Ein Platz für die alte Heimat

Lokales
Kümmersbruck
10.03.2015
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Ihr Weg führte über 688 Kilometer, mit eisenbeschlagenem Pferde-Wagen, Kind und Kegel nach Amberg: Die Strapazen der Leisnitzer auf dem großen Flüchtlingstreck zwischen 16. März und Juni 1945 werden jetzt sichtbar - in der Leisnitzer Heimatstube in Kümmersbruck.

Damit sei ein langgehegter Wunsch der Leisnitzer in Erfüllung gegangen, sagt Rudolf Frenzel. Vor allem der mittlerweile verstorbene Leisnitzer Heimatforscher Günther Rapp habe sich stets für ein solches "Museum" eingesetzt.

Hier finden Interessierte umfangreiches Material über das Dorf Leisnitz in Oberschlesien, über seine Bewohner und Einrichtungen, Karten, Akten, Pläne, Briefe, weitere Dokumente und zahlreiche Bilder und Bücher. Sie machen die Geschichte des Ortes Leisnitz und seiner damaligen Einwohner sichtbar - bis zu ihrer entbehrungsreichen Flucht.

Dass die Leisnitzer Heimatstube oder auch das "kleine Museum" in Kümmersbruck untergebracht ist, ist kein Zufall. Mit rund 400 Menschen sind die Leisnitzer in Kümmersbruck und im Landkreis ein starker Bund. Die Leisnitzer Paul Karzmarczyk, Luzia Krumschmidt, Josef Breitkopf und Rudolf Frenzel sind die Motoren dieser Sammlung, die jetzt zusammen mit Bürgermeister Roland Strehl eröffnet wurde.

Dauerhaft untergebracht ist die einmalige Sammlung im Kümmersbrucker Rathaus, im Fraktionszimmer der SPD, wofür der Bürgermeister dankte. Anerkennung zollte er auch den Leisnitzern für die "verständnisvolle Unterstützung des Heimatgedankens". Zu sehen ist die Ausstellung während der üblichen Öffnungszeiten des Rathauses.

Flucht und Vertreibung brachte der Bürgermeister bei der Eröffnung zur Sprache, erwähnte dabei Vertriebenen-Verbände, die Integration der damaligen Flüchtlinge, die heute noch Lebenden und ihre Nachfahren, die trotz aller Entbehrungen, Enttäuschungen und Verlusten um Aussöhnung bemüht seien.

Rudolf Frenzel verwies auf den Treck von damals - über Tschechei, Böhmerwald, Passau, Donau-, Naab- und Vilstal bis in den Landkreis Amberg. Begleitet gewesen sei er von Kummer und Leid, Hunger und Not und von gelegentlichen Luftangriffen - was auch das Bildmaterial zeigt. Dokumentiert ist aber auch das meist bäuerliche Leben in Leisnitz, Felder und Wiesen, Häuser, die schlesische Lebensart.

Die Leisnitzer Heimatstube dient auch als umfassendes Nachschlagewerk: Alle Bewohner von 1945 sind namentlich festgehalten und zu sehen. Erinnerungen wecken vor allem die drei heimatkundlichen Bände "Chronik der Gemeinde Leisnitz/O/S", "Lieb' Heimatland ade" oder "Aus meinem Leben".
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