Normalität mit Ungewissheiten

Begrüßungsdefilee in der Schweppermannkaserne (von rechts): Oberstleutnant und Bataillonskommandeur Matthias Kampf, Bürgermeister Roland Strehl und seine Ehefrau Gabriele.
Lokales
Kümmersbruck
17.01.2015
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Es zeichnet sich ab, dass die Schweppermannkaserne mittelfristig als einziger Bundeswehr-Standort in der Region übrig bleibt. Damit steigt der Stellenwert des dort gepflegten Neujahrsempfangs. Das wird schon jetzt deutlich.

(zm) Seit Jahren laden die Standortgemeinde und die dort stationierte Einheit gemeinsam zu diesem gesellschaftlichen Ereignis ein. Doch es ist nicht nur eine nette Geste der Verbundenheit des zivilen und militärischen Lebens rund um die Garnison. Die Empfänge sind immer auch Ausdruck des jeweiligen Selbstverständnisses und des Verhältnisses untereinander. Und da bewegt sich viel. Das ließ sich gleichermaßen aus den Reden von Bürgermeister Roland Strehl und des Kommandeurs des Logistikbataillons 472, Oberstleutnant Matthias Kampf, heraushören.

Je mehr sich diese Einheit, respektive die Bundeswehr, in aktuelle militärische Operationen eingebunden sieht, desto ausgeprägter scheint das Bedürfnis nach einem Leben in der Alltagsnormalität rund um die Kaserne zu werden. Strehl möchte als Bürgermeister diesem Trend ausdrücklich Rechnung tragen. "Ein funktionierendes Gemeindeleben ist nichts Selbstverständliches", wandte er sich an die über 200 Gäste. "Ganz im Gegenteil: Es ist durchaus fragil und muss von uns politisch Verantwortlichen jeden Tag genau beobachtet und gepflegt werden."

Dabei möchte der Bürgermeister den Soldaten und deren Familien außerhalb des Berufslebens nichts anderes als die Normalität eines unspektakulär funktionierenden, intakten Gemeinwesens bieten: Kinderbetreuung, Schulen, Raum zum Leben und Wohnen, Spaß und Engagement in der Freizeit. Strehl forderte die Bundeswehrangehörigen ausdrücklich auf, sich umfassend in das zivile Leben von Kümmersbruck und der Umgebung einzubringen. Dieses Gegenangebot könne er als Bürgermeister dafür machen, dass sich die Soldaten ihrer militärischen Verantwortung stellen würden.

Die Zeit wird knapp

Die wachse weiter, blickte Oberstleutnant Matthias Kampf als Bataillonskommandeur in die nahe Zukunft seiner Einheit. Nach außen hin verlaufe 2015 zwar eher ruhig, erinnerte er kurz an die Einbindung in das ISAF-Kontingent im vergangenen Jahr. Doch ab dem 1. Januar 2016 werde das Bataillon für sechs Monate in die schnellen Eingreifkräfte der Nato (Nato Response Force, NRF) eingegliedert, müsse also für eventuelle Kriseninterventionen bereitstehen. Dieses Jahr diene deshalb der intensiven Vorbereitung darauf, was etwa bedeute, ab Oktober an einem Großmanöver mit über 25 000 Soldaten in Spanien und Portugal teilzunehmen. Trotz einer eher ruhigen Phase müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass "die Soldaten meines Bataillons wenig Zeit am Standort verbringen werden". Die Bundeswehr ist immer auch ein Wirtschaftsfaktor. Hier kündigte Kampf Bewegung an. "Nach beinahe 20 Jahren infrastrukturellem Stillstand" würden in absehbarer Zeit rund 40 Millionen Euro in eine umfassende Sanierung des Standorts investiert.

Landrat Richard Reisinger hielt sich launig-kurz und streifte Erinnerungen an gemeinsame Wehrdienstzeiten mit Strehl in der Schweppermannkaserne. Sie beide hätten es gerade einmal bis zum Obergefreiten gebracht. Ein jetziger Blick in die Runde offenbare ihm deshalb eindrucksvoll, dass es einige dieser Dienstgrade zu ihrer Zeit noch gar nicht gegeben habe.
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