Hühnern geht das Futter aus

Lokales
Kümmersbruck
30.04.2015
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Für Autofahrer ist die Sperrung der AS 27 in Kümmersbruck nur lästig. Für den Metbauernhof ist sie eine Katastrophe: "Ich hab' kein Hühnerfutter mehr", schilderte Hofchef Adolf Scharf am Dienstag im Gemeinderat. Wegen der Baustelle können ihn die großen Liefer-Lkw nicht mehr erreichen.

Die AS 27 stand eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung der Sitzung. Gemeinderat Johann Graf (CSU) machte sie zum Thema: "Bei mir klingelt ständig das Telefon, weil Leute nicht mehr zu ihren Grundstücken kommen", berichtete er von massiven Anwohner-Beschwerden. Und wollte wissen, warum man diese Sanierung nicht mit halbseitigen Straßensperrungen über die Bühne bringen könne.

Proteststurm am Telefon

"Ich bin auch davon ausgegangen, dass das abschnittweise gemacht wird", bekannte Bürgermeister Roland Strehl, der inzwischen aber eines Besseren belehrt wurde. Eine Nachfrage beim Landratsamt habe ergeben, dass im Zuge der Maßnahme auch ein neuer Kanal verlegt werde, was nur "in einem Stück" möglich sei. Deshalb die Totalsperrung, die Anliegern beschränkte Zufahrten nur mit dem Pkw ermöglicht und große Staus auf der Vilstalstraße verursacht.

Strehl bestätigte: "Bei uns geht auch ständig das Telefon." Der Bürger-Zorn treffe hier allerdings die Falschen - denn obwohl die AS 27 durch Kümmersbruck führt, sei ihr Ausbau ein Projekt des Landkreises, in das die Gemeinde nicht eingebunden sei. "Wir haben nicht einmal einen Bauzeitenplan", merkte er an. Und fügte hinzu, die Planung sei wohl "suboptimal gelaufen: Wenn wir als Gemeinde so was machen, gehen wir da anders ran." Trotzdem wollte er in der Sitzung "nicht auf den Kreis einprügeln", wenn sich dieser nicht verteidigen könne.

Johann Graf fasste trotzdem nach. "So was muss man doch vorher klären", sagte er und machte auf Metbauer Adolf Scharf aufmerksam. Dieser komme nicht mehr zu seinen landwirtschaftlichen Flächen. Dabei ist dies noch das geringere Problem. Das wurde deutlich, als der verzweifelte Landwirt, der als Zuhörer die Sitzung verfolgte, Rederecht bekam: "Was soll ich machen?" Den großen Lastwagen, die ihm sein Tierfutter liefern, versperre die Baustelle die Zufahrt. Die einzige Alternative sei der Weg über eine Brücke - deren Tragkraft auf neun Tonnen begrenzt ist: zu wenig für einen 24-Tonner.

Für Scharf, der nach eigenen Worten beim Kreis schon mehrfach ohne Ergebnis intervenierte, hat das inzwischen dramatische Folgen: "Ich brauche spätestens am Samstag eine Lieferung. Sonst haben meine Hühner kein Futter mehr." Das Problem ist also akut. Aber es wird weiterhin eines bleiben, denn Scharf braucht etwa alle drei Wochen Nachschub - und der Straßenausbau soll bis in den Herbst laufen.

Auf und zu: Keine Lösung

Insofern sei es auch keine Lösung, was ihm das Landratsamt vorgeschlagen habe: Man könne die Baugrube zuschütten, damit der Laster durchkommt, und sie dann wieder aufgraben. Das, meint selbst Scharf, könne man doch nicht jedes Mal machen, wenn er eine Lieferung bekomme. Kümmersbrucks Bauamtsleiter Werner Bauriedel brachte, wenngleich nicht zuständig, die Idee ins Spiel, die erwähnte Brücke vielleicht durch Stützen so tragfähig zu machen, dass sie auch ein 24-Tonner benutzen kann.

Strehl versprach Scharf, hier am Ball zu bleiben: "Das müssen wir mit Nachdruck klären, sonst müssen wir das vielleicht sogar stoppen."
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