Das Buch "Labyrinth der Wörter" fasziniert die Literaturfreunde in Kümmersbruck
Miesmuschel an der Theke

Karin Wildfeuer freute sich über die engagierte Diskussion zum Buch.
Lokales
Kümmersbruck
30.09.2014
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Das Buch "Labyrinth der Wörter" der Autorin Marie-Sabine Roger wurde dieses Mal in der reihe "Kümmersbruck liest ein Buch" besprochen, seziert und kritisiert. Karin Wildfeuer, die in dieser Reihe bereits zum vierten Mal in Kümmersbruck war, hatte es ausgesucht für diesen Abend in ungezwungener Atmosphäre in der Gemeindebibliothek. Organisiert hatte das Ganze "Kunst, Kultur Kümmersbruck", wobei die Gemeindebibliothek das ideale Ambiente aufwies, um zu einem "literarischen Salon" zu werden.

Es ging um Literatur und den daraus entstandenen gleichnamigen Film "Das Labyrinth der Wörter" - mit Gérard Depardieu und Gisèle Casadesus in den Hauptrollen. Zufällig war der Film zwei Tage vorher im Fernsehen gezeigt worden. Wer ihn gesehen hatte, war bestens bewandert. Die anderen mussten das Buch gelesen haben, um mitreden zu können. Das konnte das Auditorium wohl, wie sich bei der Diskussion herausstellte. Die war allerdings vor allem Frauensache; nur drei Männer hatten sich eingefunden.

Kindheit ohne Liebe

Germain ist ein 50 Jahre alter Hüne von einem Mann (im Film: Depardieu), der aber ein entscheidendes Problem hat: Er ist fast ein Analphabet, nicht gebildet, ohne Beruf, ohne Schulabschluss. "So wie eine Miesmuschel am Felsen hängt, hing er an der Theke", sagte Karin Wildfeuer. Germain lebt in den Tag hinein, verdingt sich als Gelegenheitsarbeiter, geht am liebsten in den Park, zählt die Tauben ("Ratten der Lüfte"), kritzelt seinen Namen auf ein Gefallenendenkmal, streunt in der Gegend herum. Die Kindheit hat es nicht gut mit ihm gemeint: keine Zuwendung. Er kann manch berühmten Schriftsteller nicht von einem Restaurantführer unterscheiden. Irgendwann lernt er im Park eine alte Dame kennen, die kultivierte Margueritte, um die 90 Jahre alt, die sich auf die gleiche Parkbank setzt und dort liest.

Irgendwann liest sie Germain Romane vor, ihm, der an sich nicht weiß, warum man eigentlich lesen sollte, "für den Bücher eigentlich was ganz Schreckliches sind", wie Karin Wildfeuer sagte. Fortan beginnt Germain nachzudenken, sich zu verändern, zu lesen. Die Treffen im Park werden zur Gewohnheit, entfachen seine Leidenschaft für Literatur. Da Margueritte bald erblinden wird, entschließt sich der mittlerweile völlig veränderte, liebenswerte Germain, dessen Mutter auch plötzlich verstorben ist, das Lesen zu lernen, um bald selbst die Rolle des Vorlesers übernehmen zu können.

Der Leser des Buches geht irgendwie fasziniert mit, wie es der Autorin gelingt, die Sinnfindung Germains zu beschreiben, sowohl in der anfangs holprigen Sprache von Germain, als auch dann in ihrer kultivierten Sprache. Kritik am Buch gab es bei der Diskussion durchaus. So ist sehr erstaunlich, wie schnell die Annäherung von zwei ganz unterschiedlichen Menschen vonstatten geht. "Da fehlt mir die Plausibilität", fand Karin Wildfeuer. Sie war mit dem Publikum einig, dass so manches "nicht schlüssig", manches als "unwahrscheinlich an manchen Stellen" einzustufen sei.

Faszinierendes Buch

Auch der plötzliche Tod der ungeliebten Mutter, die unerklärlicherweise über großes Vermögen verfügt und das alles Germain vermacht, sei nicht nachvollziehbar. Und trotzdem: Das Buch fasziniert und hinterlässt die subjektive Botschaft, dass Kinder, die ohne Liebe und Zuwendung aufwachsen, im Leben eigentlich nur scheitern können.
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