

(e) Wolfgang Ignatz ist dieser Vilswanderer. Der geborene Kümmersbrucker, der als Kind zu Fuß und alleine in die Schule gehen musste, stieg 2008 erstmals in die Vils und machte seither "immer weida, weida". Musikalisch. Jetzt mit einem Stopp in Kümmersbruck.

Wolfgang "Aitschi" Ignatz, Sänger, Gitarrist, Dichter, Liedermacher und Komponist, sei von der Muse geküsst worden, seinerzeit beim "Wandern in der Vils". Zunächst alleine, dann aber mit Schlagzeuger Jaxon Haßler und Bassist Levent Barutlu. Als Trio sind sie Wolfgang Ignatz mit Band. Sie haben sich mittlerweile zu Profis entwickelt. Sie traten diesmal auf Einladung von Kunst-Kultur-Kümmersbruck auf, stellten dabei auch ihre aktuelle CD-Produktion vor und wurden ihrem vorauseilenden guten Ruf gerecht: skurril, komisch, hintersinnig, schlitzohrig. Die Band bietet aber immer aus dem Leben gegriffenes Zwischenmenschliches. Und heimatverbunden ist Ignatz auch. Er ist beileibe kein Gstanzl-Sänger. Die drei Männer glänzen mit Oberpfälzer Rock und Pop, Blues und Country, einfach mit: "Der ganze Fluss ist voll, Vilswanderer-Rock'n'Roll". Die Geschichten von Wolfgang Ignatz sind wahr, passiert, authentisch, selbst erlebt, nachvollziehbar und das nimmt man dem Trio auch ab. "Hock di her, bleib dou", hat es oft geheißen im Wirtshaus, wo es auch eine "Lieblingsbedienung" gibt. Sie sei in der Stammcafébar, im "Gei um Großschönbrunn" und "wenn's dir net guat geht, bringt sie den Sonnenschein", sang Ignatz. Dass er gerne seinen Schlüssel in der Tasche einer Frau hätte, wünscht er sich mit dem "Schlüssellied". Seinem Freund hat er den Medium-Rock "I geh wieda hoam nach Sulzbach-Rosenberg" gewidmet. Dieser Kumpel soll einmal gesagt haben: "Es is niat so, dass i d'Amberger niat moch, aber d'Sulzbacher san a ganz anderer Schloch."

Penner, Trottel, Bettler - auf jeden Fall ein Amberger Original war der 1985 verstorbene Rucksacksepp alias Josef Kraus. Stoppelhaar und Stechschritt, stets salutierend und den Damen auf den Hintern klopfend. Viele im Publikum haben ihn gekannt, und so wussten sie auch von dessen Schandtaten sozusagen noch aus eigener Erfahrung, besungen im Slow Shuffle Blues: "Rucksacksepp, so hat er ghoaßn". Der "Oberpfälzer Wanderblues" beschrieb die Vielzahl von blauen, gelben, orangen, weißen Wegen und deren oftmals irreführende Beschilderung. In seinen Solo-Stücken wie "Hotel California" auf oberpfälzisch, konnte Ignatz bei seinem "Heimspiel", wie er es nannte, beim geneigten Publikum punkten.
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