Essen frisch in den Müll

Lokales
Kümmersbruck
06.11.2014
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Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel, jedes fünfte Brot landen auf Müllhalden. Oder 500 000 Lkw-Ladungen pro Jahr. Dieses Thema beschäftigt die Frauen-Union.

Wenn die Sachverständigen recht haben, dann landet in Deutschland mehr als die Hälfte der Lebensmittel auf der Müllhalde. Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt die Esstische in den Wohnungen erreicht. Das ist dem aufklärenden Film ("Frisch auf den Müll") des Regisseurs Valentin Thurn zu entnehmen, den sich die Frauen-Union Kümmersbruck mit Vorsitzender Monika Paintner und Bernd Saurenbach, Vorsitzender der Amberger Tafel, zu Gemüte führten.

Teils noch verpackt

Aus einer aktuellen Studie, so ließ der den Streifen begleitende Saurenbach wissen, gehe hervor, dass alljährlich eine Gesamtmenge von knapp elf Millionen Tonnen Lebensmitteln von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaushalten entsorgt werden. In den Abfallcontainern der Großmärkte, in Supermärkten und Lagerhallen seien gewaltige Mengen teilweise noch einwandfreier Nahrungsmittel zu finden, oft original verpackt, teils noch mit gültigem Haltbarkeitsdatum.

Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel, eine Delle im Apfel, ein brauner Fleck in der Banane, das Haltbarkeitsdatum um einen Tag überschritten - sofort wird aussortiert in den Müll, denn alles muss perfekt aussehen. Der Verbraucher will es so, wird argumentiert. Dabei entsteht nach Untersuchungen der Großteil der Lebensmittelabfälle in Privathaushalten: Pro Jahr werden 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel über Restmüll, Biotonnen, Ausguss und Kompost entsorgt oder an Haustiere verfüttert. Gemüse (26 Prozent) und Obst (18 Prozent), gefolgt von Backwaren (15 Prozent) und Speiseresten (12 Prozent) machen den Hauptanteil der vermeidbaren Lebensmittelabfälle aus.

Auf die Erderwärmung

45 Minuten lang wurde den Frauen eingehend vor Augen geführt, welche Auswirkungen sich auf das Weltklima ergeben, wenn die Hälfte der produzierten Lebensmittel zu Abfall wird: Für rund ein Drittel aller Treibhausgase ist die Landwirtschaft verantwortlich. Wenn Nahrungsmittel auf der Müllkippe verrotten, entweicht zusätzlich Methangas, das die Erderwärmung radikal beschleunigt - 25 mal so stark wie Kohlendioxid. Und es kostet, so Saurenbach, bares Geld: "47 Prozent der Lebensmittelabfälle in deutschen Haushalten wären vermeidbar, weitere 18 Prozent teilweise vermeidbar. Würden wir weniger wegwerfen, würden wir weniger einkaufen - eine simple Rechnung, die Preise würden fallen, es bliebe mehr für die Hungernden dieser Welt." Und so die Quintessenz: "Wenn wir in den Industrieländern die Lebensmittelverschwendung nur um die Hälfte reduzieren, hätte das auf das Weltklima denselben Effekt, als ob wir auf jedes zweite Auto verzichten." Auch das machte der Film deutlich.
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