Mehr Musiker als Zuhörer

Ein mitreißendes Konzert gab die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen in Kümmersbruck. Das ist umso bemerkenswerter, als das Ensemble vor kleinster Zuhörerschaft spielte - warum dies so war, kann sich keiner der Verantwortlichen erklären. Bild: e
Lokales
Kümmersbruck
17.11.2015
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Ihr eilte der Ruf eines vorzüglichen Orchesters voraus. Dem wurde die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen auch als Gast der Kümmersbrucker Kulturtage gerecht. Allein das Publikumsinteresse ließ sehr zu wünschen übrig.

Konzertante Blasmusik beherrscht dieses Ensemble unter Leitung von Josef Lobenhofer aus dem Effeff. Das klingt harmonisch und voluminös, ist fein abgestimmt - in einem beachtlichen Repertoire. Eröffnet wurde das Konzert mit dem schmissigen Florentinermarsch, das Stockholm Water Festival und die bekanntesten Melodien aus dem Phantom der Oper folgten. Nicht einfach zu spielen, aber gekonnt dargeboten war die Toccata d-Moll von Johann Sebastian Bach.

Viel geübt für wenig Leute

Nach der Pause hatten die Solisten ihren Auftritt: Heinrich Weigert (Altsaxofon) und Markus Birzer (Trompete) bei "Stand by me". Zum 100. Geburtstag von Frank Sinatra intonierte die Kapelle den Ohrwurm "My Way" (Gesang Cris Gardner) und schließlich kam auch noch Udo Jürgens mit einem Potpourri zu Ehren. "Phänomen" von Helene Fischer, gesungen von Kerstin Fischer, Melodien aus dem Bayerisch-Böhmischen waren ebenfalls zu hören. Michael Lobenhofer jun. und Kerstin Fischer wünschten schließlich gesanglich zum fulminanten Orchesterklang "Bis bald, auf Wiedersehen". Noch eins hatte das auch fürs Auge etwas bietende Ensemble aus dem Vilstal in seinem Spielplan: Konstantin Weckers "So a saudummer Dog" sang Michael Lobenhofer jun., aufs Feinste unterstützt von den Musikern. Das war es dann wohl auch irgendwie im Wortsinn: Schon bei der Begrüßung konnte Ursel Fuchs vom Arbeitskreis Kunst, Kultur, Kümmersbruck ihre Enttäuschung nicht verbergen: "Es tut mir so leid, dass Sie so viel geübt haben für so wenig Leute", bedauerte sie an die Adresse der Musiker.

In der Tat war der Besuch schlicht und einfach enttäuschend - mehr Musiker als Zuschauer! Bezieht man die Service-Mannschaft vom Förderverein das Martin-Schalling-Hauses ein, verliefen sich gerade mal 30 Zuhörer in der Mehrzweckhalle. Das ist für eine so herausragende Blaskapelle wohl ernüchternd. Ihr musikalischer Leiter Josef Lobenhofer trug's trotzdem mit Fassung: "Uns wär's auch lieber gewesen, wenn es mehr Zuhörer gewesen wären."

Erklärungsversuche

Um so bemerkenswerter ist, dass die Kapelle trotzdem durchgehend ihr Bestes gegeben hat. Auch Vorsitzender Michael Fischer machte die Qualität des Auftritts nicht von der Quantität im Zuschauerraum abhängig.

Woran es gelegen hat, dass nicht mehr Zuhörer kamen, konnte sich niemand schlüssig erklären - nicht die Organisatoren, die sich viel Arbeit gemacht hatten, und auch nicht 2. Bürgermeisterin Birgit Singer-Grimm. Erklärungsversuche gab es: Der Terror von Paris? Mehrere Veranstaltungen am Samstagabend in Kümmersbruck zur gleichen Zeit? Der Eintrittspreis (13 Euro bzw. 12 im Vorverkauf) zu hoch? Der Regen? Schon tags zuvor hätte sich Bürgermeister Roland Strehl beim Auftritt von Comedian Olivier Sanrey mehr Zuschauer gewünscht, obwohl da noch gut 50 bis 60 anwesend waren.

Trotz dieser Umstände hat die Blaskapelle überzeugt - wohl nach dem Motto "klein, aber fein", was den Zuhörerkreis betrifft. Wer nicht dabei war, hat zweifelsohne etwas versäumt. Vorsitzender Richard Fischer hätte natürlich auch gerne mehr Besucher gesehen - aber die, "die gekommen sind, haben es verdient, dass sie ein gutes Konzert erleben: Wir machen es ja aus Spaß an der Musik."
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