Brieftaubenverein 05042 Amberg feiert 110-Jähriges
Nur Jugend fehlt

Lokales
Kümmersbruck
21.11.2014
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"Ein gutes Auge, gutes Blut, und Heimatliebe, dann ist sie gut": So charakterisieren Brieftaubenzüchter ihre gefiederten Lieblinge. Die haben in Kümmersbruck eine wahrlich lange Tradition: 110-jähriges Bestehen hat der Verein 04042 Brieftaube Amberg gefeiert, der mittlerweile in Kümmersbruck sein Domizil hat.

Vorsitzender Gerhard Ignatz nahm diesen Ehrentag zum Anlass, auf die wechselvolle Geschichte des Vereines zurückzublicken. Schon 1929 hat er in Amberg die bayerische Verbandsausstellung auf die Beine gestellt. Danach ruhte bis 1945 der Zucht- und Vereinsbetrieb. Anlässlich des 50-Jährigen wurde erneut eine bayernweite Ausstellung in Amberg organisiert. Ein großer Schritt für die Mitglieder war 1962, als der Transport der Brieftauben von der Schiene auf die Straße verlegt wurde: Das hat laut Ignatz vieles erleichtert.

Die Kreisvereinigung 117 Oberpfalz kaufte sich einen Kabinentransporter. Damals war die Jordan-Brauerei Vereinssitz. Thomas Ferstl hat das 90-Jährige organisiert. Ein Meilenstein im Verein war die Einführung von sogenannten "Tipes"- Geräten, die die Gummiringe zur Kennzeichnung ablösten. Wie es die Tauben schaffen, aus Hunderten Kilometern Entfernung den eigenen Schlag zu finden, das ist immer noch nicht ganz geklärt.

Eindeutig dagegen ist zu Ignatz' Bedauern aber, "dass immer weniger bereit sind, sich mit der zeitaufwendigen Zucht zu beschäftigen. Vor allem die Jugend ist dafür nicht mehr so zu haben". Außerdem sei es heute gar nicht mehr möglich, einen Brieftaubenschlag in bewohntem Gebiet einzurichten. Der Kümmersbrucker Verein folge einem bundesweiten Trend - er sei geschrumpft, ließ Gerhard Ignatz wissen. 115 000 Mitglieder habe der Deutsche Verband der Brieftaubenzüchter einst vereint, jetzt seien es gerade noch 37 755.

Auf diese Schwierigkeiten wies auch Altbürgermeister Richard Gaßner hin, der Schirmherr des Jubiläums. Trotzdem ist er "überzeugt, dass es bei den Brieftaubenzüchtern schon weitergeht". Die Gemeinde vertrat 3. Bürgermeister Hubert Blödt, der an die jahrhundertealte Geschichte und den Stellenwert der Brieftauben erinnerte.

Auch Züchter Willi Schnaus kann nicht erklären, warum die Tauben immer wieder ihren Schlag finden: Jedenfalls hat er den von Richard Gaßner gestifteten Ehrenpreis gewonnen. Die einjährige Schnaus-Taube war aus Luxemburg als schnellste wieder daheim, ebenso wie die "alte Taube". Die Mitglieder Michael Niedermeier, Karl-Heinz Pirner, Walter Schenk, Fritz Bayerlein und Ludwig Maul hatten zum Jubiläum sechs "besonders gute Tauben" zum Versteigern gestiftet.

Vorsitzender Ignatz nutzte den feierlichen Rahmen, um Manfred Eilles für 40 und Willibald Fehlner für 30 Jahre Vereinstreue auszeichnen.
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